Latitabbau am Himmmerich ab dem 19. Jahrhundert
Stilllegung des Steinbruchs 1909 und Errichtung eines Naturfreundehauses
Enteignung 1933 und Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Heutiger Zustand
Hinweise, Internet, Quellen
Latitabbau am Himmerich ab Mitte des 19. Jahrhunderts
Über frühe Abbautätigkeiten am Himmerich sind keine Informationen überliefert und finden auch bei Nose (1789) oder Dechen (1852) keine Erwähnung.
Einen ersten schriftlichen Nachweis gibt eine Akte im Stadtarchiv Honnef. Auf eine Anfrage des damals zuständigen Bergamts Brühl/Unkel listet die Bürgermeisterei Honnef im Dezember 1886 einen Bruch am Himmerich auf. Demnach waren am sogenannten „Hemmerich“ 6 Arbeiter tätig, die für einen Lohn von 2 ½ Mark pro Schicht „Trachit“ gebrochen hätten. Eine Anmerkung präzisiert, dass nur in den Monaten Januar bis März gearbeitet wurde. Bei der Nennung von „Trachit“ handelt es sich um einen Irrtum, denn der Berg besteht aus Latit mit einem ähnlichen Chemismus, wie die Vorkommen an Wolkenburg und Stenzelberg.
Der Abbau scheint nicht kontinuierlich stattgefunden zu haben. Im Juli 1889 zeigt der aus Königswinter stammende Steinbruchunternehmer Hubert Spindler dem Bürgermeister an, dass der Betrieb wieder aufgenommen wurde. Ein kleiner Übersichtsplan zeigt einen noch zweigeteilten Bruch an der Westseite des Berges. Darin eingetragen sind eine Schmiede, eine Pulverkammer sowie ein Schuppen. Aufseher ist Wilhelm Klein aus Kuxenberg bei Oberpleis. 1890 geht die Aufsicht an Wilhelm Hardt aus Rottbitze. Hardt erleidet 1895 einen schweren Unfall im Bruch, als er von einem Transportwagen mitgeschleift wird (HVZ, 5.11.1895). Nach seiner Genesung nimmt er die Arbeit wieder auf und bleibt bis 1909 angestellt.
Der Himmerich wurde, wie auch der Leyberg, durch eine Bremsbahn erschlossen. Sie führte von der Westseite des Berges als zweigeteilte Anlage über eine Länge von 1.115 Metern bis in das 180 Meter tiefer liegende Mucherwiesental. Dort übernahmen schwere Fuhrwerke den Transport über die verbleibende Strecke von gut 3 km bis zu den Verladestellen am Rhein.
Die Bremsbahn entstand vermutlich bald nach Eröffnung des Bruchbetriebs, also um circa 1890. Details dazu sind leider nicht überliefert.
Spätestens ab 1896 wird der Bruch von der Firma „Doloritwerke Himmerich“ betrieben, die offenbar zu einer holländischen Gesellschaft gehört. Nach einem Zeitungsartikel der HVZ ist der Berg spätestens 1908 im Besitz einer holländischen Familie. Der Abbau würde jedoch momentan ruhen und solle durch ein in Bildung begriffenes Konsortium mit Beteiligung 22 ehemaliger Arbeiter des Petersberger Nordbruchs wieder in Betrieb gehen( HVZ, 27.4.1908, 28.4.1908). Der Bruch am Petersberg war 1908 zwangsversteigert worden und vermutlich verloren dort einige Männer ihre Arbeit.
Stilllegung des Steinbruchs 1909 und Errichtung eines Naturfreundehauses
Zugleich mehren sich die Stimmen, die auch eine Erhaltung des Himmerichs mit seiner landschaftsprägenden Silhouette verlangen. Vorbild ist die erfolgreiche Rettung markanter Gipfel des Siebengebirges wie Petersberg und Ölberg durch Ankäufe des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge (VVS). Das Geld dafür stammte aus einer zugunsten des VVS durchgeführten Lotterie 1899. Die Honnefer Volkszeitung beklagt 1905, dass die Bürgermeisterei Honnef nicht auf ein Verkaufsangebot über 600 Mark eingegangen wäre. Nun würde der Berg demnächst abgetragen werden. Sehr direkt wird auf den VVS verwiesen, der in der Zeitung zum Ankauf des Berges aufgefordert wurde, schließlich stünden ihm dank einer Lotterie genug Gelder zur Verfügung (HVZ, 16.6.1905). Bei der genannten Summe muss es sich allerdings um einen Fehler handeln.
