Anfänge
Frühe Neuzeit und Barock
18. Jahrhundert
19. Jahrhundert
20. Jahrhundert
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit
1970er und 1980er Jahre
1990er Jahre und Jahrtausendwende
Das gab/gibt es nur in Herxheim
Internet
Anfänge
Im 6. Jahrhundert n. Chr. wurde Herxheim von fränkischen Siedlern gegründet.
Eine erste Erwähnung findet sich im Jahre 773 in einer Urkunde für das Kloster Weißenburg; der Ort wird darin mit „Harieschaim“ bezeichnet. Somit waren die Äbte des Klosters neben weiteren Rittern Zehntherren des Dorfes. Das änderte sich, als der Salierkaiser Heinrich IV. im Jahre 1057 das „Gut Herxheim“ der Domkirche in Speyer schenkte und in der Folge Herxheim unter die Herrschaft des Hochstifts Speyer kam, ein Akt, der über die Zeit der Reformation hinweg bis ins letzte Jahrhundert Auswirkungen zeigte, als annähernd 100 Prozent der Bevölkerung katholisch waren.
Frühe Neuzeit und Barock
Im Jahre 1544 erhielt Herxheim eine umfangreiche Dorfordnung, in der das Zusammenleben der Bewohner geregelt wurde. Aus dieser Zeit stammt auch Herxheims älteste Einwohnerliste, in welcher sich die Namen heutiger Herxheimer Familien finden wie Adam, Eichenlaub, Kuhn u.a.m. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ große Verwüstungen und dezimiert die Bevölkerung stark.
Nach dem Ende des Holländischen Krieges (1672-1679) fiel im Frieden von Nijmwegen das Gebiet südlich der Queich - und damit auch Herxheim - unter die Souveränität des französischen Königs. Im Jahre 1681 wurde mit dem 'Judt Gertz' der erste Jude in Herxheim aufgenommen.
18. Jahrhundert
Zwischen dem Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges bis zu den Kriegen nach der Französischen Revolution herrschte eine kurze Zeit Frieden. In Folge dieser stabilen Verhältnisse prosperierte die Wirtschaft und die Einwohnerzahl stieg stark an, was wiederum eine rege Bautätigkeit einsetzen ließ. Das Bild der Herxheimer Hauptstraße wird bis heute von den zahlreichen stattlichen Fachwerkhäusern aus dieser Zeit geprägt. Die Kirche in Herxheim war für die wachsende Bevölkerung zu klein geworden und bekam in den Jahre 1776/77 ein doppelt so großes, neues Kirchenschiff. Turm und spätgotischer Chor bleiben erhalten. 10 Jahre später wurde mit dem Kirchenchor St. Maria Herxheims ältester Verein ins Leben gerufen. 1780 wurde der Revolutionskalender und das bürgerliche Register (Geburts- Heirats- und Sterberegister) eingeführt.
19. Jahrhundert
Nach den Niederlagen Napoleons 1815/16 kam Herxheim mit der linksrheinischen Pfalz an das Königreich Bayern und verblieb dort staatsrechtlich bis zur Gründung des Landes Rheinland-Pfalz im Jahre 1947. 1824 fand die Einweihung des neuen Schulhauses statt. Es handelte sich dabei um einen repräsentativen Bau im klassizistischen Stil. Um 1830 zählte Herxheim bereits 3.560 Einwohner.
Um 1860 wurde von Hayna aus der Tabakanbau in der Herxheimer Gemarkung eingeführt. Herxheim entwickelte sich mit der Zeit zur größten Tabakbau-Gemeinde Deutschlands. Mit der Gründung der ersten Zigarrenfabrik in der Gastwirtschaft „Zum Anker“ im Jahre 1879 sowie der ersten Landesproduktegroßhandlung der Firma Trauth im gleichen Jahr nimmt Herxheim den ersten Schritt weg vom ausschließlich von der Landwirtschaft geprägten Dorf. 1891 wurde der 'Spar- und Darlehnskassenverein' mit zunächst 111 Mitgliedern gegründet.
Der Bau des St. Paulus Stiftes für die von Jakob Friedrich Bussereau gegründete Kongregation der Schwestern und Brüder vom heiligen Paulus fand im Jahre 1898 statt. Im gleichen Jahr wurde die Eisenbahnlinie Landau - Herxheim eröffnet. Diese beförderte die Herxheimer in die Stadt zum Einkaufen und zur Erledigung von Geschäften, die nur in der Amts- und Schulstadt Landau getätigt werden konnten. Aber auch die jungen Männer mussten die Bahn unfreiwillig nutzen, um im Ersten und Zweiten Weltkrieg nach einem Heimaturlaub wieder zur Front zurückzukehren. Viele kamen nicht mehr zurück. Für den aufblühenden Gemüsegroßhandel Herxheims war die Bahn von großer Bedeutung, ebenso für die Landwirte zum Transport der Zuckerrüben in die Zuckerfabrik.
