Synagoge Treis

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Treis-Karden
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 10′ 25,32″ N: 7° 18′ 1,29″ O 50,1737°N: 7,30036°O
Koordinate UTM 32.378.634,22 m: 5.559.326,31 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.592.936,27 m: 5.560.539,14 m
  • Historische Postkarte aus Treis mit Fotos der Zilleskapelle, der Ortslage und der Wildburg (gelaufen am 24.06.1900)

    Historische Postkarte aus Treis mit Fotos der Zilleskapelle, der Ortslage und der Wildburg (gelaufen am 24.06.1900)

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    Archiv Klaus Layendecker
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Wohl seit Beginn des 19. Jahrhunderts bestand in Treis eine zahlenmäßig kleine jüdische Gemeinde. Eine die vorherigen Bestuben ablösende Synagoge wurde um 1864/65 errichtet. Das möglicherweise schon vor 1938 verkaufte Gebäude wurde Ende des 20. Jahrhunderts abgerissen.

Die jüdische Gemeinde Treis seit dem frühen 19. Jahrhundert
Die frühen Betstuben ab um 1808/10
Die neue Synagoge ab 1865
20. Jahrhundert, NS-Zeit
Lage und Objektgeometrie
Quelle, Internet, Literatur

[Die jüdische Gemeinde Treis seit dem frühen 19. Jahrhundert
Wohl seit Beginn des 19. Jahrhunderts bestand eine zahlenmäßig kleine Gemeinde. 1932 war Lütz angeschlossen.
Gemeindegröße um 1815: 29 (1808) / 42 (1822), um 1880: 25 (1885), 1932: 30 / 15 (1925) / 9 (1933), 2006: -.
Bethaus / Synagoge: 1808 wird eine „Synagoge“ genannt. Gottesdienste fanden bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Privathäusern statt. Um 1850 anscheinend Neubau einer Synagoge; das Gebäude wurde nach 1945 abgerissen (vorstehende Angaben alle nach Reuter 2007).

Bereits im Jahr 1605 ist ein Jude Seligmann mit Wohn- und Geschäftsrechten in Treis nachzuweisen. Die Zusammenstellung unter mosella-judaica.de nennt weitere Größenangaben zur jüdischen Gemeinde: 1808 29 (von 910 Gesamtbevölkerung), 1817 30 (von 1.023), 1822 42 (von 1.161), 1858 32 (von 1.357), 1895 19 (von 1.491), 1925 15 (von 1.393) und 1933 ebenfalls nur noch 9 Juden unter 1.539 Einwohnern in Treis.
Nach www.alemannia-judaica.de lebten 1930 noch vier jüdische Familien in Treis und drei Familien in Karden.
Zahlreiche namentliche Nachweise für die Jahre nach 1605 finden sich bei Layendecker (1999). Zunächst wurden jedoch die am Ort wohnenden Juden bei den Zählungen der Einwohner nicht mit gezählt:
„Mit Erhalt der Bürgerrechte durch ein Decret (Gesetz), welches auch in den französisch besetzten linksrheinischen Gebieten, in Kraft trat wurden durch Volkszählungen und Musterungslisten, erstmals die Namen aller in Treis wohnenden Juden mit Alter Beruf und Familienzugehörigkeit bekannt. So erreicht die jüdische Gemeinde mit 55 Personen im Jahre 1835 ihren Höchststand. Auswanderung nach Amerika im Jahre 1854 und Abwanderung reduzieren die jüdische Gemeinde 1895 auf 19 Personen.“

