St. Nicolai in Hollingstedt

Hollingstedt Kirke

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Hollingstedt (Kreis Schleswig-Flensburg)
Kreis(e): Schleswig-Flensburg
Bundesland: Schleswig-Holstein
Koordinate WGS84 54° 27′ 22,46″ N: 9° 19′ 44,96″ O 54,45624°N: 9,32916°O
Koordinate UTM 32.521.339,41 m: 6.034.334,72 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.521.416,34 m: 6.036.308,93 m
Auf einem Ausläufer der Geest am östlichen Ufer der Treene liegt die Kirche St. Nicolai. Sie ist ein rechteckiger Saalbau aus Tuffsteinen, heute außen weiß gekalkt. Der romanische Bau stammt aus dem 12. Jahrhundert. Im 12. und 13. Jahrhundert war Hollingstedt als „Nordseehafen“ der Stadt Schleswig ein bedeutender Handelsort und Zollstelle.

Der mittelalterliche Patron der Kirche ist nicht bekannt. Nach der Benennung von Flurstücken im Gemeindegebiet könnte es der Heilige Johannes gewesen sein. Der heutige Name St. Nicolai stammt von 1979. Die Gemeinde wollte ihre Kirche – in Erinnerung an ihre Geschichte als Hafenkirche – mit dem Schutzpatron der Seefahrer und Kinder, St. Nicolaus, in Verbindung bringen.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war der Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf Patronatsherr in Hollingstedt. Einer sagenhaften Überlieferung zufolge diente der Bau als „Packhaus der Engländer“. Der Kern dieser Geschichte mag darin bestehen, dass die Kirche auch zur sicheren Einlagerung von Waren gedient hatte.
Von diversen Umbauten zeugen das vermauerte romanische Nordportal sowie das Portal im Süden mit einer alten Bohlentür von 1694 und altem Türzieher. Im Westen ist die Kirche durch eine Tür von 1739 begehbar. Die Fenster waren ursprünglich kleiner, wie die zugemauerten Fensteröffnungen in der Nordwand anzeigen. Westlich der Kirche steht separat ein nachmittelalterlicher, vierseitiger hölzerner Glockenturm mit einem zwölfseitigen Helm.
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Das Kirchenschiff hat ein durchgehendes Satteldach, eine Holzbalkendecke überspannt den Innenraum. Eindrucksvoll ist die achtseitige spätgotische Taufe (Taufstein) in Pokalform aus blauem Marmor (sogenannter Blaustein). Der Schaft blieb nur zum Teil erhalten. Es handelt sich um einen Import aus Namur (heutiges Belgien) im 15. Jahrhundert. Die Taufgruppe zeigt ein Relief mit Christus, Johannes dem Täufer und Engel aus spätgotischer Zeit (Ende 15. Jahrhundert).
In den Jahren 1796 bis 1798 brach man den ursprünglichen Chor mit halbrunder Apsis ab und erweiterte das Langhaus mit Ziegelsteinen; das Satteldach wurde neu eingedeckt.
Die Orgel steht auf der Empore über dem Altar. Sie wurde 1870 von Marcussen & Søn aus Aabenraa hinter den Prospekt der Vorgängerorgel von 1799 gebaut.
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Ausgrabungen 1995
Bei Bauarbeiten 1995 zur Sanierung der Kirche wurden archäologische Untersuchungen vorgenommen. Die dabei erfassten Reste zeigten, dass an die rund 16 Meter lange ursprüngliche Saalkirche ein eingezogener Rechteckchor mit halbrunder Apsis angeschlossen war. Der Altar stand am Übergang von Chor und Apsis. Chor und Langhaus waren in einem Zuge errichtet worden.
Das Fundament der Nordwand des Chores bestand aus fünf Lagen Findlingen und war über einen Meter breit. In den oberen Lagen waren die Steine kleiner und bildeten eine Ausgleichschicht, auf der die Tuffsteine der aufgehenden Mauer aufgesetzt wurden. Der Fundamentgraben war nur 50 bis 70 Zentimeter tief eingegraben, so dass die Findlinge aus der Oberfläche herausragten. Die Kirche war innen und außen in eine 30 Zentimeter hohe Sandschicht gesetzt worden, so dass sie auf einem kleinen Hügel stand.
Der Bau wird in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert. Die Tuffsteine stammen aus der Eifel, die über den Wasserweg über Rhein, Nordsee, Eider und Treene bis nach Hollingstedt gelangten. Tuffstein ist bergfrisch leicht zu bearbeiten, verfestigt sich aber an der Luft. Die im Steinbruch fertig geschlagenen Blöcke waren dann leicht zu transportieren.
Bei den Grabungen konnte zudem belegt werden, dass es an dieser Stelle keine Vorgängerkirche gab. Es fanden sich jedoch Reste der wikingerzeitlichen Siedlung, die zum Hafen gehörte. Als Siedlungsreste waren zwei Herdstellen, Handmühlen aus Basalt und Keramik des 10./11. Jahrhunderts anzusprechen. Im Zuge der Christianisierung Schleswigs unter den dänischen Königen errichtete man im 12. Jahrhundert die Kirche in der damaligen Siedlung.
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(Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) / Claus Weber, KuLaDig-Redaktion und Vertrauensmann für KuLaDig in Schleswig-Holstein, 2026)

Hinweis
Die Kirche St. Nicolai ist zusammen mit dem Glockenhaus, dem Kirchhof, der Granitmauer mit Tor und der Lindenreihe eingetragenes Kulturdenkmal (Baudenkmal, Objektnummer 40943)

Quelle
Klaus Brandt, Kirche Hollingstedt (online verfügbar unter kirchenkreis-schleswig-flensburg.de, abgerufen 26.1.2026)

Internet
efi2.schleswig-holstein.de: „Kirche Hollingstedt“ in der Denkmaldatenbank Schleswig-Holstein (abgerufen 28.1.2026)
de.wikipedia.org: St. Nikolai (Hollingstedt) (abgerufen 26.1.2026)
www.sh-tourismus.de: Kirche St. Nicolai | Hollingstedt (abgerufen 26.1.2026)

Literatur

Carnap-Bornheim, Claus von; Segschneider, Martin (Hrsg.) (2012)
Die Schleiregion. Land - Wasser - Geschichte. (Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland 49.) S. 142-143, Stuttgart.
Dehio, Georg (2009)
Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde, aktualisiert von Susanne Grötz, Klaus Jan Philipp, Lutz Wilde. S. 373, Berlin.

St. Nicolai in Hollingstedt

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Lahmenstraat 1
Ort
24876 Hollingstedt
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG SH 2015
Fachsicht(en)
Archäologie, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1150 bis 1200

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„St. Nicolai in Hollingstedt”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356863 (Abgerufen: 29. Januar 2026)
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