20. Jahrhundert
1900 beschloss der Gemeinderat die Gründung der Sparkasse. Herxheim hatte nun zwei Kreditinstitute. Unter Führung von Pfarrer Franz Xaver Keßler wurde 1901 der 'Landwirtschaftliche Konsumverein' in Herxheim gegründet. Er verstand sich in erster Linie als Einkaufsgenossenschaft zum preisgünstigen Bezug von Saatgut, Düngern sowie Futter- und Pflanzenschutzmitteln. Diesen übernahm später die Raiffeisen-AG. 1905 streikten die Herxheimer Weber vier Monate lang für höhere Löhne. Ihre zeitaufwändig in Heimarbeit gefertigten Webwaren hatten gegen die auch in Herxheim aufkommende maschinellen Webstühle keine Chance.
Im Jahre 1908 bekam Herxheim elektrischen Strom. Die Glühlampe ersetzte das Laternenlicht und Elektromotore erleichterten beim Handwerk und in der Landwirtschaft die Arbeit. Herxheim hatte zu diesem Zeitpunkt 4.700 Einwohner, es wurden über 1.000 Haushalte gezählt. 1931 fand das erste Pfälzische Erdbahnrennen im Herxheimer Waldstadion statt. Den Bahnrekord erzielte Josef Hecker aus Nürnberg mit 68,5 km/h. Eine Tradition nahm ihren Anfang. Ein Jahr später fand das zweite Rennen am Himmelfahrtstag statt. Dieser Tag wurde für die Motorsportvereinigung Herxheim zum jour fixe. Das „Vatertagsrennen“ lockte jährlich tausende Besucher nach Herxheim.
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Einen Tag nach der Reichspogromnacht von 1938 wurde auch in Herxheim die 1847 errichtete Synagoge zerstört und bald darauf abgerissen. Drei jüdische Familien mussten auf Anordnung der Gauleitung innerhalb weniger Stunden Herxheim verlassen und suchten jenseits des Rheins in Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim Wohnung, bevor sie in den Jahren danach das gleiche Schicksal erlitten, das so viele jüdische Bürger Deutschlands ereilte.
Im Jahre 1939 kamen hunderte von Freiwilligen aber auch Leute vom Reichsarbeitsdienst nach Herxheim. Im Zuge des Westwallbaus wurden in Herxheim unterirdische und überirdische Bunker sowie Panzersperren errichtet. Zusätzlich wurde ein über sechs Kilometer langer und vier Meter tiefer Panzergraben zwischen Herxheim und Rülzheim ausgehoben.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden mehr als 1.000 junge Männer aus Herxheim zu den Waffen gerufen. 340 von ihnen starben auf den Schlachtfeldern, vor allem in den Weiten der Sowjetunion. Beim Abwurf von Brandbomben wurden zahlreiche Anwesen in Herxheim beschädigt oder zerstört. Am 23. März 1945 endete für Herxheim das Kriegsgeschehen. Amerikanische Truppen erreichten das Dorf. Am nachfolgenden Tag sprengte die Wehrmacht im nahen Germersheim die letzte Rheinbrücke in die Luft.
Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit
Die Radiofabrik 'Akkord' eröffnete 1955 in Herxheim eine kleine Filiale, erwarb bald darauf an der südlichen Peripherie Herxheims ein Gelände, auf dem eine große Fabrik entstand. Diese lockte Fachkräfte an und brachte vor allem Frauen in Arbeit. Es war der Beginn vom damals noch immer überwiegend agrarisch geprägten Dorf hin zu einem vom mittelständischen Gewerbe mitgeprägten Großdorf. Der Gemüsegroßhandel spielte bei dieser Transformation eine bedeutende Rolle. Herxheimer Händler brachten in den nächsten Jahrzehnten Pfälzer Gemüse in alle Ecken Süddeutschlands und darüber hinaus.
1967 wurde ein Schulzentrum eingerichtet. Realschule und Oberstufe der Volkschule hatten nun eine gemeinsame Orientierungsstufe; ab 1971 war die Schule im neuen Gebäude im Südring untergebracht.
1970er und 1980er Jahre
Im Zuge der Verwaltungsreform in Rheinland-Pfalz wurde Herxheim im Jahre 1972 Sitzgemeinde der neu gegründeten Verbandsgemeinde mit den Ortsgemeinden Herxheim, Herxheimweyher, Insheim und Rohrbach. Das Nachbardorf Hayna löst sich aus der Zugehörigkeit zum Landkreis Germersheim und wurde ein Ortsbezirk der Ortsgemeinde Herxheim. Das Rathaus in der Richard-Flick-Straße war zu klein für die neue Kommunalbehörde geworden. Das bisherige Schulhaus sollte dem Rathausneubau weichen. Proteste in der Bevölkerung bewirkten, dass die Fassade mit dem Dreiecksgiebel und dem klassizistischen Portikus erhalten blieb. Der letzte Personenzug verließ am 25. September 1983 den Bahnhof Herxheim. Einige Jahre später durchfuhr nach Aufgabe des Zuckerrübentransportes auch der letzte Güterzug den Herxheimer Bahnhof. 1993 wurde die Strecke stillgelegt.