Obgleich sich in den Grundbüchern und Katasterkarten von Treis keine entsprechenden Hinweise finden, soll sich in einem 2015 abgerissenen Gebäude am Rathausplatz 3 in Treis im 19. Jahrhundert eine jüdische Schule befunden haben.
Nach Layendecker (1999) kann das Verhältnis zwischen der christlichen und der jüdischen Bevölkerung von Treis den wenigen Quellen zufolge als durchaus verträglich bezeichnet werden:
„Die Häuser der Juden lagen in der heutigen Welzbach-, Mittel-, Kirchstrasse, Wehrgasse und am Marktplatz. Einzelne Juden wurden auch als Mitglieder im Handwerkerverein Treis, Turnverein Treis, der Sanitätskolonne Treis und im Schützenverein Treis genannt ... Dadurch, dass die Judenkinder mangels einer eigenen jüdischen Schule in die christliche Schule gehen mussten, sind gegebenenfalls auch unter den Kindern Freundschaften geschlossen worden.“
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Die frühen Betstuben ab um 1808/10
Die ersten Erwähnungen einer Synagoge in Treis von um 1808/10 beziehen sich auf eine Betstube, die im Privathaus des damaligen Vorstehers der jüdischen Gemeinde Treis, Jakob Haimann, eingerichtet war. Gerade bei kleinen jüdischen Gemeinden findet sich keine einheitliche Benennung der Gotteshäuser, die gleichermaßen als (teils provisorische) Betstuben / Bethäuser oder als Synagogen angeführt werden. Um einen „vollständigen“ Gottesdienst abzuhalten ist im Judentum eine Mindestzahl von zehn im religiösen Sinne mündigen Juden nötig (hebräisch Minjan).

„In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschwerte sich ein jüdischer Mann aus Treis, in dessen Haus eine Betstube eingerichtet war [i.e. der Gemeindevorsteher Jakob Haimann, Verf.], beim israelitischen Konsistorium in Bonn, dass die Treiser Juden in die Synagoge nach Lütz gehen würden anstatt die in seinem Haus vorhandene zu besuchen. Darauf ordnete das Konsistorium an, dass die Treiser Juden die heimatliche Synagoge besuchen sollten, und der Gemeindevorsteher von Lütz keine Treiser Gottesdienstbesucher mehr zulassen dürfe.“ (hier zitiert nach alemannia-judaica.de, Synagoge Lütz; vgl. ebenso Layendecker 1999, der den Vorgang auf das Jahr 1810 datiert)
Die genannten Streitigkeiten haben sich sich in den Folgejahren noch mehrfach wiederholt.

Die Nutzung des Haimannschen Hauses - dieses gehörte später dem gleichnamigen Sohn Jakob Haimann - für gottesdienstliche Versammlungen der jüdischen Gemeinde zu Treis erfolgte bis zum Sommer 1852, als in der Nacht zum 17. August durch einen verheerenden Brand dieses Haus sowie weitere zwei Wohnhäuser samt Nebengebäuden eingeäschert wurden.
Die Gottesdienste der Gemeinde wurden zunächst in einer provisorischen Synagoge eines Jakob Salomon mit Platz für fast 20 Personen abgehalten, die für fünf Reichstaler Miete pro Jahr angemietet worden war.
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Die neue Synagoge ab 1865
„Im Folgenden [d.h. nach dem Brand von 1852] war die jüdische Gemeinde Treis bemüht, wieder eine Synagoge zu erhalten. Um 1855 wurde der Antrag zum Bau einer Synagoge gestellt.“ (Layendecker 1999)
Wohl aufgrund der der kleinen Zahl der jüdischen Einwohner wurde jedoch keine Baugenehmigung erteilt:
„Der Minister der Geistlichen-, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten zu Berlin teilte dem israelitischen Gemeindevorsteher zu Treis im Jahre 1855 mit, daß der Immediatvorstellung zur Bewilligung einer Unterstützung zur Errichtung einer neuen Synagoge nicht nachgekommen werde könnte.“ (mosella-judaica.de)

