Gemeinschaftsgrundschule Ringschule

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 49,32″ N: 6° 48′ 44,67″ O 50,9137°N: 6,81241°O
Koordinate UTM 32.346.220,63 m: 5.642.507,14 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.557.178,10 m: 5.642.360,36 m
  • Das 1928 der Gemeinde Frechen zur Führung genehmigte Wappen (seit 1951 Stadtwappen).

    Das 1928 der Gemeinde Frechen zur Führung genehmigte Wappen (seit 1951 Stadtwappen).

    Copyright-Hinweis:
    gemeinfrei als amtliches Werk
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Die 1910 errichtete Volksschule wurde im Zuge des Wohnraumprogrammes in den 1920er Jahren erweitert und mit Ooms´scher Keramik ausgestaltet.

Bau einer ersten Volksschule im Frechener Unterdorf
Bau des heutigen Schulgebäudes
Die Ooms'sche Keramik in und an der Ringschule
Von der Volksschule zur Gemeinschaftsgrundschule
Hinweise/Internet

Bau einer ersten Volksschule im Frechener Unterdorf
Im Jahr 1908 beschloss der Gemeinderat der Stadt Frechen im sogenannten „Unterdorf“ eine Volksschule zu errichten. Das Schulgebäude selbst sollte mitten auf dem angekauften Grundstück platziert werden, um alle Klassenräume mit ausreichend Licht von den umgebenden Schulhöfen zu durchfluten. 1910 wurde mit dem Bau begonnen und am 25. April konnte mit dem Schuljahresbeginn, der damals nach den Osterferien lag, der Schulbetrieb mit zunächst vier Klassen aufgenommen werden. Neben dem Schulgebäude für getrennte Mädchen- und Jungenklassen sollte ein kleines Nebengebäude als Wohnhaus für einen Hausmeister erbaut werden.
Im Jahr 1912 wurde eine Besonderheit dem Bau hinzugefügt: der Gemeinderat beschließt die Anbringung einer elektrischen Lampe: „und bewilligt die Kosten von 75 M(ark) aus dem Schuletat (...) Die Lampe soll wie die Straßenlampen brennen.“ (Gemeinderatsprotokoll 12.04.1912, Archiv der Stadt Frechen).
nach oben

Bau des heutigen Schulgebäudes
In den 1920er Jahren wurde beschlossen, die Unterdorfschule im Zuge des Wohnraumprogrammes, welches aufgrund der drastisch gestiegenen Bevölkerungszahlen durchgeführt wurde, auf acht Klassen zu erweitern und somit auch das Gebäude zu vergrößern.
Der vorhandene Backsteinbau wurde nach Entwürfen der Architekten Noven & Villach (Heeg 1992, S. 184) zu einer architektonisch ansprechenden Zweiflügelanlage erweitert, die der Lage an der ebenfalls gerade im Bau befindlichen Ringstraße (heute Freiheitsring) entsprach. So entstand der heute noch prägende Eindruck des Schulhauses mit seiner Kalkputzfassade, den Dachgauben und Treppengiebeln. Die Fassade zum Freiheitsring wird durch einen flachen, übergiebelten Mittelrisalit betont, in dem der rundbogige Doppeleingang liegt. An den Fassaden wechseln sich dabei sowohl Elemente des Historismus als auch des Jugendstils ab.
Das eingeschossige Backsteingebäude des Hausmeisters wurde im Zuge der Umgestaltung steinsichtig verputzt und hat ein Krüppelwalmdach. Auffällig ist der durch Knaggen abgestützte weite Überstand der Traufe.

