Gut Marienforst und Villa Engels im Tal des Godesberger Baches

Rittergut Marienforst, S. Mariae de Foresto, Kloster Kottenforst

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 40′ 20,48″ N: 7° 08′ 12,42″ O 50,67235°N: 7,13678°O
Koordinate UTM 32.368.344,78 m: 5.615.046,61 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.580.402,91 m: 5.615.814,78 m
  • Die Wirtschaftsgebäude von Gut Marienforst sind aus Bruchsteinmauerwerk und in Fachwerkbauweise errichtet (2014)

    Die Wirtschaftsgebäude von Gut Marienforst sind aus Bruchsteinmauerwerk und in Fachwerkbauweise errichtet (2014)

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  • Gut Marienforst mit Bruchsteinmauer und Toreinfahrt (2014)

    Gut Marienforst mit Bruchsteinmauer und Toreinfahrt (2014)

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  • Wirtschaftsgebäude von Gut Marienforst (2014)

    Wirtschaftsgebäude von Gut Marienforst (2014)

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  • Bonn-Bad Godesberg, Landw. Anwesen Gut Marienforst einschl. Villa Engels, ehem. Prämonstratenser Nonnenkloster

    Bonn-Bad Godesberg, Landw. Anwesen Gut Marienforst einschl. Villa Engels, ehem. Prämonstratenser Nonnenkloster

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Lage
Gut Marienforst liegt im Tal des Godesberger Baches, am Rand des Kottenforstes und südwestlich von Bad Godesberg, an der Marienforster Straße (Landesstraße L 158). Südlich und westlich begrenzen der Venner Bach und der Venner Kirchweg das heutige landwitschaftlich genutzte Gut, welches von Grünland umgeben ist.

Geschichte
Bei dem heutigen landwirtschaftlich genutzten Gut Marienforst handelt es sich um eine Klostergründung. Laut Strang (1995, S. 49) sind weder ein genaues Gründungsdatum (vor 1228) noch eine Ordenszugehörigkeit sicher bekannt: „Abschließend läßt sich daher nur sagen, daß sich die Konventualinnen des vor 1228 gegründeten Klosters Kottenforst trotz einer nicht völlig auszuschließenden prämonstratensischen Besiedlung bereits im 13. Jahrhundert als Augustinerinnen verstanden haben“. Ob die Gründung als Nonnenkloster vom Prämonstratenserinnenstift Füssenich bei Zülpich ausging und ab etwa 1150 hier im „Kloster Kottenforst“ Prämonstratenserinnen nach den Regeln des Norbert von Xanten lebten, ist nicht abschließend belegt. Das Kloster genoss im Laufe des 13. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert das Privileg, weder Steuern, Abgaben noch Zölle entrichten zu müssen (Strang 1995, S. 52f).
Die anfängliche Bezeichnung richtete sich nach der räumlichen Lage beim Kottenforst „conventus apud cottenvorst“ (1228) und 1230 „sanctimonialia apud Cottinvorst“ (Strang 1995, S. 41). 1234 wird es erstmals „coenobium sanctimonialium in sancte marienuorst“ genannt, ab 1450 hieß es nach erzbischöflicher Anordnung ausschließlich Marienforst. Das Kloster war spätestens seit 1234 der heiligen Jungfrau Maria geweiht (Strang 1995, S. 41).

Da sich die Nonnen wohl nicht an die Ordensregeln hielten und ein entsprechendes Klosterleben führten, veranlasste der Kölner Erzbischof Dietrich II. von Moers im Jahr 1450 die Auflösung des Augustinerinnenklosters und übertrug es an den Birgittenorden (Orden des Allerheiligsten Erlösers) (Strang 1995, S. 55f); zum Mutterkloster wurde Marienkron bei Stralsund bestimmt (Strang 1995, S. 65). Von den vier birgittinischen Siedlungsnonnen stammte eine aus Marienkron, die anderen drei aus Marienwater (Strang 1995, S. 65). Die anderen Kottenforster Nonnen wurden versetzt.
Bei dem Birgittinerorden handelt es sich um einen Doppelorden für Nonnen und Mönche, die gleichzeitig eine Klosteranlage mit streng aufgeteilten Trakten bewohnten. Nach 1450 begannen Bauarbeiten zur Errichtung der Männertrakte. Die Birgitten übernahmen das Patrozinium und fügten auch das Patrozinium der heiligen Birgitta von Schweden hinzu (Strang 1995, S. 41). Innerhalb des Doppelklosters waren die Nonnen für den Wirtschaftsbetrieb zuständig.
Da das Kloster in Besitz einer Reliquie des heiligen Sebastian, dem Nothelfer gegen die Pest, besaß wurde Marienforst zu einem regionalen Wallfahrtsziel im 17. Jahrhundert: „Es ist überliefert, daß im Jahre 1654 in Königswinter mehr als 300 Menschen an der Pest starben und die Epidemie erst zum Ende kam, als eine Wallfahrt zum Kloster Marienforst unternommen worden war“ (Hubatsch/Heimatverein Pech e.V. 1988, S. 4f).

