Blick über die Grab- und Gedenkstätte für die Opfer der Explosion der Dynamitfabrik Wahn 1918 auf dem Friedhof in Köln-Wahn (2026).
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Knöchel, Franz-Josef / Landschaftsverband Rheinland CC BY 4.0
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Franz-Josef Knöchel
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Grab- und Gedenkstätte für die Opfer der Explosion der Dynamitfabrik Wahn am 9. November 1918: Grabstein der 19-jährigen Julie Kessel - eine der vielen jungen Frauen, die dem Unglück zum Opfer fielen (2026).
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Blick über die Grab- und Gedenkstätte für die Opfer der Explosion der Dynamitfabrik Wahn 1918 auf dem Friedhof in Köln-Wahn (2026).
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Grab- und Gedenkstätte für die Opfer der Explosion der Dynamitfabrik Wahn am 9. November 1918: Grabstein der 19-jährigen Julie Kessel - eine der vielen jungen Frauen, die dem Unglück zum Opfer fielen (2026).
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Auf dem Friedhof in Köln-Wahn wurden am 16. November 1918 im „letzten Massengrab des großen Weltkrieges“ 60 Todesopfer der schweren Explosion vom 9. November 1918 in der Dynamitfabrik Wahn bestattet. Die Gedenkstätte an den Gräbern der Opfer existiert noch heute.
In der Dynamitfabrik Wahn der Deutschen Sprengstoff AG wurden zwischen 1883 und 1926 Zünd- und Sprengstoffe produziert sowie während des Ersten Weltkriegs auch militärische Rüstungsgüter. Die Sprengstofffabrik befand sich etwa 1,5 Kilometer östlich der Grab- und Gedenkstätte im heutigen Stadtteil Köln-Lind. Für die Dauer des Betriebs der Dynamitfabrik sind zahlreiche schwere Explosionsunglücke und tragische Unfälle mit Dutzenden Toten belegt.
Das schlimmste Unglück ereignete sich unmittelbar vor dem Ende des Ersten Weltkriegs am Morgen des 9. November 1918 um 7.02 Uhr in einem Geschossfüllraum. Der Kölner Lokal-Anzeiger des Tages dazu: „Eine schwere Explosion in Wahn. Man schreibt uns: Als heute morgen 7 Uhr die Arbeiterschaft zum Schichtwechsel zu den Werken in Wahn erschien und zum Teil noch auf dem Wege dorthin war, schoß plötzlich eine gewaltige Feuersäule in die Luft, gefolgt von stärkster Knallwirkung. Es stellte sich heraus, daß das Geschoßfüllwerk durch Entzündung der dort lagernden Stoffe vernichtet worden war. Die nahe um das Füllwerk herum gruppierten Speisesäle und Betriebe wurden mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen. Viele Verwundete und zu Tode Erschreckte enteilten dem Orte des Grauens; man hat leider auch mit Toten zu rechnen, deren Zahl augenblicklich noch nicht festzustellen ist.“
Die Explosion während des Schichtwechsels soll knapp 200 Tote und hunderte Verletzte gefordert haben (Trimborn 2002). Die Webseite koelschgaenger.net nennt hingegen „über 100“ Todesopfer, während porzerleben.de anführt, dass erste Pressemeldungen von 200 Toten wenig später auf 76 korrigiert wurden. Der Kölner Lokal-Anzeiger nennt am 24. November 1918 schließlich die Zahl 74.
Auf dem Wahner Friedhof wurden am 16. November 1918 im laut einer Lokalzeitung „letzten Massengrab des großen Weltkrieges“ 60 schwarze Holzsärge in zwei langen Reihen in die Erde gelassen (express.de). Das 6 mal 25 Meter Fläche einnehmende Gräberfeld wurde als Gedenkstätte an die Opfer eingerichtet. Die Inschrift des mittig der Anlage platzierten Gedenksteins ist nach über 100 Jahren durch Verwitterung leider nicht mehr lesbar. Betrachtet man die in der Regel gut erhaltenen Grabsteine, so sind auffallend viele Opfer junge Frauen im Alter von 18 Jahren bis Mitte der Zwanziger (vgl. Abb.). Während des Ersten Weltkriegs waren viele junge Frauen — daneben aber auch Männer, Straf- und Kriegsgefangene — zur Arbeit in den seinerzeit mehr als 125 Gebäuden der „Munitionsanstalt“ zwangsverpflichtet worden. Ende 1917 arbeiteten über 7.000 Menschen in Wahn (Trimborn 2002), die mehrheitlich in Wohnbaracken untergebracht waren — darunter das etwa einen Kilometer nördlich der Dynamitfabrik befindliche Barackenlager im Bereich der heutigen Magazinstraße in Wahnheide.
Große Teile der Sprengstofffabrik und viele Betriebsanlagen wurden bei der Explosion so erheblich zerstört, dass das Werk nicht mehr arbeitsfähig war. Ob die Ursache ein Unfall oder Sabotage war, ließ sich nicht ermitteln. Nach dem Krieg wurde die Dynamitfabrik demontiert bzw. auf die Herstellung von Bergwerkssprengstoffen umgerüstet. Daneben wurden mit der verbliebenen Belegschaft von 1.500 Personen militärische Sprengstoffe in einer Munitionszerlegungsstelle beseitigt (Delaborierung). Zum Jahresende 1926 wurde der Betrieb schließlich endgültig eingestellt.
Baudenkmal Die Grab- und Gedenkstätte ist nicht durch Eintragung in die Kölner Denkmalliste geschützt.
Die Explosivstoffindustrie im rechtsrheinischen Köln. In: Rechtsrheinisches Köln 29, Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde, S. 41-72. Köln.
Trimborn, Friedrich (2002)
Explosivstoffabriken in Deutschland. Ein Nachschlagewerk zur Geschichte der Explosivstoffindustrie (2. völlig überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1995). S. 242-244, Köln.
Grab- und Gedenkstätte für die Opfer der Explosion in der Dynamitfabrik Wahn 1918
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Empfohlene Zitierweise
„Grab- und Gedenkstätte für die Opfer der Explosion in der Dynamitfabrik Wahn 1918”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360326 (Abgerufen: 3. Juli 2026)
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