Die 1980 von der Ortsgemeinde erworbene Villa Wieser mit Park wurde 1987 nach Renovierung und Umbau als kulturelle Begegnungsstätte feierlich eingeweiht. Ihre Räumlichkeiten wurden Heimat der Villa-Konzerte, von Lesungen und Ausstellungen. Auch die gleichnamige Kunstschule nahm darin ihren Anfang. Im Jahre 1989 erhielt der Platz vor der Villa Wieser eine Brunnenlandschaft mit den Kunstwerken von Gernot und Barbara Rumpf. Er entwickelte sich zu einem „Dorfplatz“ im besten Sinne des Wortes.
1990er Jahre und Jahrtausendwende
Bereits mit der Etablierung der Akkord-Radiofabrik und weiterer Gewerbe zum späteren Zeitpunkt wuchs durch Zuzug der Anteil der protestantischen Bevölkerung an. Die protestantische Gemeinde bekam 1962 einen Kirchenbau und 1992 in der Person von Dieter Müller-Schnitzbauer erstmals einen eigenen Pfarrer.
Der Errichtung des Gewerbegebietes West gingen in den Jahren 1995/96 archäologische Grabungen voraus. Neben der vermuteten Entdeckung einer spätrömischen Töpferei traf man überraschend auf die Überreste einer 7.000 Jahre alten menschlichen Siedlung aus dem Ende der Jungsteinzeit. Es handelt sich um ein Dorf aus der Zeit der sogenannten Bandkeramik. In einem diese Siedlung umschließenden Graben werden zerschlagenen Scherben und kleinteilig zertrennte menschliche Skelette gefunden. Die Entdeckung gab bislang ungelöste Rätsel auf und fand in der Fachwelt weltweit Beachtung. Die Funde wurden zu großen Teilen im Museum Herxheim unter wissenschaftlicher Begleitung präsentiert. Herxheims Einwohnerzahl (mit Ortsteil Hayna) stieg erstmals über 10.000. 1997 wurde das Schulzentrum im Rahmen einer Kooperativen Gesamtschule um ein Gymnasium erweitert. Es legte sich den Namen PAMINA-Schulzentrum zu. 1998 feierte Herxheim eine Woche lang sein 1225-jähriges Ortsjubiläum. Im Jahre 2023 dann das 1250-jährige Ortsjubiläum. Die dazu vergebene Auftragskomposition „Herxheimer Te Deum“ kam in der Pfarrkirche zur Uraufführung.
Aus dem angedachten „Heimatmuseum“ wurde 2004 durch die Entdeckung der jungsteinzeitlichen Siedlung und der zahlreichen Funde ein Spezialmuseum: Das Museum Herxheim. Die Museumsscheune beherbergt seitdem die Dauerausstellung mit einer ortsgeschichtlichen Abteilung und einer jungsteinzeitlichen Abteilung (Schwerpunkt: Bandkeramik). Die Räumlichkeiten des Haupthauses stehen für Wechselausstellungen und für Vorträge zur Verfügung.
Das gab/gibt es nur in Herxheim
Nach einer Wallfahrt in das italienische Loreto im Jahre 1661 kehrte der an Gicht erkrankte Herxheimer Schmied Johann Georg Römer geheilt in sein Heimatdorf zurück und erfüllt dort sein Gelübde: Er ließ am Landauer Weg eine durch Kriegseinwirkungen zerstörte Kapelle aufbauen und ausschmücken - die heutige Landauer Kapelle. In den Jahren 1666/67 wütete ein weiteres Mal die Pest in Herxheim. Wegen der angeordneten Quarantäne kam es zu einer Hungersnot. Die Menschen in den umliegenden Dörfern ließen die Herxheimer nicht im Stich und stellten Brot und anderes Essbares an der Gemarkungsgrenze ab. Die Pest klang ab, nachdem die Herxheimer ein Brotgelübde abgelegt hatten. Dieses Ritual wird noch heute jährlich am Sonntag nach dem Fest des hl. Laurentius erfüllt. Dabei werden die von den Herxheimern gespendeten Brote auf einem von Pferden gezogenen Wagen zur Gemarkungsgrenze gebracht, wo sie an die aus von Nah und Fern angereisten Menschen verteilt werden.
(Klaus Eichenlaub, Herxheimer Heimatverein e.V., 2024)
Internet
www.herxheim.de: Ortsgemeinde Herxheim (abgerufen 13.01.2026)
de.wikipedia.org: Herxheim bei Landau/Pfalz (abgerufen 13.01.2026)