1909 druckt die HVZ einen Artikel „Zur Rettung des Honnefer Siebengebirges“ aus der Kölnischen Zeitung nach. Vehement setzt man sich dort in einem blumigen Artikel für den Himmerich und den Leyberg ein: „Wie zwei trotzige Riesenzwillinge ragen sie in das Land hinein und nun soll einem der Zwillinge das Haupt abgeschlagen werden? Ein Naturdenkmal von hervorragender Schönheit soll verstümmelt und so dem herrlichen Landschaftsbild ein Fleck aufgedrückt werden?“ Demnach hätte der VVS schon vor Jahren einer holländischen Gesellschaft als Eigentümerin die Summe von 100.000 Mark zum Kaufe des Berges angeboten, was von der Gesellschaft als zu niedrig abgelehnt wurde (HVZ, 19.11.1909).
Dank eines Aktenvermerks wissen wir, dass der Bruch im September 1909 noch in Betrieb ist. Anstelle von Wilhelm Hardt wird nun Heinrich Münch aus Selhof Vorarbeiter am Himmerich. Doch Ende 1909 wird der Steinbruch stillgelegt. Ein ausführlicher Brief, den der Honnefer Bürgermeister Theodor Waechter an den Regierungspräsident Köln sowie den Landrat schreibt, gibt Aufschluss: Demnach hat bis 1909 eine holländische Gesellschaft den Steinbruch betrieben, die „…mit dem Steine brechen schlechte Geschäfte machte und daher zuletzt bestrebt war, das Areal des Himmerichs, 13 Hektar groß, möglichst gut an den Mann zu bringen.“ (StABH, Akte 80-3-2, 19.9.1911) Die Gesellschaft hätte den Bruch für 200.000 Mark dem VVS angeboten, der darauf nicht eingegangen war. Daraufhin wurde der Berg öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben und von dem ehemaligen Unternehmer und Rentier Peter Modersohn für 40.000 Mark erworben. Der vermögende Modersohn bewohnte eine Villa in der Honnefer Luisenstraße mit Blick auf den Himmerich. Zusammen mit anderweitig erworbenen Ländereien besitzt er nun 100 Hektar Land am Himmerich und verfolgt durch seine Ankäufe eine ähnliche Politik wie der VVS. Die ehemalige Schmiede im Steinbruch lässt er zu einem Wohnhaus für seinen Waldarbeiter umbauen. Das Steinbruchareal wird bepflanzt.
Die Rolle des Bürgermeisters bleibt etwas undurchsichtig. Offenbar hatte er bereits zuvor erfolglos versucht, im Auftrag des VVS den Himmerich mit der eher geringen Summe von 6.000 Mark von Modersohn zu erwerben. Er rät nun dazu, dass der VVS versuchen sollte, den gesamten Modersohn´schen Waldbesitz für 150.000 bis 180.000 Mark zu erstehen, damit der Berg der Öffentlichkeit erhalten bleibt. Man solle in diesem Falle aber keinesfalls mit Modersohn direkt sprechen, sondern ihn als Mittelsmann einschalten.
Zu dem Kauf kommt es nicht. 1920 pachten die Kölner Naturfreunde von Modersohn das Steinbruchplateau mit dem Gebäude und bauen es zu einer Wanderherberge bzw. einem Ferienhaus um. Zur Eröffnung im März 1921 kommen 1.500 Personen. Mit 20 Betten ist das beliebte Haus schnell zu klein und soll 1924 mit einer Baracke erweitert werden. Ein Sturm beschädigt das noch nicht fertiggestellte Gebäude schwer, und so kann man die Erweiterung erst 1926 einweihen. Es besteht nun Platz für 115 Gäste. Das gut laufende Haus kann 1927 einen Höchststand von 6.623 Übernachtungen verzeichnen.
