Steinzeugfabrik Marzi & Remy

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Höhr-Grenzhausen
Kreis(e): Westerwaldkreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 25′ 57,08″ N: 7° 39′ 55,21″ O / 50,43252°N: 7,66534°O
Koordinate UTM 32.405.211,04 m: 5.587.573,48 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.405.248,17 m: 5.589.368,78 m
  • Blick auf die Steinzeugfabrik Marzi & Remy an der Rheinuferstraße in Höhr-Grenzhausen (1952)

    Blick auf die Steinzeugfabrik Marzi & Remy an der Rheinuferstraße in Höhr-Grenzhausen (1952)

    Copyright-Hinweis:
    Dokumentationszentrum Kannenbäckerland
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  • Luftbild der Steinzeugfabrik Marzi & Remy oberhalb der Rheinuferstraße in Höhr-Grenzhausen (1955)

    Luftbild der Steinzeugfabrik Marzi & Remy oberhalb der Rheinuferstraße in Höhr-Grenzhausen (1955)

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Die Steinzeugfabrik Marzi & Remy in Höhr-Grenzhausen produzierte Keramik aus dichtem licht- und wasserundurchlässigem Material. Gegründet wurde die Fabrik im Jahr 1879 von Simon Peter Remy (1835-1918) und seinem Schwager Anton Marzi (1842-1924). Die Fabrik existierte bis ins Jahr 1996. Das Unternehmen produzierte Qualitätsware und legte viel Wert auf innovative Produkte. Technischen Neuerungen wurden schnell in den Produktionsprozess übernommen. Durch diesen Umstand waren auch die Fabrikgebäude von zahlreichen Neu- und Umbauten geprägt.

Die Lage der Fabrik
Die Fabrik
Gründung 1879 bis zur Jahrhundertwende
Die Firma expandiert
Die Zeit vom Ersten Weltkrieg bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs
Die Firma zur Zeit des Zweiten Weltkriegs
Die Firma erholt sich in der Nachkriegszeit
Konkurs der Fabrik im Jahre 1996
Internet

Die Lage der Fabrik
Die Fabrik Marzi & Remy befand sich in der Rheinstraße 60 im Stadtteil Höhr. Gegenüber dem ehemaligen Standort befindet sich die Töpferei Girmscheid und daneben liegt die Fachschule für Keramik.
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Die Fabrik
Die Fabrik Marzi & Remy bestand aus sechs langgestreckten Gebäuden, die parallel zur Rheinstraße ausgerichtet waren. Zur Straße hin befand sich das eingeschossige Hauptgebäude in L-Form, das mit einem Flachdach gedeckt war. Das Gebäude verfügte über einen mit Satteldach gedeckten Aufbau. Über dem Aufbau erhob sich einer von vier Schornsteinen der Fabrik. An der Fassade des Aufbaus war der Firmenname Marzi & Remy angebracht. Auf gleicher Höhe befand sich ein zweites langgestrecktes Fabrikgebäude. Hinter diesen beiden Gebäuden waren zwei zweigeschossige Hallen angeordnet und hinter diesen, zwei weitere Gebäude. Das ganze Areal war eingezäunt.

Von der alten Fabrikanlage ist heute nichts mehr erhalten. Auf dem Gelände befinden sich heute verschiedene Gebäude: Hinter der Bundesagentur für Arbeit liegt das CeraTechCenter (CTC). Dabei handelt es sich um ein Existenzgründungszentrum für Unternehmen auf dem Gebiet der keramischen Technologien und Werkstoffe. Dieses markante Gebäude auf oktogonalem Grundriss erinnert an eine Pagode. Rechts daneben schließt das dreigeschossige DIFK-Gebäude an, Das Deutsche Institut für Feuerfest und Keramik GmbH. Das Gebäude erinnert mit seiner Unterteilung in weißer Fassadenfläche und großflächiger Glasfassade an moderne Industriegebäude. Im zweiten, hinteren Gebäudeteil befindet sich das ECREF, das European Center for Refractories gemeinnützige GmbH.
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Gründung 1879 bis zur Jahrhundertwende
Anton Marzi führte bereits vor der Gründung von Marzi & Remy eine Kannenbäckerei als Handwerksbetrieb. Kannenbäckereien dienten damals vornehmlich der Herstellung von keramischen Ausschank- und Trinkgefäßen. Anton Marzi ging mit der Zeit. Im Jahre 1879 baute er den Betrieb gemeinsam mit seinem Schwager Peter Remy zu einem industrielleren Unternehmen um. Die Fabrik stieg von der Produktion von Eulerware zu blau verziertem Steinzeug mit Salzglasur um. Während Eulerware (vom lat. „olla” für Topf), schlichte keramische Küchengefäße darstellte, war das blaue Steinzeug meist grau glänzend in der Oberfläche.

