Senfmühle Monschau

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Monschau
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 33′ 45,07″ N: 6° 14′ 18,01″ O 50,56252°N: 6,23834°O
Koordinate UTM 32.304.413,08 m: 5.604.819,03 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.516.931,61 m: 5.603.006,92 m
  • Senfmühle Monschau (2022)

    Senfmühle Monschau (2022)

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    Karl Peter Wiemer
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Die Geschichte der historischen Senfmühle Monschau, in der bereits in der fünften und sechsten Generation der „Moutarde de Montjoie“ – der Monschauer Senf – im aktiven handwerklichen Betrieb hergestellt wird, beginnt vor über 140 Jahren. 1882 ließen Clemens August Breuer, ein Monschauer Bau- und Kunstschlosser, zusammen mit seinem Bruder Heinrich Breuer mit dem Vorhaben, ins Senfgeschäft einzusteigen, eine Senfmühle im Ortskern errichten; die Aufnahme der Produktion gaben sie in der Zeitung am 10.02.1883 bekannt. Während Heinrich für den Verkauf zuständig war, kümmerte sich Clemens August um die Herstellung – allerdings nur formell, da in Wirklichkeit seine Frau die Arbeit vollrichtete, sodass ihr Mann weiterhin seine Bau- und Kunstschlosserei führen konnte. Sie verarbeitete die in der damals noch von einem Wasserrad angetriebenen Mühle gemahlenen Senfkörner im gemeinsamen Wohnhaus in der Kirchstraße 105 nach der „Düsseldorfer Methode“ zunächst ausschließlich zu reinem Tafelsenf.

Das Geschäft lief gut, sodass die Breuers die Senffabrikation im Jahre 1895 zur „Dampfsenffabrikation“ ausbauten und nun Produktionsmengen erreichten, die es ihnen ermöglichte, den örtlichen Handel zu beliefern. Hierzu nutzten sie zunächst einen von Hunden gezogenen Wagen; um 1900 stand ihnen bereits ein Pferdewagen zur Verfügung, und sie exportierten den Senf sogar bis nach Luxemburg – so im Kontobuch von 1905 vermerkt. Für das Pferd wurde in Mühlennähe ein Stall erbaut. Clemens August war es aufgrund des durchschlagenden Erfolgs möglich, seine geschäftlichen Tätigkeiten auf weitere Bereiche auszuweiten. Ab 1905 betrieb er eine Reparaturwerkstatt für Fahrräder und Autos zusammen mit einer Art Tankstelle, verkaufte Rodelschlitten und Warsteiner Koksöfen. Der Lebensmittelproduktion blieb er allerdings ebenfalls treu, so vertrieb er zeitweise auch Mainzer Sauerkraut und Weinessig.

Nachdem Emil-Bruno Breuer als eines der sieben Kinder Clemens Augusts 1909 ins Geschäft einstieg und damit seinen Vater ablöste, erweiterte sich das Familienunternehmen im Jahre 1912 um die „Fabrik alkoholfreier Getränke“. Hier produzierten und vertrieben sie Selters- (Sprudel-)wasser sowie die als „Squatsch“ (auch „Squahs“ oder „Quash“, im Volksmund salopp „Quatsch“) bezeichnete Limonade mit Organgen-, Zitronen-, Himbeer- und Limonengeschmack bzw. Afri-Cola. Dabei kamen sowohl heimisches Obst als auch vorgefertigtes Sirup zum Einsatz und wurden im ausgereiften Produktionssystem aus Abfüll-, Reinigungs-, Spül- und Korkmaschine sowie Austropfvorrichtung und Imprägnierpumpe weiterverarbeitet. Darüber hinaus entwickelte sich eine Art Pfandsystem, bei dem die Liter- und Korbflaschen, in denen die Getränke abgefüllt waren, wieder von den Verbraucher*innen zurückgekauft wurden. (Interessante Randnotiz: Zum einen fanden einige Breuer-Flaschen – heil wie auch zerschlagen – Verwendung beim Bau des Westwalls durch das NS-Regime, zum anderen wäre beinahe die Imprägnierpumpe während des Kriegs beschlagnahmt worden, da diese Edelmetalle enthielt.)

Während sich Clemens August ganz den weiteren Standbeinen verschrieb, brachte Emil-Bruno frischen Wind in die Senfproduktion. Nicht nur kreierte er neue Sorten wie den Kaisersenf, den Montjoier Kräutersenf sowie einen Edelsenf, mit denen der Verkauf in den 1920er-Jahren einen Höhepunkt erlebte. Auch brachte er die Senfproduktion auf den neusten Stand der Technik und tauschte das Wasserrad und den Dampfkessel durch eine Transmission mit Elektromotor aus. Eine solche ermöglichte es, mehrere Maschinen gleichzeitig anzutreiben. Dies war angesichts der Produktionsmengen auch notwendig, da Emil-Bruno zu diesem Zeitpunkt bereits die Produkte mit dem Auto in den Raum Eupen-Malmedy, ins Rheinland, in die Eifel, nach Düsseldorf – als Senfstadt also zur direkten Konkurrenz – und bis nach Frankreich ausfuhr. Während des Zweiten Weltkriegs hatte die Firma den Status „anerkannter W-Betrieb“, der ihr die Produktion wirtschaftswichtiger Lebensmittel bezeugte und so das überregionale Breuer-Senfgeschäft rettete, da der Lieferwagen nicht zum Transport von Baumaterialien für den Bunkerbau eingezogen werden durfte. Doch das große Hochwasser 1946 ruinierte den neuen Lieferwagen, einen umgebauten ehemaligen Krankenwagen des Kreises Monschau, dessen Reparatur den Geschäftseinstig Emil-Brunos Sohns, nach seinem Großvater Clemens August benannt, im Jahre 1947 markierte: Er verhandelte damals Schnaps gegen Reparatur.

