Simultanhalle in Volkhoven

ehemaliger Testbau, heute Ausstellungshalle

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Museen, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 00′ 59,29″ N: 6° 53′ 23,52″ O 51,01647°N: 6,88987°O
Koordinate UTM 32.351.992,24 m: 5.653.775,45 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.562.487,47 m: 5.653.855,91 m
  • Die Simultanhalle in Köln-Volkhoven/Weiler (2010), ein 1979 erbautes ehemaliges Testbauwerk für das Museum Ludwig in Köln, das seit 1986 als Ausstellungsraum genutzt wird.

    Die Simultanhalle in Köln-Volkhoven/Weiler (2010), ein 1979 erbautes ehemaliges Testbauwerk für das Museum Ludwig in Köln, das seit 1986 als Ausstellungsraum genutzt wird.

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  • Das alte Schulhaus der Volksschule in Köln-Volkhoven (2016). Das Gebäude wurde am 1. Juli 1980 unter der Nummer 517 in die Liste der Kölner Baudenkmäler aufgenommen.

    Das alte Schulhaus der Volksschule in Köln-Volkhoven (2016). Das Gebäude wurde am 1. Juli 1980 unter der Nummer 517 in die Liste der Kölner Baudenkmäler aufgenommen.

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„Simultanhalle - Raum für zeitgenössische Kunst“ ist ein Projektraum in Köln, der 1983 von der tschechischen Künstlerin Eva Janošková (*1935) gegründet wurde und seitdem ein stetiges Ausstellungsprogramm präsentiert.

Geschichte
Das Gebäude sollte ursprünglich als architektonisches Modell für den Neubau des Museums Ludwig dienen, eines der größten Museen in Deutschland, welches unter anderem die Sammlung von Peter und Irene Ludwig beherbergt, einem der aufmerksamsten Sammlerpaare US-amerikanischer Pop-Art. Im Jahr 1979 errichtete das Architektenduo Busmann + Haberer einen kubischen Modellbau am Stadtrand von Köln auf einem abgelegen Schulhof. Der ursprüngliche Zweck des Testbaus war die Erprobung der Lichtführung, Wand- und Bodenbeläge sowie die Praktikabilität der geplanten Sheddachkonstruktion, die später zu einem markanten Merkmal des endgültigen Museumsbaus wurde.

Auch wenn ursprünglich das temporär angesetzte Gebäude nach dem Abschluss des Bauprojekts im Jahr 1983 wieder abgerissen werden sollte, organisierte Janošková, die zu der Zeit ein Atelier auf demselben Gelände bezogen hatte, nachfolgend Ausstellungen mit Freunden und Atelierkollegen. Ein Jahr darauf schaffte sie es, für die Projekte eine Förderung vom städtischen Kulturamt zu akquirieren, wodurch eine laufende Ausstellungspraxis entstehen konnte. In internen Dokumenten der Stadt Köln zunächst provisorisch-liebevoll „Simultan-Halle“ genannt, wurde diese sprechende Bezeichnung schnell zum offiziellen Namen sowohl für den Modellbau, als auch für die in ihm entstehende Idee eines frei zur Verfügung stehenden Ausstellungsraumes mit musealem Charakter.

Ab 1989 übernahm ein Kuratorium bestehend aus einer wechselnden Zusammenstellung von Akteuren der Kölner Kunstszene die Organisation von Ausstellungen mit lokalen und internationalen KünstlerInnen in der Halle. Seitdem ist der Projektraum ein ständiger und relevanter Begleiter bei der Förderung von Kunstpraxis in der Region und dient ebenso als Plattform für internationales Geschehen. Das organisierende Team besteht aus einer freien Anzahl an KünstlerInnen und TheoretikerInnen, dessen Struktur auf Selbstorganisation und der gleichberechtigten Teilnahme aller involvierten Personen beruht. Die Zusammenstellung des Kuratoriums basiert auf einem organischen Prinzip und verändert sich beim Austreten eines Mitglieds mit der Empfehlung des Nachfolgenden. Das Ausstellungsprogramm ist daher nicht von einer singulären kuratorischen Linie geleitet, sondern repräsentiert eine diverse Konstellation an künstlerischen Interessen.

Durch die Verortung der Simultanhalle im Kölner Vorortstadtteil Volkhoven nahe der Satellitenstadt Chorweiler liegt die Halle fernab vom oft sehr schnellen Kunsttreiben einer Großstadt und bietet somit die Möglichkeit einer entschleunigten Atmosphäre.
Mit dem ehemaligen Schulhof, auf dem die Simultanhalle steht, schwingt gleichzeitig noch ein Ort des Gedenkens mit. Am 11. Juni 1964 wurden acht Schülerinnen und Schüler und zwei Lehrerinnen bei einem Amoklauf auf dem Gelände der damaligen Volkhovener katholischen Volksschule getötet (www.simultanhalle.de, Geschichte). An die Opfer des Flammenwerfer-Attentats erinnert eine Gedenktafel an dem ehemaligen Schulgebäude und ein Denkmal an der als Gedenkstätte eingerichteten gemeinsamen Ruhestätte der getöteten Kinder auf dem alten Friedhof in Weiler (Bach 1998).

