Wohnsiedlung „Göttersiedlung“ in Köln-Rath/Heumar

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Unmittelbar am Rand des Königsforstes erstreckt sich eine Wohnsiedlung mit Gestaltungselementen der Gartenstadtidee und des Heimatstils. Die Bezeichung „Göttersiedlung“ leitet sich aus den Straßennamen mit Benennungen der germanischen Götterwelt ab. Der Vorsitzende der Siedlungsgenossenschaft, Dr. Keller, hatte diese Namensgebung der Stadt Köln vorgeschlagen. Die erste Bauphase datiert von 1922 bis 1939. Neben Wohngebäuden und einer Siedlungsstruktur aus der Phase der ursprünglichen Planung sind später weitere Neubauten hinzugekommen. Gleichwohl ist der historische Siedlungscharakter noch gut erkennbar und raumprägend.

Das Baugelände war zuvor eine Abbaufläche von Sand und Kies, als „Baggerfeld“ bezeichnet. Seit 1905 wurden Sand und Kies unter anderem als Baumaterial für die Anlage von Eisenbahndämmen verwendet. Noch heute ist die Abbaukante entlang des anschließenden geschlossenen Waldgebietes im Gelände erkennbar.

Nachdem der Abbau eingestellt war, wurden auf dem Brachgelände zwischen 1922 bis 1939 Wohnhäuser mit regelmäßig parzellierten Grundstücken sowie ein rechtwinkliges Straßen- und Platzsystem angelegt. Diese Eigenheimsiedlung wurde von der gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft Eigenheim „Königsforst“ errichtet. Beteiligt waren mehrere Architekturbüros. Es stand eine Fläche von 50 Hektar zur Verfügung.

Der ältere Bauabschnitt erfolgte in den 1920er Jahren entlang Mauspfad und Wodanstraße mit Doppelhäusern. Die Architektur hat demzufolge einen entsprechenden historischen Zeugniswert und ist eingebettet in die Siedlungsstruktur mit räumlichen Bezügen auf die Straßen hin und wegen der Ausgestaltung mit Gärten. Die Bauphase der 1920er Jahre entlang der Wodanstraße mit entsprechenden zeitgenössischen Architekturelementen hat eine hohe Wertigkeit, die auch darin zum Ausdruck kommt, das folgende Gebäude in der Wodanstraße unter Denkmalschutz stehen (Angabe der jeweiligen Hausnummer): 1b, 2 bis 39, 41 bis 47, 49, 51 bis 71, 73, 75, 77, 79, 81, 83, 85, 87, 89, 91, 93, 95, 99, 101, 103, 105, 107.

Beim jüngeren Bauabschnitt der 1930er Jahre entlang Heimdall-,Ostara-, Walhall- und Einherierstraße dominieren Einzelhäuser. Folgende Gebäude stehen unter Denkmalschutz: Heimdallstraße 1, 5, 6, 7, 8a, 9, 10, ebenso die dortige Allee und Einherierstraße 1.

Die eineinhalb- bis zweigeschossigen Wohnhäuser, häufig als Doppelhäuser ausgeführt, waren für den gehobenen Mittelstand ausgelegt. Die Siedlung enthält charakteristische Elemente einer Gartenstadt mit Torbogenhaus, Hausgärten, Grünflächen und Plätzen sowie einer Gesamtkonzeption mit festgelegter Geschoßhöhe und gelockerter Bauweise. Hinzu kommen architektonische Gestaltelemente bei den podestartigen Treppenaufgängen zur Haustür, Türfassungen, Mansardendächern, Schrägdächern oder Sprossenfenstern mit Schlagläden.

Von der ursprünglichen Planung wurde bis vor 1939 nur Teile der Gesamtkonzeption umgesetzt, nach 1945 erfolgte die Bautätigkeit in individueller Ausführung.

In der ersten Bauphase waren die Grundstücke zwischen 1.000 bis 1.500 Quadratmeter groß. Die Straßenführung ist rechtwinklig mit variablen Straßenbreiten und großzügigen Grünstreifen, die die Straßen vom Gehweg trennen.

Die günstige verkehrstechnische Anbindung an die Straßenbahn, die Waldrandlage und die attraktive Gestaltung kennzeichnen die „Göttersiedlung“ als sehr hochwertiges Wohngebiet. Obwohl somit die ursprüngliche Gartenstadtplanung nicht vollständig umgesetzt werden konnte hat dieses Wohnviertel einen gestalteten Gesamtcharakter, der beim Betreten deutlich wahrnehmbar ist und eine idyllischen Eindruck hinterlässt. Die räumliche Wirkungsebene bezieht sich somit auf die innere Siedlungsstruktur und auf den Außenbereich in seiner Geschlossenheit. Der ländlich geprägte bergische Heimatstil ist mit städtischer Architektur verknüpft.

(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau und Klaus-Dieter Kleefeld, LVR-Redaktion KuLaDig, 2015)

Literatur

Heinen, Werner / Pfeffer, Anne-Marie / Stadt Köln (Hrsg.) (1988)
Köln: Siedlungen 1888-1938. (Stadtspuren, Denkmäler in Köln 10,1.) S. 162-166, Köln.
Kriebs, Mathilde (2011)
Siedlungen. In: Der Königsforst. Geschichte und Geschichten, S. 87-90. Köln.

Wohnsiedlung „Göttersiedlung“ in Köln-Rath/Heumar

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1922 bis 1939
Koordinate WGS84
50° 55′ 30,64″ N, 7° 05′ 57,73″ O / 50.92518°, 7.09937°
Koordinate UTM
32U 366424.22 5643224.75
Koordinate Gauss/Krüger
2577339.79 5643898.91

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„Wohnsiedlung „Göttersiedlung“ in Köln-Rath/Heumar”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-122050-20150421-3 (Abgerufen: 21. Mai 2018)
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