Evangelische Stadtkirche Monschau

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Monschau
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 33′ 16,38″ N: 6° 14′ 27,42″ O 50,55455°N: 6,24095°O
Koordinate UTM 32.304.565,15 m: 5.603.926,13 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.517.119,65 m: 5.602.120,96 m
  • Evangelische Stadtkirche Monschau (2022)

    Evangelische Stadtkirche Monschau (2022)

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Bereits für das frühe 16. Jahrhundert gibt es Belege für evangelisches Leben im Monschauer Land und eine lutherische Gemeinde vor 1597. Demnach war die Gegend damit stark von den religiösen Spannungen und Auseinandersetzungen dieser Zeit (Reformation, spanische Eroberung und die damit einhergehende Unterdrückung von Protestanten, Rekatholisierung, Aufklärung etc.) gezeichnet. Nach dem Religionsvergleich von 1672 als Nachwirkung des Westfälischen Friedens von 1648 war es der lutherischen Gemeinde nicht erlaubt, innerhalb des Monschauer Stadtgebiets eine Kirche zu errichten, sodass sie auf das etwa anderthalb Kilometer nordöstlich von Monschau entfernte Menzerath auswichen. Doch nicht nur wurde diese 1683 eröffnete Kirche nach einigen Jahrzehnten baufällig (1831 erfolgte der Abriss), auch bestand weiterhin der Wunsch nach einer örtlichen Kirche. Für den Bau einer solchen setzte sich insbesondere die reiche Tuchfabrikantenfamilie Scheibler (für mehr allgemeine Informationen siehe Themenbeitrag „Tuchmachertradition in Monschau“ im Portal Rheinische Geschichte) finanziell ein. Doch erst im Zuge des Toleranzpatents Josephs II. von 1781 erteilte Kurfürst Karl Theodor am 4. Januar 1787 die Baugenehmigung.

Daraufhin wurde die Gemeinde Menzerath in zwei autonome Gemeinden (Menzerath und Monschau) aufgeteilt und nach dem Eintreiben weiterer knapp 5.000 Reichstaler mit der Planung des Kirchbaus begonnen. Noch kurz vor Weihnachten 1787 schlossen die Geistlichen einen Bauvertrag mit dem Mülheimer Baumeister Wilhelm Hellwig (1750-unbekannt) ab. Sehr wahrscheinlich veranlasste dieser, die 17 Meter hohe barocke Turmhaube der in einem Hochwasser zerstörten lutherischen Kirche von Köln-Mülheim aufzukaufen und vollständig auf die Monschauer Kirche zu setzen. Sie stammt aus dem Jahr 1684 und macht mit Schwan (Symbol für Luther) und Kugel das Markenzeichen der Stadt rund 100 Jahre älter als das übrige Bauwerk. Dieses wurde unter einer anderen Bauleitung fertiggestellt und im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes am 16. August 1789 geweiht. Es sollte aber noch bis zum 9. Dezember 1810 dauern, bis die Emporen und die Orgel von Peter Heinrich Kamper eingebaut waren und die Kirche damit vollendet war. Als erster Pfarrer fand sich Maximilian Friedrich Scheibler (1759-1840) – wie sein Name verheißen lässt, Mitglied der Tuchfabrikantenfamilie, die den Bau der Kirche finanziell unterstützte.

Stilistisch ist der Innenraum nahezu durchgängig im Louis-seize-Stil (nach dem französischen König Louis XVI; vorrevolutionärer Klassizismus zwischen 1760 und 1790) gestaltet, der sich auch in Elementen des Roten Hauses wiederfindet. Zu den erwähnenswerten Teilen der Innausstattung zählen das auf dem Altar stehende Kruzifix mit den zwei gusseisernen Leuchtern, welches als Geschenk des Preußenkönigs Friedrich-Wilhelm III. vom 1821 die Verbindung der Monschauer Gemeinde mit dem Haus Hohenzollern bezeugt. Derweil entstammt der Taufstein, so wie die Turmhaube, einer anderen Kirche – namentlich der Menzerather Kirche nach deren Abriss – und ist damit das älteste Ausstattungsstück der Kirche. Er hat sich aber im Gegensatz zum bauzeitlichen Altar bis heute behauptet, so wurde letzterer aufgrund von Baufälligkeit 1977 zunächst abgebaut und eingelagert. Da hierunter die feinen Louis-seize-Schnitzapplikationen litten, entschied man sich 2014 dazu, ihn auf Grundlage von Fotos und Beschreibungen zu restaurieren und wiederaufzustellen. Zusammen mit Kanzel und Logen bildet er ein eher untypisches Erscheinungsbild eines lutherischen Kanzelaltars.

Umfängliche Restaurierungsarbeiten fanden 2005 statt, da die Statik des über 300 Jahre alten Tragwerks der Kirchturmhaube durch massiven Hausschwammbefall gefährdet war. Sie musste gänzlich entfernt werden und wurde innerhalb eines Jahres instand- und wieder aufgesetzt. Damals begleitete das WDR-Fernsehen die Sanierungsarbeiten über mehrere Monate und übertrug das Aufsetzen des Schwans sogar live. Die außergewöhnliche Zusammensetzung der Ausstattung, vor allem für eine evangelische Kirche, sowie ihre Relevanz als Zeugnis der Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt waren Grund dafür, dass die Kirche 2012 vom Deutschen Bundestag als „Bauwerk von nationaler Bedeutung“ ausgezeichnet wurde. Des Weiteren belegte sie 2013 im Zuge einer bundesweiten Abstimmung der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) zur „Kirche des Jahres“ den zweiten Platz.

(Sarina Eßling, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2023)

Internet
www.monschauerland.de: Evangelische Stadtkirche Monschau (abgerufen am 13.01.2023)
kulturkirchen.org: Evangelische Stadtkirche Monschau, Monschau (abgerufen am 13.01.2023)
www.stiftung-kiba.de: Stadtkirche Monschau (abgerufen am 13.01.2023)
www.kirchenkreis-aachen.de: Die Evangelische Stadtkirche Monschau startet durch (abgerufen am 13.01.2023)
www.ich-geh-wandern.de: Evangelische Stadtkirche Monschau (abgerufen am 13.01.2023)

Literatur

Groß, Wera (1999)
Protestantische Kirchenneubauten des 16. bis 18. Jahrhunderts am Niederrhein und im Bergischen Land. (Baugeschichten – Beschreibungen – Abbildungen.) Düsseldorf.
Mathar, Ludwig (1953)
Die Kirchen des Kreises Monschau. In: Der Eremit am hohen Venn. Mitteilungen des Geschichtsvereins des Kreises Monschau 25 (1), S. 17. o. O.
Müller, Otto Julius (1887)
Die Reformation in der ehemaligen Grafschaft Schleiden und die Geschichte der evangelischen Gemeinden Schleiden, Gemünd reformiert, Gemünd lutherisch, Menzerath, Kirschseiffen, Montjoie, Imgenbroich und Reggendorf. o. O.
Scheibler, Walter (1956)
Zur Geschichte der alten Kirchen und Bürgerhäuser in Monschau. In: Der Eremit im Hohen Venn, Nr. 5, S. 5 ff. Monschau.
Scheibler, Walter (1939)
Geschichte der evangelischen Gemeinde Monschau. 1520-1939. Aachen.

Evangelische Stadtkirche Monschau

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Laufenstraße 6
Ort
52156 Monschau / Nordrhein-Westfalen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1789 bis 0, Ende 0 bis 0

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
Sarina Eßling: „Evangelische Stadtkirche Monschau”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-344024 (Abgerufen: 3. März 2024)
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