Baubeschreibung und aktueller Zustand
Der fensterlose, graue Kubus mit einer Grundfläche von 10,8 x 10,8 Meter zeichnet sich besonders durch die weißen Sheddach-Bahnen aus: An diesem markanten Motiv wird die Vorläuferfunktion für den geplanten Museumsbau sofort ersichtlich. Die Shedschalen bilden den Abschluss einer Maximalhöhe von 12 Meter und sind im Winkel von 55° nach Norden mit Fenstern geöffnet. Die tragende Holzkonstruktion ist mit unterschiedlichen Baumaterialien verkleidet, die hier sozusagen nebeneinander erprobt werden: rote Dachziegel, Zinkblechbahnen und schwarze Bitumenplatten. Die Simultanhalle ist durch eine Tür südlich der Ostseite betretbar und im Inneren weiß gefasst. Die Shedschalen sind innen ebenfalls weiß gefasst, eine um 90° gedrehte weiße Schalenkonstruktion zitiert das Motiv und ergibt ein indirektes, ungefiltertes Oberlicht.

Der Abriss wird schon seit 2017 diskutiert, als das Gebäude nach einer Begehung als einsturzgefährdet eingestuft und daraufhin ein Nutzungsverbot seitens der Stadt ausgesprochen wurde. Die Stadtverwaltung bewertet die Sanierung mit knapp 160.000 Euro als nicht wirtschaftlich, da der Bau von Anfang an nur als Provisorium geplant gewesen sei. Seit 2018 ist die Simultanhalle endgültig geschlossen. Ein Abriss steht auch wegen der akuten Einsturzgefahr bevor, das Objekt soll durch einen Neubau ersetzt werden.
Seitens des Kuratoriums gibt es selbstverständlich ein gewisses Verständnis für diese Entscheidung, da sich das Gebäude tatsächlich in einem schlechten Zustand befindet. Unverständnis hingegen ruft die daraus gezogene Konsequenz - der Abriss - hervor: Die Simultanhalle ist anschauliche Architekturgeschichte (welches Kölner Projekt der letzten Jahrzehnte könnte Vergleichbares vorweisen?) und ein wichtiger Ausstellungsort. Und dass Provisorien sich als dauerhaft erweisen und im Laufe der Zeit ihren ganz eigenen Status bekommen, sollte man in Köln eigentlich zur Genüge kennen und - schätzen.

(Verwendung des Textes mit freundlicher Genehmigung durch den Förderverein Simultanhalle e.V., 2021; Umsetzung und kleine Ergänzungen von Katharina Grünwald, LVR-Redaktion KuLaDig, 2021)

Internet
www.simultanhalle.de: Geschichte (abgerufen 04.01.2022)
www.kunsthistoriker.org: Simultanhalle - Akute Gefährdung (abgerufen 04.01.2022)
www.koeln-lotse.de: Die Simultanhalle - ein dauerhaftes Provisorium (abgerufen 04.01.2022)
www.koelnarchitektur.de: Die endliche Aura des Provisorischen (abgerufen 04.01.2022)
deu.archinform.net: Busmann & Haberer, Architekturbüro (abgerufen 05.01.2022)
www.dtsg.de: Deutsch-Tschechische und -Slowakische Gesellschaft, Eva Janosková (abgerufen 11.01.2022)
de.wikipedia.org: Simultanhalle (abgerufen 04.01.2022)
de.wikipedia.org: Attentat von Volkhoven (abgerufen 05.01.2022)
youtu.be: Amoklauf mit Flammenwerfer: Das Attentat des Walter Seifert (WDR Lokalzeit MordOrte, Autor Hamzi Ismail, 16'57 min., 31.01.2022, abgerufen 08.03.2023)

Literatur

Bach, Anja / Geschichtswerkstatt des Bürgerzentrums Chorweiler (Hrsg.) (1998)
Das Attentat von Köln-Volkhoven. In: Heimersdorf: vom Hof zum Kölner Stadtteil, Köln.

Simultanhalle in Volkhoven

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Volkhovener Weg 209–211
Ort
50765 Köln - Volkhoven/Weiler
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Museen, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 1979

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Simultanhalle in Volkhoven”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343349 (Abgerufen: 16. Juni 2024)
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