1928 wurde die erweiterte Schule, nun erstmals mit dem Namen Ringschule, eingeweiht.
Zwischen 1935 und 1945 trug sie den Namen „Hans-Schemm-Schule“ (benannt nach dem NSDAP-Gauleiter der Bayerischen Ostmark, Bayerischem Kultusminister und Reichswalter des Nationalsozialistischen Lehrerbunds NSLB Hans Schemm, 1891-1935) und diente während des Zweiten Weltkrieges auch der Unterbringung deutscher Wehrmachtssoldaten und als Lazarett. 1945 wurde die Schule von den Alliierten beschlagnahmt und diente der Unterbringung von Zwangsarbeitern, die in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden sollten, man kehrte zum alten Namen Ringschule zurück.
nach oben

Die Ooms'sche Keramik in und an der Ringschule
Im Zuge des Wohnraumprogrammes der 1920er Jahre und der damit einhergehenden repräsentativen Ausgestaltung der Ringstraße und der geplanten Siedlungen wurde auch die Ringschule 1928 mit Baukeramik (Ooms´scher Keramik) ausgestattet.
Im Schulgebäude selbst befinden sich zwei Trinkbrunnen aus rot glasierter Keramik, deren Bildplatten vom Kölner Künstler Franz Albermann modelliert wurden. Die Bildfriese der baugleichen Brunnen zeigen einen Fisch mit Schnecke sowie einen Frosch mit Libelle, jeweils eingerahmt von Pflanzenornamenten.
Am augenfälligsten sind jedoch die grünen Keramikportale des Gebäudes. Der Seiteneingang ist mit Keramikplatten eingefasst, deren Schlussstein reich mit Ornament verziert ist, das Doppelportal zum Freiheitsring ist von einer Plastik bekrönt und verschiedenen Tierbildern flankiert, die gute und schlechte Eigenschaften, die oft bei Schülern zu finden sind, symbolisieren: An den Seiten der Portale finden sich so z.B. ein Affe mit Spiegel als Symbol für Eitelkeit, ein rasender Hund als Symbol für Jähzorn und ein Esel als Sinnbild der Sturheit, aber auch die Sauberkeit in Form einer sich putzenden Katze. Der Fleiß und die Arbeitsamkeit wurden wohl als besonders erstrebenswert angesehen, denn ihnen widmen sich gleich drei Darstellungen: die Ameise, das Eier legende Huhn und das Nüsse sammelnde Eichhörnchen sollen als gute Beispiele fungieren. Über allem thront die als Vollplastik dargestellte Weisheit, die in ihrer Hand ein Buch und eine Eule trägt. Auch die Entwürfe zu diesen Arbeiten stammen aus der Feder des Bildhauers Franz Albermann (Heeg 1992, S. 184).
nach oben

Von der Volksschule zur Gemeinschaftsgrundschule
Nach der Reform des Schulwesens in den 1960er Jahren wurde aus der Volksschule Ringschule eine katholische Grundschule, ab 1982 dann die noch heute so bestehende Gemeinschaftsgrundschule. Bedingt durch ständig steigende Schülerzahlen und gewachsenen Raumbedarf wurde die Ringschule in den Jahren 1994-1998 in mehreren Schritten erweitert und um weitere Gebäudeteile (Architekten Geller & Müller, Euskirchen) (ringschule-frechen.de) ergänzt, doch blieb das Schulhaus aus den 1920er Jahren am Freiheitsring mit dem danebenliegenden Wohnhaus des Hausmeisters stets prägend für den Gesamteindruck des Ensembles.

Hinweise
Das Objekt „Gemeinschaftsgrundschule Ringschule“ ist ein eingetragenes Baudenkmal (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Datenbank-Nr. 8932 / Denkmalliste der Stadt Frechen, laufende Nr. A 029) und Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches „Töpfereisiedlung Frechen“ (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 474).

(Anne Hentrich, LVR-Redaktion KuLaDig, 2014, Ergänzungen durch Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2023)

Internet
ringschule-frechen.de: Geschichte (von Margret Brück; abgerufen am 08.11.2023)
nach oben

Literatur

Heeg, Egon / Förderverein des Keramikmuseums der Stadt Frechen e.V. (Hrsg.) (1992)
Die Köln-Frechener Keramik des Toni Ooms 1919-1934. S. 184, Köln.
Ringschule, Gemeinschaftsgrundschule der Stadt Frechen (Hrsg.) (1991)
Ringschule 1911-1991. Köln.

Gemeinschaftsgrundschule Ringschule

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Freiheitsring
Ort
50226 Frechen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
keine Angabe
Historischer Zeitraum
Beginn 1911

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Gemeinschaftsgrundschule Ringschule”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-58842-20130102-8 (Abgerufen: 21. Juli 2024)
Seitenanfang