Anscheinend wurde erst um 1862 die Genehmigung für den Neubau eines jüdischen Gotteshauses erteilt, für dessen Finanzierung sich die Treiser Juden mit entsprechenden Anzeigen und Spendenaufrufen an die jüdische Öffentlichkeit wandten. Die neue Synagoge konnte somit erst 1864/65 erbaut werden, am 18. August 1865 wurde sie feierlich eingeweiht.
Wahrscheinlich wurde das neue Gotteshaus auf der Parzelle der zuvor abgebrannten Synagoge erbaut, deren Lage jedoch bisher nicht sicher ermittelt werden konnte. Angenommen wird daher auch für den Vorgängerbau eine Freifläche in der Treiser Wehrgasse (Flur 3, Teilfläche aus 14/1), auf der der Neubau entstand. Im Jahr 1880 trug die Synagoge die Hausnummer 125 (nach Layendecker 1999, dort ausführlicher).
Nachfolger des im Jahr 1834 bereits 81-jährigen Jakob Haimann, dem wohl ersten Vorsteher der jüdischen Gemeinde/Synagoge von Treis, wurde in diesem Jahr dessen gleichnamiger Sohn (ebd.): „Auch die nächsten Vorsteher tragen den Namen Haimann. 1862 war Bender Haimann und bei Einweihung der Synagoge im Jahre 1865 ein L. Haimann Vorsteher der Synagoge.“
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20. Jahrhundert, NS-Zeit
Im Jahr 1930 schrieb der jüdische Journalist Saul Lilienthal aus Wiesbaden über Treis und die dortige jüdische Gemeinde in der Zeitschrift „Israelitisches Familienblatt“:
„1400 Einwohner, 4 jüdische Familien. Gemeinde jung, aber infolge Mangels an Nachwuchs ebenso wie Carden zum Aussterben verurteilt. Kleine Synagoge für Treis-Karden, etwa 80 Jahre alt; wird nur noch an den hohen Feiertagen benutzt.“
Ebendort berichtet Lilienthal ferner, dass auch die wenigen in Karden lebenden Juden die Synagoge in Treis besuchen würden (Schleindl 1996, S. 229 u. 259).

Bereits um 1933 war wohl ein Teil der seinerzeit nur noch neun Angehörige zählenden jüdischen Gemeindeglieder aufgrund der Repressalien der NS-Herrschaft weggezogen bzw. ausgewandert. Während www.alemannia-judaica.de zumindest etwas mißverständlich berichtet, „bis 1942 verließen alle jüdischen Einwohner den Ort, konnten emigrieren oder sind in andere Orte verzogen“ (und gleich nachfolgend in der NS-Zeit umgekomme jüdische Bürger aufzählt), benennt Schleindl insgesamt 14 in den KZ der Nationalsozialisten ermordete Juden und Jüdinnen aus Treis namentlich und führt weitere 11 Opfer des Holocaust für Karden an (Schleindl 1996, S. 231 u. 263).
Im Jahr 1936 wurde in die Synagoge eingebrochen. Nach dem Krieg versuchte man erfolglos, den Verbleib der dabei gestohlenen Gegenstände festzustellen (mosella-judaica.de).
„Über die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 liegen keine Berichte vor, möglicherweise wurde das Synagogengebäude bereits vorher verkauft.“ (www.alemannia-judaica.de)

Der Abriss des später als Schlachthaus genutzten vormaligen Synagogengebäudes erfolgte Ende des 20. Jahrhunderts (Layendecker 1999)
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Lage und Objektgeometrie
Noch 2013 weist synagogen.info in Treis kein Synagogengebäude oder einen Standort des Bethauses aus: „Der Stadtverwaltung von Treis ist keine Synagoge bekannt“.
Der frühere Standort ist hier auf der vorab genannten Freifläche in der Treiser Wehrgasse verortet.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2013/2023)

Quelle
Freundliche HInweise von Herrn Klaus Layendecker, Treis-Karden, 2023.

Internet
www.alemannia-judaica.de: Treis mit Karden, Jüdische Geschichte / Synagoge (abgerufen 02.07.2013 und 26.05.2023)
www.alemannia-judaica.de: Synagoge Lütz (abgerufen 02.07.2013)
www.mosella-judaica.de: Treis (abgerufen 02.07.2013 und 26.05.2023)
synagogen.info: Treis, Rheinland-Pfalz (abgerufen 02.07.2013, Inhalt nicht mehr verfügbar 07.04.2021)
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Literatur

Layendecker, Klaus (1999)
Die jüdische Gemeinde in Treis bis Anfang des 20. Jahrhundert. In: Jahrbuch für den Kreis Cochem-Zell 2000, Monschau.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 61, Bonn.
Schleindl, Angelika / Landkreis Cochem-Zell (Hrsg.) (1996)
Spuren der Vergangenheit - jüdisches Leben im Landkreis Cochem-Zell. Briedel.

Synagoge Treis

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Wehrgasse
Ort
56253 Treis-Karden
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1808 bis 1865, Ende 2000

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Empfohlene Zitierweise
„Synagoge Treis”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-68785-20130702-7 (Abgerufen: 23. Juni 2024)
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