Zwar unterlag das Kloster im Laufe der Zeit immer wieder Zerstörungen durch Kriege und plündernde Soldaten, jedoch war der Besitz beträchtlich (Ackerland und Weinberge), dass in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts etwa 100 Menschen hier leben konnten. „Im Jahre 1786 wandelte der Kölner Kurfürst die von ihm gegründete Bonner Akadamie in eine Universität um. Alle Klöster aus dem kurfürstlichen Hoheitsgebeit mußten dafür einen Geldbetrag aufbringen. Während das Kloster Nonnenwerth jährlich nur 16 Rheintaler zu zahlen hatte, fiel auf das ungleich reichere Kloster Marienforst eine Jahreszahlung von 200 Rheintaler“ (Hubatsch/Heimatverein Pech e.V. 1988, S. 5). Um 1789 umfasste der Gebäudebestand des Klosters ein Waschhaus, ein Brauhaus, eine Schmiede, ein Kelterhaus, eine Weberei, Ställe, eine Bibliothek sowie eine kurz zuvor neu errichtete Kiche (Hubatsch/Heimatverein Pech e.V. 1988, S. 6). Es erreichte aufgrund seines großen Besitzes und Vermögen eine große Bedeutung innerhalb der Region bei Bonn.

Im Zuge der Säkularisation 1802 wurde das Kloster Marienforst aufgehoben und die meisten Gebäude abgerissen, unter anderem auch die Klosterkirche. Teile ihrer Ausstattung wurden benachbarten Kirchen übergeben.

Nach einigen Besitzerwechseln kaufte 1832 der Bonner Textilunternehmer Peter Friedrich aus'm Weerth (1779-1852) die Anlage. Er hatte bereis 1803 das Kapuzinerkloster in Bonn erworben und darin eine Fabrik eröffnet. Weerth gestaltete das Kloster zu einem Landgut um, welches 1846 des Status eines Rittergutes erhielt (wikipedia.org). Nach seinem Tod versuchte wohl sein Sohn Adolf das Gut zu verkaufen - jedenfalls erschien am 23.01.1853 eine Verkaufsanzeige in der Kölnischen Zeitung (zeitpunkt.nrw): „Ein Landgut bei Bonn, nämlich das Gut “Marienforst „,eine Stunde von Bonn und ½ Stunde von Godesberg gelegen, steht mit oder ohne Inventar zu verkaufen. Das Gut besteht aus circa 423 preuß. Morg. Länderei und Wiesen (von welchem Areal circa 398 Morg. einen Complex bilden), guten zweckmäßigen Gebäuden, Oel= und Mahlmühle und Gärten mit reicher Obstcultur . Der Catastral-Reinertrag des Guts ist auf Thlr. 1137 angesetzt. Nähere Auskunft gibt Herr Notar Eilender in Bonn“.

1859 war der Kaufmann Peter Josef Michels neuer Eigentümer, der es wiederum 1878 an Friedrich August Engels (1850-1921) veräußerte. Engels ließ 1883 die Villa Engels (Villa Marienforst) mit Parkanlage innerhalb des Klostergeländes errichten. 1929/1930 gelangte das Gut in den Besitz der Familie Huttrop, die hier bis heute eine Milchviehproduktion betreibt. Ab 1974 wurde die Villa vermietet und diente als Residenz der Indischen Botschaft in der ehemaligen Bundesshauptstadt Bonn. Aktuell ist sie an Gewerbetreibende vermietet. Im Zuge von Straßenarbeiten Anfang der 2000er Jahre zur Begradigung der Marienforster Straße wurden die baufällige Klostermühle bzw. das Gesindehaus aus Bruch-/Backstein abgerissen (wikipedia.org).

