Die Burg Blankenheim und ihre Wasserleitung
Die Burg auf einem Felsen oberhalb von Blankenheim wird 1273 erstmals genannt, die Herren von Blankenheim sind aber bereits 1115 belegt. Diesem einst reichsten und mächtigsten Grafengeschlecht der Eifel verdankt die im Kern romanische Burg ihre Entstehung. In gotischer Zeit wurde sie weiter ausgebaut. Das neuzeitliche Schloss besaß eine barocke Gartenanlage mit Tiergarten. Im 19. Jahrhundert eine Ruine, wurde die Anlage in den 1920er-Jahren wieder aufgebaut und dient heute als Jugendherberge.
1997 wurde an der Burg Blankenheim eine Fernwasserleitung wiederentdeckt, die den früheren Adelssitz ab dem späten Mittelalter mit frischem Trinkwasser versorgte. Ausgehend von der „Alten Quelle“ durchquerte die insgesamt rund 800 Meter lange Leitung ein 13 Meter tiefes Tal und führte anschließend in einem 150 Meter langen Tunnel durch einen Berg, auf dem sich der Tiergarten befand. Da der Höhenunterschied zwischen der „Alten Quelle“ und der Burg relativ gering war, musste für die Wasserleitung eine möglichst kurze Trasse ausgebaut werden. Dies erforderte einen technisch komplexen Leitungsbau. Die Leitung bestand aus hölzernen Wasserleitungsrohren, sogenannten Deicheln. Die dendrochronologische Untersuchung eines Leitungsstücks ergab ein Fälldatum des Baumes im Winter 1468/69. Den ersten Leitungsabschnitt durch das Tal konzipierte der Baumeister nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren als sog. Druckleitung. Daran schloss ein rund 80 m langer Zulaufgraben an, der in den Tiergartentunnel mündete. Zulaufgraben und Tunnel hatten ein durchschnittliches Gefälle von 1,56 Prozent. Der Bau dieses Tunnels war in sechs Abschnitten durchgeführt worden - von den beiden Tunnelmundlöchern und fünf zwischen ihnen liegenden Bauschächten aus (sogenannte Qanatbauweise). Das südliche, zur Burg hin gelegene Tunnelmundloch wurde rekonstruiert und dient heute als Zugang. Im Anschluss an die Tunnelstrecke mündete die Wasserleitung in einem geräumigen Wasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 80 Kubikmetern. Er stammt vermutlich aus der Barockzeit und diente als Wasserzwischenspeicher. Die Wasserleitung mit Druckleitungsstrecke und Tunnel ist ein einzigartiges Technik-Denkmal in Europa, das der Tiergartentunnel-Wanderweg erschließt.
nach oben
Ergebnisse der geophysikalischen Untersuchungen zur Wasserleitung und dem Barockgarten
In den Jahren 2000 bis 2003 wurden Magnetometer-Prospektionen vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland durchgeführt. Obwohl es sich bei der mittelalterlichen Wasserleitung um eine eigentlich unmagnetische Holzleitung handelte, konnte diese in den geophysikalischen Untersuchungen sichtbar gemacht werden. Der Grund hierfür waren die sogenannten Deichelringe aus Eisen, die als Verbindungen zwischen den einzelnen Holzstücken eingebaut waren. So konnte der exakte Verlauf der Wasserleitung von der Quellfassung bis zum Tiergartentunnel nachgewiesen werden. Bislang unklar blieb der Verlauf der Wasserleitung auf den letzten 200 Metern zwischen Tunnelmündung und Burg. Das letzte Teilstück der Wasserleitung liegt in einem heute vielfach überprägten Areal, das jüngst als Bolzplatz genutzt wurde.