In der Nachkriegszeit war der Umsatz rückläufig, denn Senf wurde als Würzmittel durch das Aufkommen „exotischer“ Gewürze weniger gefragt, die Konkurrenz zu industriell hergestelltem Senf wuchs und kleinere Lebensmittelgeschäfte waren zusehends an Handelsketten gebunden. Daher weitete Clemens August Junior die Limonadenherstellung und den Getränkevertrieb aus, indem er den Ausbau zum Getränkeverlag in Gang setzte. In diesem Zuge mischte Breuer Ende der 1950er-Jahre nicht mehr Afri-Cola aus kohlensäurehaltigem Wasser und Sirup selbst und gab damit ihren Posten als Abfüllstelle 8 in Deutschland auf, sondern bezog nun bereits fertige Pepsi-Cola. 1952 zog die Firma dann ins Laufental in eine ehemalige Tuchfabrikationsmühle (für mehr Informationen siehe Themenbeitrag „Tuchmachertradition in Monschau“ im Portal Rheinische Geschichte) am Ortseingang um und erweiterte den schon vorhandenen Gebäudekomplex im Laufe der Jahre immer mehr. Bevor er das Amt an seinen Sohn Guido Emil übergab, übernahm er noch als Firma die Vertretung der Aachener Thermalwasser Kaiserbrunnen Aktiengesellschaft.

Unter Guido Emil wurde der Betrieb auf dem neuen Firmengelände zum „Monschauer Weinkontor“ umgestaltet, denn hier war genügend Platz, das Limonadensortiment um Weine aus der Moselregion zu ergänzen. Allerdings musste die Produktion der Limonade 1976 eingestellt werden, da durch Fertiglimonaden ein enormer Preisdruck entstand und sich der Zukauf fertiger Limonaden als rentabler als die Eigenproduktion erwies. Dieser Entwicklung entgegengerichtet erschuf Guido Emil 19 weitere Senfgeschmacksrichtungen und begann, im Weinkontor immer mehr Eifler Spezialitäten (vor allem Spirituosen) anzubieten.

Mit der Rückbesinnung auf alte Handwerksberufe und regionale Produkte erfuhr die Senffabrikation der Breuers nun wieder einen neuen Aufschwung. Zwar blieb das historische Wasserrad, das die ursprüngliche Mühle im Ortskern antrieb, dort zurück (dieses kann heute noch hinter dem Roten Haus besucht werden), doch die später verwendete Transmission wurde Stück für Stück am neuen Standort wiedererrichtet. Sie ist heute noch im Einsatz und ihr Riemengetriebe nunmehr als technisches Denkmal ausgewiesen.

Der wirtschaftliche Aufschwung konnte schließlich mit dem Ausbau der Mühle zu einem produzierenden Museum besiegelt werden. Nach dem Umbau eines anliegenden denkmalgeschützten Gebäudes ab 1996, das ursprünglich ab dem Jahr 1918 das Wohnhaus zur Streichgarnspinnerei Meyer war, sich aber schon seit 1936 im Besitz der Breuers befand, konnte 1998 darin das Restaurant „Schnabuleum“ auf dem Firmengelände eröffnet werden. Hier werden konsequenterweise vor allem Senfspezialitäten angeboten. Seit 2004 ist Ruth Breuer, die Tochter Guido Emils, in die Firma eingetreten und hat sie im Jahre 2013 vollständig übernommen. Auch sie brachte neue Geschäftsideen und Senfkreationen mit ein.

(Sarina Eßling, 2023)

Internet
industriemuseen-emr.de: Die „Historische Senfmühle Monschau“ (abgerufen am 11.01.2023)
www.gourmetsenf.ch: Die Historische Senfmühle Monschau (abgerufen am 11.01.2023)
www.nrw-tourismus.de: Historische Senfmühle Monschau (abgerufen am 11.01.2023)
www.senfmuehle.de: Die Familien-Senf-Geschichte (abgerufen am 11.01.2023)
www.senfmuehle.de: Clemens August 1882-1908 (abgerufen am 11.01.2023)
www.senfmuehle.de: Emil Bruno 1909-1947 (abgerufen am 11.01.2023)
www.senfmuehle.de: Clemens August 1947-1981 (abgerufen am 11.01.2023)
www.senfmuehle.de: Guido Emil (abgerufen am 11.01.2023)
www.senfmuehle.de: Ruth (abgerufen am 11.01.2023)
www.senfmuehle.de: Die „Fabrik alkoholfreier Getränke“ (abgerufen am 11.01.2023)
www.senfmuehle.de: Die Limonadenproduktion (abgerufen am 11.01.2023)
www.senfmuehle.de: Der Getränkevertrieb (abgerufen am 11.01.2023)
www.senfmuehle.de: Ein liebevoll restauriertes Baudenkmal (abgerufen am 11.01.2023)

Literatur

Offermann, Toni (2010)
Kleine Geschichten der Montjoier Spezialitäten - Monschau - Els, Dütchen, Pechklötzchen, Senf, Kaffee. Aachen.

Senfmühle Monschau

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Laufenstraße 118
Ort
52156 Monschau / Nordrhein-Westfalen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 0 bis 0, Ende 0 bis 0

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
Sarina Eßling: „Senfmühle Monschau”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-344046 (Abgerufen: 3. März 2024)
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