Denkmalbereich „Louisendorf“

Denkmalbereich Bedburg-Hau - Louisendorf, Siedlung

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Bedburg-Hau , Kalkar , Uedem
Kreis(e): Kleve (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 43′ 43,32″ N: 6° 13′ 49,71″ O / 51,7287°N: 6,23047°O
Koordinate UTM 32.308.740,68 m: 5.734.494,58 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.515.967,20 m: 5.732.742,52 m
  • Bedburg-Hau-Louisendorf, Wohnhäuser

    Bedburg-Hau-Louisendorf, Wohnhäuser

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    LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Jürgen Gregori
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  • Bedburg-Hau-Louisendorf, Ev. Elisabethkirche, Louisenplatz

    Bedburg-Hau-Louisendorf, Ev. Elisabethkirche, Louisenplatz

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  • Bedburg-Hau-Louisendorf, Wohnhäuser

    Bedburg-Hau-Louisendorf, Wohnhäuser

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  • Der Louisenplatz mit dem Turm der Elisabethkirche in Louisendorf (2015).

    Der Louisenplatz mit dem Turm der Elisabethkirche in Louisendorf (2015).

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  • Blick vom Ortsmittelpunkt von Louisendorf bei Bedburg-Hau auf eine Wegekreuzung und einen Teil der Bebauung des Ortes (2015)

    Blick vom Ortsmittelpunkt von Louisendorf bei Bedburg-Hau auf eine Wegekreuzung und einen Teil der Bebauung des Ortes (2015)

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„Louisendorf“, siedlungstypologisch ein Kirchdorf in Form einer Streusiedlung, entstand 1820 als Tochtersiedlung von Pfalzdorf.

Lage und Geschichte
Zwanzig vertriebene protestantische Familien, insgesamt etwa 120 Personen, aus den kurpfälzischen Territorien des Mittel- und Oberrheintals hatten 1743 über den Rhein eine Reise in die Niederlande angetreten, um von dort mit einem Schiff über den Ozean zu gelangen und voller Hoffnung in Nordamerika in der Gemeinschaft eine neue Existenz aufzubauen. Da ab 1741 Auswanderer bereits an der Grenze eine Schiffspassage vorweisen mussten, um überhaupt die Niederlande einreisen zu können, und die Familien aus der Pfalz dies nicht konnten, wurde den Glaubensflüchtlingen die Weiterreise verwehrt. Hilfe suchend wandten sie sich an die preußische Regierung, denn der nördliche Niederrhein gehörte seit 1614 zum protestantischen Brandenburg, seit 1618 zu Brandenburg-Preußen. Vom preußischen König Friedrich dem Großen erhielten sie die Genehmigung, sich in der Gocher Heide niederzulassen und gründeten Pfalzdorf. Bis 1770 folgten weitere Familien aus der Pfalz. Da bei starkem Bevölkerungszuwachs die Gefahr der Zerspiltterung der einzelnen Hofstellen oder der Abwanderung der jungen Siedler drohte, überließ der preußische Staat unter Friedrich Wilhelm III. 1820 den Pfalzdorfern einen Teil des Kalkarer Waldes zur Erbpacht und genehmigte die Gründung einer weiteren Siedlung. Die Kolonisten verpflichteten sich, das Gebiet zu roden und nach vorgegebenen Auflagen ein neues Dorf anzulegen. Der Ort sollte nach der 1810 verstorbenen Königin Louise von Preußen den Namen „Louisendorf“ tragen.
Das Waldgebiet umfasste - innerhalb des umliegenden sumpfigen Niederrheingebietes - eine geographisch-geologische Einheit, eine längliche sandige und eher trockene Hochebene, bestanden mit Eichen- und Buchenwald. Hier entstand planmäßig angelegt über einer Fläche von 873 ha das neue Dorf als Streusiedlung in Blockstruktur mit Einödlagen. Ein erster Plan mit 172 Hofstellen war bereits 1817 entworfen worden. Jedoch erst nach Vertragsabschluss konnte der überarbeitete Plan aus dem Jahre 1821 mit 221 vorgesehenen Siedlungsstellen umgesetzt werden.
Wenige Jahre später, 1831, führt eine Bestandserfassung 118 Hofstellen auf und zeigt, dass die beabsichtigte Baudichte zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig umgesetzt war. Die Zahl der Hofstellen stieg in den nachfolgenden Jahren auf 130, jedoch erfolgte bis heute keine wesentlich dichtere Auffüllung.

