Die rund 1,6 Hektar große südexponierte Streuobstwiese am unteren Hang des Petersberges gehört zum Wintermühlenhof und wurde noch bis Ende des 19. Jahrhunderts als Weinberg genutzt. Am oberen Rand der Fläche ist aus der Zeit noch eine Terrassenmauer aus Basalt erhalten. Oft sind die Hintergründe und Beweggründe zur Anlage der Streuobstwiesen nur schwer nachzuvollziehen, doch in diesem Fall liegen glücklicherweise Informationen vor.
Im Zuge der vielfältigen und wiederholten Krisen im Weinbau wird die Fläche nach Aufgabe des Weinbaus Anfang des 20. Jahrhunderts von Ferdinand Mülhens mit Apfel-Hochstämmen bepflanzt. Mülhens betreibt neben seiner unternehmerischen Aktivität als Parfumfabrikant (4711-Kölnisch Wasser) das landwirtschaftliche Gut Wintermühlenhof und errichtet dort 1931 eine eigene Süßmosterei. Dies spiegelt sich in der auf nur drei Sorten reduzierten Anpflanzung wider (Bouillon, Kling, Lamberty 2019). Die warme Südlage des ehemaligen Weinbergs beinhaltet indes die Gefahr, dass die vergleichsweise früh in Blüte gehenden Apfelbäume durch Spätfröste geschädigt werden können. Deswegen wurden Sorten mit unterschiedlicher Blütezeit gewählt.
Im unteren Bereich stehen drei Reihen Landsberger Renette, die hauptsächlich als Tafelapfel, aber auch zur Verarbeitung angebaut wurde. Darauf folgen fünf Reihen Roter Bellefleur, eine vorwiegend als Most- aber auch als schwach aromatischer Tafelapfel angebaute Sorte. Das verbleibende obere Drittel wird von Rotem Trierer Weinapfel bestanden, der zur Herstellung von Apfelwein geeignet war. Der Rote Trierer Weinapfel wurde von der örtlichen Obstverwertungsgenossenschaft propagiert. Mülhens pflanzt bis 1939 rund 1.000 Bäume und war so der mit Abstand größte Mostproduzent im Siebengebirge.
Nur vereinzelt stehen auf der Wiese noch weitere Sorten, die auch für eine gewerbliche Verwertung geeignet waren.
1965 stellt das Gut Wintermühlenhof den landwirtschaftlichen Betrieb ein. Die Wiese wird weiterhin als Weideland genutzt und bleibt so Offenland.
Heute betreut die Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis e.V. die Fläche, die regelmäßig Pflegemaßnahmen durchführt und abgängige Bäume durch Neupflanzungen ersetzt. So zeigt der extensiv durch Schafe beweidete Bestand mittlerweile deutliche Anzeichen von Trockenstress, Pilzen und Überalterung. Die Bäume sind im Schnitt um die 100 Jahre alt. Doch nach wie vor ist die Wanderung entlang der Wiese zur Zeit der Blüte im Frühjahr ein Erlebnis.
Hinweis Das Objekt „Streuobstwiese Wintermühlenhof am Petersberg in Königswinter“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 446).
Zeugen der Landschaftsgeschichte im Siebengebirge. Historische Nutzungen und ihre Auswirkungen auf die Landschaft. (Kulturlandschaftspflege im Rheinland, Band 2.) Köln.
Streuobstwiese Wintermühlenhof am Petersberg in Königswinter
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Empfohlene Zitierweise
Jörn Kling: „Streuobstwiese Wintermühlenhof am Petersberg in Königswinter”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356780 (Abgerufen: 5. Mai 2026)
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