Das ehemalige Schulhaus
Vermutlich gab es auf dem Kirchberg in Herxheim schon früh ein Schulhaus. 1755 wurde das Haus renoviert, doch schnell zeigte sich eine chronische Überbelegung und äußerst mangelnde hygienische Verhältnisse. 1819 mahnt die Königliche Regierung an:
„In Herxheim sind die Schullocalitäten in schlechtem Zustand, und es muss der Gemeinde nachdrücklich aufgegeben werden, für deren Verbesserung zu sorgen.“
Der Herxheimer Gemeinderat plante daraufhin, die Schule auf dem Kirchberg zu erweitern. Auch der Pfarrer und der Lehrer unterstützen dies. Aber es gab auch Stimmen für einen Neubau. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen bildet sich eine Bürgerbewegung, die eine Sammlung mit 500 Unterschriften für den Erhalt des Hauses auf dem Kirchberg vorlegte. Kommunalbauinspektor Samuel Friedrich Schwarze wurde schließlich mit der Planung beauftragt. Zielstrebig favorisierte er einen Neubau ganz in der Nähe auf dem Gelände des ehemaligen „Colommèschen Schlosses“ an der Hauptstraße 2 gelegen.
Es waren wohl diese Schritte hin zu einer Öffnung der Struktur des öffentlichen Lebens ins schulische, kommunale und kirchliche Leben, die die Menschen verunsicherte.
Schwarze überzeugte die Herxheimerinnen und Herxheimer - 1824/25 wurde der Bau errichtet und diente schließlich über 150 Jahre als Schul- und Gemeindehaus mit Schulsälen, Bürgermeisteramt und Ratssaal.
Das Haus gehört damit zu den klassizistischen Gebäuden, die unter König Ludwig I. entstanden sind. Der original erhaltene Bauteil aus der Entstehungszeit ist der Mittelrisalit mit Balkon, der von vier dorischen Säulen gestützt wird. Schwarze war Schüler des berühmten Architekten und Theaterbauers Friedrich Gilly gewesen, und einige Gestaltungselemente, wie eben diese dorischen Säulen, zeugen von dessen Einfluss.
„Das Herxheimer Rathaus repäsentiert in seiner künstlerischen Sprache eindeutig den preußischen Klassizismus in der bayrischen Pfalz. …..es erweist sich als getreues Abbild einer preußischen Schlossanlage. Die Qualität dieses hervorragend proportionierten Baues zeigt sich in der Ausgewogenheit der Ornamente, in der repräsentativen Schlichtheit und der unauffälligen Eleganz“ (Clemens Jöckle)
Und das Ende? Heute Verwaltung
1975 haben viele Bürgerinnen und Bürger für die Erhaltung und Restauration des mittlerweile stark renovierungsbedürftigen Hauses gekämpft. Wieder gab es eine Bürgerinitiative mit über 1000 Unterschriften. Doch 1976 musste das Gebäude dem heutigen Neubau für Verbandsgemeindeverwaltung und Sparkasse weichen. Der giebelgekrönte Mittelrisalit mit Balkon über dem viersäuligen Portal ist geblieben - er wurde originalgetreu in das neue Bauensemble eingefügt.
Heute beherbergt das Haus die Verwaltung der Verbandsgemeinde Herxheim, das Büro des Ortsbürgermeisters der Ortsgemeinde Hexheim und die Sparkasse.
(Ortsgemeinde Herxheim bei Landau, 2026)