Der Siedlungsgrundriss besteht aus einem zentralen Achsenkreuz über der Hochebene, aus Längs- und Querachse und fünf schmalen, im gleichen Abstand parallel zur Querachse geführten Straßen. Die Siedlungsmitte wird durch den diagonal eingemessenen quadratischen Louisenplatz mit 4 ha Ausdehnung betont. Jeweils vier Hofstellen bildeten eine Notnachbarschaft. Die Häuser, nach Auflage mit dem Giebel zur Straße gerichtet, sind als eingeschossige Backsteinbauten mit Krüppelwalmdach dem Typ des niederheinischen Hallenhauses zuzuordnen mit straßenseitigem Wohnteil und rückwärtigem Stall mit Scheune.
An dem zentralen Platz, dem Louisenplatz, waren öffentliche bauliche Anlagen vorgesehen: Kirche, Gemeindehaus und Versammlungsplatz, jedoch wurde ein die allgemeinen Nutzungen bündelndes Dorfzentrum zunächst nicht verwirklicht. Lediglich hob eine Verdichtung von Hofstellen entlang der Platzkanten die Siedlungsmitte baulich hervor und schließlich betonte ab 1860, leicht erhöht, die Elisabethkirche den Mittelpunkt und setzte städtebaulich eine Dominante mit weiter Fernwirkung in der umgebenden Niederrheinebene.
Durch wechselnde Baumpflanzungen seit der Siedlungsgründung wurden dem Platz verschiedene symbolische Bedeutungen verliehen. So wurde zunächst in der Mitte ein Ehrenhain aus dem Alter der verstorbenen Königin entsprechend 34 Eichen geschaffen. Zur Errichtung der Kirche mussten die Eichen gefällt werden, doch 34 im doppelten Kreis um die Kirche neu gepflanzte Linden bewahren bis heute das Gedenken an die Königin. Am 22. März 1897 wurde eine Kaisereiche anlässlich der 100. Wiederkehr des Geburtstages von Kaiser Wilhelm I. gesetzt und 1913 entlang der Platzkanten 99 Linden zur Erinnerung an den 1888 nur 99 Tage regierenden Kaiser Friedrich III. gepflanzt.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts steht an dem Platz der Louisensaal als Festsaal an einer Gaststätte. Weitere Bauten mit übergeordneten Funktionen, in denen sich die landwirtschaftliche Nutzung zeigt, waren über das Siedlungsgebiet verteilt: zwei Molkereien und zwei Windmühlen, die nicht mehr in der originalen Substanz, aber zumindest im Standort überliefert sind.

Charakteristik
Der denkmalpflegerischen Kartierung der historischen Merkmale liegt eine Bestandsauf-nahme zugrunde, die das Umweltamt des Landschaftsverbandes Rheinland 1990 durchführen ließ, um auf dieser Grundlage Pflanzgut für die Erhaltung und Wiederherstellung kulturhistorisch bedeutsamer Landschaftsbilder bereitzustellen. Es wurden Einzelbäume nach Art und Alter kartiert, Bäume mit Formschnitt markiert und es wurde zwischen Schnitthecken, Obstwiesen, Wald und Grünland unterschieden. Demzufolge konzentriert sich die Bepflanzung schutzgebend an den Hofstellen und an den Straßen. Planmäßig schließt an das jeweilige Wohnhaus ein Nutz- und Ziergarten, der von einer Schnitthecke aus Weißdorn oder Hainbuche umfasst ist. Den Garten eingeschlossen, grenzt eine weitere Schnitthecke die jeweils etwa 4 ha große Hoffläche von der anschließenden Obstwiese ab. An die Obstwiese schließen Wiesen- / Weideflächen, dahinter liegt Ackerland. Die gerasterte Grundstruktur des Ortes wird durch die Baumbepflanzung hervorgehoben, dazu zählen nicht nur die Bäume am Louisenplatz, die Baumreihen entlang der Achsen und die Bepflanzung der einzelnen Parzellen, sondern auch die das Gebiet umgrenzenden Alleen. Die Siedler setzten in ihre Obstwiesen, - an die pfälzische Tradition anknüpfend -, Kirschbäume, für deren Gedeihen der eher trockene Boden der Hochebene sich besser eignete als für die Pflanzung der in der feuchten Niederrheinebene üblichen Apfel- und Birnbäume.
Einzelne Heckenabschnitte am Wegrand weisen als Reststücke von Wallhecken auf ehemalige Landwehren hin.

Bewertung
Louisendorf ist aufgrund der in sich geschlossenen Planung ohne gezielte Verzahnung mit dem Umland, als zu einem Zeitpunkt geplante und umgesetzte Anlage gemäß vorgegebener Bauvorschriften und aufgrund der Dichte der einheitlichen Gestaltung einzigartig im Rheinland und als Gesamtanlage von hohem Zeugniswert. Gegen eine Bewertung als ein einziges zusammenhängendes Denkmal sprach der Verlust der originalen Substanz der einzelnen Höfe, wogegen die Struktur bis hin zur Parzellenteilung seit dem frühen 19. Jahrhundert erhalten ist. So wurde Louisendorf in den Plangrenzen als Denkmalbereich festgestellt mit folgenden Inhalten:
  • Erhaltung des Ortsgrundrisses, aus Wegen, Parzellengrenzen, Platzbildung, Verhältnis bebauter zu unbebauter Fläche;
  • Erhaltung der Bausubstanz insgesamt;
  • Erhaltung der Freiflächen nach dem ursprünglichen Plan;
  • Erhaltung von Sichtbezügen und der Fernwirkung der Kirche.

Die Satzung ist seit 2002 rechtskräftig.

(Elke Janßen-Schnabel, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2016)

Hinweis
Das Objekt Denkmalbereich Louisendorf ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereichs Pfalzdorf/Louisendorf/Neulouisendorf (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Düsseldorf 036).

Literatur

Pufke, Andrea (Hrsg.) (2016)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 83.) S. 83-85, Petersberg.
Roth, Erik (1985)
Louisendorf. In: Denkmalpflege im Rheinland 2, S. 22-26. Köln.

Denkmalbereich „Louisendorf“

Schlagwörter
Ort
47551 Bedburg-Hau
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1820

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„Denkmalbereich „Louisendorf“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-77030-20131015-6 (Abgerufen: 29. November 2020)
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