Hochschulstandort WesterWaldCampus in Höhr-Grenzhausen

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Höhr-Grenzhausen
Kreis(e): Westerwaldkreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 25′ 56,31″ N: 7° 39′ 59,98″ O / 50,43231°N: 7,66666°O
Koordinate UTM 32.405.304,68 m: 5.587.548,03 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.405.341,85 m: 5.589.343,33 m
  • Eingang zum Institut für Werkstofftechnik Glas und Keramik des WesterWaldCampus der Hochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen (2020)

    Eingang zum Institut für Werkstofftechnik Glas und Keramik des WesterWaldCampus der Hochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen (2020)

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  • Gebäude des WesterWaldCampus der Hochschule Koblenz in der Rheinstraße 56 in Höhr-Grenzhausen (2020)

    Gebäude des WesterWaldCampus der Hochschule Koblenz in der Rheinstraße 56 in Höhr-Grenzhausen (2020)

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Der „WesterWaldCampus“ ist der keramische Zweig der Hochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen. Integriert in den WesterWaldCampus ist der Fachbereich Werkstofftechnik Glas und Keramik sowie das Institut für Künstlerische Keramik und Glas (IKKG). Der Fachbereich gilt als das größte Ausbildungs- und Forschungszentrum für Keramik in Europa mit einem Netzwerk, das sich über Europa hinaus erstreckt. Hintergrund für die Wahl des Standorts war die lange Tradition der Keramikherstellung und -ausbildung in der Region. Diese Tradition reicht in Höhr-Grenzhausen bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Geschichte
Expansion und Wandel
Umstrukturierung zum FH-Fachbereich
Gründung des Instituts für Künstlerische Keramik
Der Campus heute
Internet