Beschreibung
Von der ursprünglichen Klosteranlage sind innerhalb des heutigen mehrflügeligen Gutes noch Teile des zweigeschossigen, ehemaligen Äbtissinnenhauses aus Basaltbruchsteinen (verputzt) von 1725 erhalten, hinter dem sich einst die Klosterkirche befunden hat. Die Klostermauer ist entlang der Marienforster Straße in verschiedenen Höhen und Mauerdicken weitestgehend noch vorhanden. Sie wurde im Laufe der Zeit in den übrigen Bereichen teilweise abgetragen. Als die Villa Engels errichtet und das Gelände um eine Parkanlage erweitert wurde, wurde die Mauer in diesem Bereich abgerissen und nach Westen versetzt. Der Zugang zur Anlage erfolgt durch einen großen Torbogen, der zu beiden Seiten mit je einer Heiligenfiguren-Nische versehen ist. Hier standen die Figuren der Heiligen Birgitta und des Heiligen Benedikt, die in den 1950er Jahren gestohlen wurden (Hubatsch/Heimatverein Pech e.V. 1988). Links daneben befindet sich eine kleine Klosterpforte mit der Inschrift „1625“. Das eingeschossige Backhaus des Klosters in Bruch- und Ziegelsteinbauweise mit Satteldach wurde nach 1750 errichtet und ist heute ein Schuppen. Die übrigen Hofgebäude (Scheune und Ställe) wurden nach 1832 aus Ziegelstein und Bruchstein sowie Fachwerkelementen errichtet. Die große Scheune an der Marienforster Straße steht teilweise auf der Umfassungsmauer der ehemaligen Klosteranlage und hat ein Fachwerkobergeschoss und ein hohes Satteldoch. Die Wirtschaftsgebäude werden teils heute noch als Scheune und Stall genutzt, teils wurden sie auch zu Wohnzwecken umgebaut.

Außerhalb der Umfassungsmauer, auf der anderen Seite des Godesberger Baches gelegen und über eine alte Brücke erreichbar, befindet sich eine Backsteinscheune aus dem 19. Jahrhundert, die mehrfach verändert wurde.
Die zweigeschossige Villa mit neoromanischem, viergeschossigem Turm über dem Eingang wurde im Jahr 1882 aus Backstein in drei zu drei Achsen mit Satteldach errichtet. Sie ist umgeben von einer Parkanlage.

Kulturhistorische Bedeutung
Gut Marienforst hat eine sehr hohe kulturhistorische Bedeutung. Diese liegt zunächst in seiner Alleinlage und Größe begründet, die eine enorme landschaftsprägende Wirkung im Tal des Godesberger Baches hervorruft. Seine Funktion als Kloster mit Gründung im 12. Jahrhundert sowie die spätere Nutzung und Bedeutung als Rittergut zeugen für eine historische Tiefe und Standortpersistenz und Prägung der Landschaft seit über 800 Jahren. Die landwirtschaftliche Nutzung des Gutes hat bis heute Bestand.

Hinweise
Das Objekt „Gut Marienforst und Villa Engels“ ist ein eingetragenes Baudenkmal (Gemeinde Wachtberg, laufende Nr. A0227 / BODEON-Nr. 40602) und wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Schloss Gudenau, Tal des Godesberger Baches (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 267).

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)

Internet
de.wikipedia.org: Rittergut Marienforst (abgerufen am 26.01.2026)
Heimatverein Pech e.V. (1988): Das Kloster Marienforst. Mitteilungen des Heimatvereins Pech e.V. (HVP). (online abrufbar, abgerufen am 27.01.2026)
zeitpunkt.nrw: Verkaufsanzeige Gut Marienforst (abgerufen am 27.01.2026)

Gut Marienforst und Villa Engels im Tal des Godesberger Baches

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Marienforster Straße 50-52
Ort
53177 Bonn - Bad Godesberg / Deutschland
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1200 bis 1300

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Nicole Schmitz (2026): „Gut Marienforst und Villa Engels im Tal des Godesberger Baches”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-138050-20150908-2 (Abgerufen: 5. Juni 2026)
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