Im November 2025 führte das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland erneute geophysikalische Untersuchungen durch. Diesmal wurde ein hochmodernes Multi-Kanal Bodenradar verwendet, das einen dreidimensionalen Einblick in den Boden ermöglicht. Obwohl heute keine Fußballtore mehr auf der Fläche stehen, zeigten sich in 20 bis 40 Zentimeter Tiefe zwei birnenförmige, sehr deutliche Anomalien, bei denen es sich um die von den Torwarten verdichteten Bereiche vor den Toren gehandelt hat. Selbst situative Momente menschlichen Wirkens haben sich also auch über Jahre im Boden verewigt. Unterhalb dieser Anomalien hat sich vielmehr die eigentliche Sensation offenbart: Die barocke Gartenanlage ist noch immer erhalten! In den Radardaten zeigen sich die ehemaligen Beete, Wege und auch ein Wasserbecken, möglicherweise mit Wasserfontäne.
Zusätzlich verzeichnen die Bodenradar-Daten die erhaltenen Grundmauern der ehemaligen Orangerie und so lässt sich, zusammen mit den Ausgrabungsbefunden (die heute im Schutzbau oberhalb des Wasserhäuschens zu sehen sind), der Grundriss der Orangerie rekonstruieren. Das Hauptgebäude hatte eine Grundfläche von rund 370 Quadratmetern.
nach oben
Bauliche Reste des Barockgartens im Gelände
Die sich nordöstlich der Burg Blankenheim erstreckende Gartenanlage wurde unter dem Grafen Franz Georg zu Manderscheid-Blankenheim-Gerolstein (1669-1731) - möglicherweise anstelle eines hundert Jahre älteren Burggartens - durch den Architekten und Gartenbaumeister Jakob Philippart 1727/28 geplant und angelegt. Nach Vorbild barocker Gartenkunst, wie sie etwa zeitgleich in Brühl zur Ausführung kam, entwarf Philippart eine trapezförmige, in vier Terrassen gegliederte Anlage von maximal 115 Metern Breite und 225 Metern Länge.
Im rechteckigen Gartenparterre hatte man zentral ein rundes Wasserbecken, vielleicht eine Fontäne, errichtet. Die als Ziergarten angelegte Fläche war durch ein Achskreuz in vier Segmente gegliedert. Die übrigen drei Terrassen verjüngten sich nach Nordosten trapezförmig auf eine Gesamtbreite von etwa 65 Meter. Sie waren laut Plan als Nutzgarten und Obstwiese mit einer zentralen Zierform aus Wegen und Rasenflächen angelegt worden.
Die Terrassen waren untereinander durch Hangmauern mit leicht aus der Mittelachse versetzten Treppenanlagen gegliedert. Eine Umfassungsmauer mit Zugängen im Südwesten, Südosten und Nordosten umfasste die gesamte Gartenanlage. Die nordwestliche Befestigung wurde in Teilen durch einen natürlichen Hang und den hier anstehenden Felsen gebildet.
Nach dem Wegzug der Grafenfamilie im Jahr 1794 wurde das Gartengelände allmählich in großen Teilen planiert und die entsprechenden Bauten und Mauerzüge niedergelegt. So wie die Terrassierung des Geländes noch immer wahrnehmbar ist, sind auch die steinernen Relikte dieser einst prachtvollen Gartenanlage verstreut im Gelände erhalten geblieben. Ihre Erhaltungszustände sind unterschiedlich. Sie reichen von vollständig erhaltenen Mauern über Fundamentzüge bis hin zu losen Steinansammlungen. Als steinerne Zeugnisse erlauben sie spannende Einblicke in die Bautechnik der Barockzeit.
(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2026)
nach oben
Hinweise
Der Barockgarten ist Teil des Denkmalbereiches Blankenheim und des Bodendenkmals Burg Blankenheim (Gemeinde Blankenheim Nr. 28; LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland Nr. EU 346)
Der Barockgarten von Burg Blankenheim ist Station der Archäologietour Nordeifel 2026
Internet
de.wikipedia.org: Burg Blankenheim (abgerufen 13.8.2026)
archaeoregion-nordeifel.lvr.de: Der Tiergartentunnel - Wasser für die Grafen von Blankenheim (abgerufen 13.8.2026)