Geschichte
Die Hochschule am WesterWaldCampus wurde im Jahr 1971 als „Keramische Abteilung Höhr-Grenzhausen“ an die FH Koblenz angegliedert. Vorher war sie eine eigenständige Ingenieurschule, die im Jahr 1879 als „Keramische Fach- und Werkschule” gegründet worden war. Der Preußische Minister für Handel und Gewerbe, Heinrich von Achenbach (1829-1899, Minister ab 1873), förderte die Gründung einer Fachschule. Diese sollte sich als kunstgewerbliche Bildungsstätte positiv auf die Industrie auswirken. Nachdem die Eröffnung der Schule beschlossen war, mussten Höhr und Grenzhausen (damals getrennte Gemeinden) sich über einen Standort einig werden. Zunächst wurde beschlossen, die Schule in gemieteten Räumen unterzubringen und den Standort alle zwei Jahre zu wechseln. Der erste Schulleiter war der erst 30-jährige Bildhauer Heinrich Meister (Lebensdaten unbekannt). Vor dem zweiten Wechsel verfügte das Ministerium, dass die Schule in Höhr bleiben solle. Dort wurde im Jahr 1896 ein neues Schulgebäude in der Rheinstraße 56 eingeweiht. An diesem Standort befindet sich der WesterWaldCampus bis heute. Höhr übernahm den Kostenanteil von Grenzhausen, um die Streitigkeiten um den Standort zu beenden. Das eigene Gebäude ermöglichte eine großzügigere Ausstattung, zu der ein Ofenhaus mit mehreren Brennöfen zählte. Das Lehrangebot erstreckte sich über verschiedene Mal- und Zeichenmethoden, Modellieren, Farb- und Gefäßlehre, Stilgeschichte und Keramische Technologie.
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Expansion und Wandel
Die Schule wuchs und erlangte in der Keramikindustrie großes Ansehen. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs musste die Schule vorübergehend schließen. Der letzte Schulleiter, Eduard Berdel (Lebensdaten unbekannt), kam in einem Konzentrationslager ums Leben. Im Jahr 1946 wurde die Schule unter der Leitung von Arthur Henning (1880-1959) wiedereröffnet. Der Unterricht der Nachkriegszeit wurde jedoch durch einen Mangel an Lehrmaterialien erschwert. Im Laufe der 1950er Jahre kehrte ein geregelter Schulbetrieb ein, die Anzahl der Schüler stieg erneut.
Die Schule hatte eine chemisch-technische und eine künstlerische Ausrichtung. Die Absolventen konnten einen Abschluss als “Staatlich geprüfte Industriekeramiker„ oder “Keramikgestalter„ machen. Im Jahr 1952 wurde eine Klage vor dem Verwaltungsgericht stattgegeben. Von da an durfte der Titel “Ingenieur„ in der Berufsbezeichnung integriert werden. Im Jahr 1953 wurde die Schule als “Höhere Fachschule„ und ab dem Jahr 1957 als “Staatliche Ingenieur- und Werkschule„ anerkannt. Die Absolventen im technischen Bereich konnten sich als graduierte Ingenieure bezeichnen.
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Umstrukturierung zum FH-Fachbereich
Im Jahr 1971 gab es durch die europäische Angleichung der Bildungssysteme eine Reform der Schulstrukturen. Ingenieurschulen wurden in Fachhochschulen übergeleitet. Für Höhr-Grenzhausen hatte dies die Abtrennung des Ingenieurbereichs zur Folge. Dieser wurde als Fachbereich Keramik an der Fachhochschule Koblenz angegliedert. Das Abitur wurde eine Zulassungsvoraussetzung. Die Gestalter- und Technikerausbildungen, die in der Fachschule ebenfalls möglich waren, wurden den berufsbildenden Schulen zugeordnet. Sie boten Weiterbildungen für Leute mit abgeschlossener Berufsausbildung an. Für einige Jahre blieben die nun getrennten Schulformen im selben Gebäude, aber unter verschiedenen Leitungen. In den 1970er Jahren wurde die Gestalter- und Technikerschule im Jahr 1984 aufgrund von Platzmangel verlegt. Die daraus resultierende “Fachschule für Keramikgestaltung„ erhielt ein eigens errichtetes Gebäude am Scheidberg, neben der örtlichen Berufsschule. Das Gebäude wurde “Keramisches Zentrum„ genannt und beherbergte neben den keramischen Klassen handwerkliche und industrielle Klassen als Zweigstelle der Berufsschule Montabaur.
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Gründung des Instituts für Künstlerische Keramik
Um den WesterWaldCampus als Zweigstelle der FH Koblenz zu sichern, wurde im Jahr 1987 das Institut für Künstlerische Keramik (Rheinstraße 80) gegründet. Damit wurde die keramische Abteilung um einen künstlerischen Zweig erweitert. In den Jahren 1989 und 1990 konnte der Fachbereich Keramik einen Höchststand von 300 Einschreibungen verzeichnen. Danach sanken die Zahlen bis zum Jahre 1995 auf 150. Dies brachte der Schule erhebliche finanzielle Einbußen. Als Reaktion schloss sich das Institut mit Kooperationspartnern zum Bildungs- und Forschungszentrum Keramik e.V. (BFZK) zusammen. Auf diese Weise konnte der Campus den Studierenden bessere Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten bieten. In der Folge stieg die Anzahl an Einschreibungen wieder.
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Der Campus heute
Der WesterWaldCampus liegt an der Rheinstraße in Höhr-Grenzhausen, gegenüber der Töpferei M. Girmscheid und neben dem Gelände der ehemaligen Steinzeugfabrik Marzi & Remy. In der unmittelbaren Umgebung des Campus befinden sich verschiedene Kooperationspartner, die im Bildungs- und Forschungszentrum Keramik (BFZK) mit der Hochschule zusammenarbeiten. Dazu zählt das CeraTechCenter, ein Existenzgründungszentrum für Unternehmen im Bereich keramischer Technologien und Werkstoffe. Weitere Partner sind das Forschungsinstitut für anorganische Werkstoffe Glas/Keramik GmbH (FKG), das Keramikmuseum Westerwald, die berufsbildenden Schulen vor Ort und das European Centre of Refractories (ECREF).
Der Fachbereich Werkstofftechnik Glas und Keramik bietet Abschlüsse im Bachelor of Science oder Engineering sowie Master of Engineering an. Absolventen im künstlerischen Bereich erhalten einen Bachelor oder Master of Fine Arts.
Inzwischen wurde die Lehre in beiden Bereichen um den Werkstoff Glas erweitert. Aus dem Institut für Künstlerische Keramik wurde das “Institut für Künstlerische Keramik und Glas”. Der Fachbereich Keramik heißt heute „Werkstofftechnik Glas und Keramik”. Mit dem Bologna-Prozess im Jahre 1999 zur Vereinheitlichung des europäischen Bildungsrahmens, wurden die Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt.
Die Hochschule hat den Weg vieler Töpfer aus Höhr-Grenzhausen bestimmt und zieht heute noch Menschen aus verschiedenen Teilen Deutschlands an, um sich der keramischen Ausbildung zu widmen.
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(Nadja Riegger, Universität Koblenz-Landau / freundliche Hinweise von Herrn Roland Giefer, 2020)

Internet
www.hs-koblenz.de: Herzlich willkommen am WesterWaldCampus (abgerufen 13.01.2021)
www.fs-keramik.de: Fachschule Keramik in Höhr-Grenzhausen (abgerufen 13.01.2021)
www.bbs-montabaur.de: Berufsbildende Schule Montabaur, Außenstelle Keramik (abgerufen 13.01.2021)
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Hochschulstandort WesterWaldCampus in Höhr-Grenzhausen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Rheinstraße 56
Ort
56203 Höhr-Grenzhausen
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Hochschulstandort WesterWaldCampus in Höhr-Grenzhausen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-327256 (Abgerufen: 22. April 2021)
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