Haus Troistorff in Monschau

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Monschau
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 33′ 18,76″ N: 6° 14′ 25,07″ O 50,55521°N: 6,2403°O
Koordinate UTM 32.304.521,72 m: 5.604.001,17 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.517.073,22 m: 5.602.194,18 m
  • Haus Troistorff in der Laufenstraße in Monschau (2024)

    Haus Troistorff in der Laufenstraße in Monschau (2024)

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  • Straßenansicht des Hauses Troistorff (2024)

    Straßenansicht des Hauses Troistorff (2024)

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  • Treppenhaus mit historischer Eichentreppe (2024)

    Treppenhaus mit historischer Eichentreppe (2024)

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  • Treppenauge im Haus Troistorff (2024)

    Treppenauge im Haus Troistorff (2024)

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  • Verzierungen am Treppengeländer (2024)

    Verzierungen am Treppengeländer (2024)

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  • Trauzimmer mit Wandmalereien (2024)

    Trauzimmer mit Wandmalereien (2024)

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Das neben dem Roten Haus wohl repräsentativste Gebäude aus der Blütezeit der Tuchproduktion in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Monschau ist Haus Troistorff in der Laufenstraße, etwa 50 Meter vom Roten Haus entfernt.. Es wurde 1783 im Stil Louis-Seize vom Tuchfabrikanten Matthias Peter Wolfgang Troistorff (1737-1784) und seiner Ehefrau Magdalena Catharina geb. Böcking (1742-1812) gebaut. Magdalena Catharina war übrigens eine Schwester der Ehefrau von Wilhelm Scheibler, des Sohns von Johann Heinrich Scheibler, des wohl berühmtesten Tuchproduzenten Monschaus und Erbauers des Roten Hauses.

Die protestantische Familie Troistorff stammte ursprünglich vom Niederrhein und war nach Vaals (heute Niederlande) bei Aachen gezogen. Der dort geborene Bartholomäus Troistorff, der Vater von Mathias Peter Wolfgang, hatte Anna Katharina Offermann, die Schwester der Ehefrau von Johann Heinrich Scheibler, geheiratet, und war somit dessen Schwager. Er gründete in Monschau eine Tuchfabrikation, die sein Sohn übernahm und neben den Scheibler-Firmen zu einer der bedeutendsten Fabrikationsstätten im Ort ausbaute. Da man in dieser Zeit fast ausschließlich nur innerhalb der Konfessionen heiratete und dabei nach Möglichkeit auch das wirtschaftliche Potenzial der Familien im Auge hatte, kam es zu engen familiären und geschäftlichen Bindungen der protestantischen Unternehmerfamilien untereinander. So waren die wichtigsten Monschauer Industriellenfamilien wie Schmitz, Scheibler, Schlösser und Troistorff durch geschickte Heiratspolitik miteinander verwandt und verschwägert und schlossen sich 1769 zum Unternehmerverband der „Feinen Gewandschaft“ zusammen, um ihre Interessen auch gegenüber der Politik und anderen Unternehmern besser vertreten zu können.

Haus Troistorff ist - auch wenn man es ihm von außen nicht ansieht - ein Fachwerkhaus, das aber durch den aufwändigen Putz den Anschein eines massiven Steinbaus besitzt. Besonders auffallend ist die doppelseitige Treppe mit dem reich verzierten schmiedeeisernen Geländer, der erhöhte Eingang mit der mit Schnitzereien versehenen doppelseitigen Holztür sowie die breite Fensterfront mit klassizistischen Gehängeornamenten, die denen im Innern der Evangelischen Stadtkirche Monschau ähneln, die kurz darauf (1787-89) durch den Mülheimer Baumeister Wilhelm Hellwig erbaut wurde. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass er auch der Architekt des Hauses Troistorff gewesen ist. Oben im Ziergiebel der Fassade erkennt man das Doppelwappen der Familie: links das der Familie Troistorff, rechts das Wappen der Ehefrau (zwei Fische). Auch das Innere ist reich geschmückt: Es gibt Schnitzereien an der Innentreppe und den Zimmertüren, Stuckdecken sowie Tapetenmalereien.

Das Haus befindet sich im sogenannten „Troistorffs Reich“. Diese alte Bezeichnung umfasste auch die umliegenden Gebäude, in denen der Tuchfabrikant Troistorff seine Fabrikation untergebracht hatte. Dies war typisch für die damalige dezentrale Manufakturproduktion der Wolltuche. Meist fand das Waschen der Wolle, das Färben sowie das Walken und Scheren direkt im Haus des Fabrikanten bzw. in angrenzenden Gebäuden statt, das Spinnen und Weben dagegen wurde überwiegend an Heimarbeiter im Ort bzw. in den umliegenden Dörfern ausgelagert. Einige kleinere Bruchsteingebäude, die zum „Troistorffs Reich“ gehört haben, sind heute noch gegenüber dem Wohnhaus zu sehen. Im Bereich des Laufenbachs befindet sich noch ein kleines Wehr mit einem abzweigenden Wassergraben. Im angrenzenden Gebäude rechts des Grabens besaß die Firma M.P.W. Troistorff eine Wollwäscherei und Färberei.

In der Franzosenzeit wurde die Produktion der Wollstoffe zunehmend auf Maschinenbetrieb mit Wasserantrieb umgestellt. Diese benötigten größere Fabrikbauten, für die es in der engen Monschauer Innenstadt kaum Platz gab. Daher kaufte die Troistorffsche Firma oberhalb der Stadt am Laufenbauch ein Grundstück und baute das Fabrikgebäude Wiesenthal. Nach dem Ende der französischen Herrschaft im Rheinland 1815 führten die Verluste früherer Absatzmärkte viele Firmen in den Bankrott. So konnten sie den notwendigen Innovationsschub vor Ort nicht bewältigen. 1820 wanderten Nachfahren der Familie Troistorff über Verviers und Düren nach Cottbus aus.
1830 kaufte der Fabrikant Joh. Arnold Sauerbier das Wohnhaus Troistorff.
Mit dem Niedergang der Tuchfabrikation in Monschau Ende des 19. Jahrhunderts erwarb der damalige Kreis Monschau 1895 das repräsentative Gebäude. Hier war eine Zeitlang auch das Landratsamt eingerichtet. Heute befindet sich das Haus im Besitz der StädteRegion Aachen. Es wurde vor einigen Jahren sowohl innen als auch außen saniert und ist heute „die gute Stube“ des Kreises in Monschau, wo Empfänge, Tagungen sowie standesamtliche Trauungen stattfinden. Vor dem Haus steht der „Hochzeitsbaum“. Hier können sich die frisch getrauen Brautpaare mit ihren Namen und dem Hochzeitsdatum auf kunstvollen Glasplatten verewigen.

Internet
www.rheinische-industriekultur.com: Weberei und Tuchschererei Scheibler & Orth (abgerufen 28.04.2025)

Hinweis
Das Objekt „Haus Troistorff in Monschau“ ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste der Stadt Monschau, Nr. 90)

(Gabriele Harzheim, 2024)

Literatur

Barkhausen, Ernst (1925)
Die Tuchindustrie in Montjoie, ihr Aufstieg und Niedergang. Aachen.
Hermanns, Franz Wilhelm (1993)
Montjoie - Monschau Von Häusern und Menschen. Von Häusern und Menschen. Monschau.

Haus Troistorff in Monschau

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Laufenstraße 18
Ort
52156 Monschau - Monschau / Deutschland
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1783

Empfohlene Zitierweise

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Gabriele Harzheim (2024): „Haus Troistorff in Monschau”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356270 (Abgerufen: 24. Februar 2026)
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