Enteignung 1933 und Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
1933 werden die Naturfreunde, die damals den Sozialisten nahe stehen, von den Nazis enteignet und verfolgt. Das Gebäude wird etwas später abgerissen. Auf dem frei werdenden Platz soll ein Separatisten-Abwehrdenkmal zum Gedenken an die Abwehrschlacht von 1923 errichtet werden. Zur Grundsteinlegung am 15. Oktober 1933 erscheint als Festredner Joseph Goebbels. 1934 wird im Rahmen von Notstandsarbeiten eine neue Fahrstraße durch das Mucherwiesental bis zum Himmerich angelegt. Zum Bau des Denkmals kommt es letztendlich nicht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühen sich die Naturfreunde um Entschädigung. Es folgen zähe und erniedrigende Verfahren über mehrere Instanzen, um 20 Jahre nach Kriegsende insgesamt 54.160 DM ausgezahlt zu bekommen, eine Summe, die in keiner Weise dem verlorenen Wert des Anwesens entspricht und zudem noch in Raten ausgezahlt wird. Da die Naturfreunde sich aus Gründen des Naturschutzes nicht wieder am Himmerich einrichten können, beziehen sie 1960 ein ehemaliges Steigerhaus bei Bensberg. Das „Naturfreunde Ferien- und Jugendheim Haus Hardt“ besteht noch heute.
Heutiger Zustand
Auf dem Steinbruchplateau des Himmerichs sind keinerlei Reste der ehemaligen Gebäude mehr zu finden. Auch von den Einrichtungen der Bremsbahn sind keinerlei Relikte erhalten.
Durch die Steinbruchtätigkeiten wurde an der Westseite fast die Hälfte des Berges abgetragen. Nach gut 40 Metern Vortrieb stoppte der 130 Meter breite Abbau wenige Meter vor Erreichen des Gipfels. Die nahezu senkrechten Abbauwände erreichen bis zu 35 Meter Höhe. Vor dem Bruch erstreckt sich ein großes Plateau mit einer Fläche von 130 x 35 Metern. Hier stand die ehemalige Schmiede bzw. das spätere Naturfreundehaus. Die Böschung des Plateaus wird aus einer bis zu 15 Meter hohen Abraumhalde gebildet. Ein weiterer Bruch liegt an der Nordseite des Berges. Der kleine Abbau dort ist nur circa 35 Meter breit und tief, die Abbauwand erreicht bis zu 24 Meter Höhe. Dieser nordexponierte, schattige Bruch ist von einer dichten urwaldartigen Vegetation bedeckt. Das sonnige, trockene Plateau im Westen ist hingegen nur dünn bewachsen. Die Schotterflächen und Felsabbrüche des Plateaus sind mit wärmeliebenden Pflanzengesellschaften und Dornenbüschen bewachsen.
Mit seinem weiten Ausblick nach Westen ist der Himmerich einer der Hausberge Honnefs und ein beliebtes Wanderziel.
Zugang
Naturschutzgebiet. Das Steinbruchplateau gibt einen hervorragenden Ausblick und ist durch einen öffentlichen Weg erschlossen. Eine Infotafel erinnert an die damaligen Ereignisse. Der Gipfel selbst ist nicht zugänglich. Ein Teil der ehemaligen Bremsbahntrasse ist als steiler Wanderweg vom Tal bis auf die halbe Höhe begehbar.
Hinweis
Das Objekt „Steinbruch Himmerich oberhalb von Bad Honnef“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Regionalplan Köln 446).
(Jörn Kling, 2025)
Internet
www.naturfreunde-nrw.de: Das Geheimnis von Himmerich (abgerufen 06.03.2026)
Quellen
- Echo des Siebengebirges, General-Anzeiger-Bonn; teils abrufbar unter zeitpunkt.nrw, Historische Zeitungen in den entsprechenden Jahrgängen (abgerufen 26.05.2026).
- Stadtarchiv Bad Honnef, StABH, Akte 80-3-2 Steinbrüche.
- VVS-A-679.