Das Unternehmen startete mit drei Drehern, die den Ton auf der Drehscheibe bearbeiten. Dazu kam ein Lehrling. Zudem fand das junge Unternehmen Unterstützung durch den Berliner Modelleur Gustav Tinwiebel (1853-1933). Tinwiebel hatte bereits Erfahrung mit der Herstellung von Steinzeug gesammelt. Die nun entstandenen Modelle verkauften sich gut. Die Fabrik bekam viele Aufträge und expandierte schnell. Im Jahr 1880 mussten Marzi und Remy ihre Räumlichkeiten erweitern.
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Die Firma expandiert
Das Wachstum hielt in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg an. Die Firma wurde mehrere Male ausgebaut. Neue Dreher und Tagelöhner wurden eingestellt. Auch wurde mit neuen Stilen und Werkstoffen experimentiert. Das führte dazu, dass sich die Produktpallette erweiterte.

Um Brennenergie und somit Kosten zu sparen, holten sich Marzi und Remy einen Rundofen mit überschlagender Flamme. Es stellte sich heraus, dass dieser Ofen salzglasiertes Steinzeug anders brannte, als erwartet. Das Material verfärbte sich gelblich, sodass sich ein neuer Stil entwickelte. Diese sogenannte “Elfenbeinware” oder „gelbe Ware” wurde eine Spezialität der Firma. Zudem ergänzte die Firma ihre Ausstattung um eine Zinngießerei, um eigene Deckel und Beschläge für Krüge und Kannen herstellen zu können. Elektromotoren wurden in der Fabrik installiert, mit denen die Drehscheiben angetrieben wurden.

Die Ware von Marzi & Remy verkaufte sich nicht nur in Deutschland gut. Auch ins Ausland, vor allem in die USA, wurde die Keramik exportiert. Besonders um die Wende zum 20. Jahrhundert stiegen die Verkaufszahlen durch den Export, sodass das Unternehmen zu der Zeit über 100 Leute beschäftigte. Darüber hinaus feierten Marzi & Remy Erfolge auf nationalen und internationalen Ausstellungen wie in Brüssel, Antwerpen, Amsterdam und Dresden.
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Die Zeit vom Ersten Weltkrieg bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 stoppte der Großteil des Warenverkehrs. Vor allem der Export brach ein. Viele Mitarbeiter wurden an die Front befehligt. Das hatte zur Folge, dass der Betrieb vorübergehend stillgelegt werden musste. Nach ein paar Monaten wurde ein Minimalbetrieb mit der Hilfe von einigen älteren Leuten wieder aufgenommen. Der Betrieb litt wie viele andere Betriebe unter großen Problemen, die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begonnen hatten. So waren beispielsweise Rohmaterialien schwierig zu beschaffen.

Die Jahre nach dem Krieg stellten unter anderem wegen der Inflation eine schwierige Zeit für den Betrieb dar. In dieser Zeit verstarben auch die Gründer der Firma. Simon Peter Remy starb im Jahr 1918 und Anton Marzi im Jahr 1924. Remys Sohn Werner (geboren 1889) und Marzis Schwiegersohn Otto Bühler (verstorben 1941) traten die Nachfolge in der Geschäftsführung an. Vor allem Otto Bühler ist der allmähliche Wiederaufstieg der Firma zu verdanken.

In den Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg durchlief das Geschäft wirtschaftliche Höhen und Tiefen. In den 1930er Jahren musste das Unternehmen durch die Weltwirtschaftskrise viele Mitarbeiter entlassen. Die Produktion ging zurück. Bis zum Jahr 1939 erholte sich die Firma wieder. Die Zahl der Mitarbeiter stieg erneut auf 170 Personen.
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Die Firma zur Zeit des Zweiten Weltkriegs
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1939 war die Firma gezwungen, auf die Produktion einfacher Gebrauchsgegenstände wie Schüsseln und Tassen umzusteigen. Während des Kriegs und der Nachkriegszeit gab es einige Wechsel in den Führungspositionen. Otto Bühler verstarb im Jahr 1941 an einem Herzschlag. Seine Söhne Otto Bühler Jr. (Lebensdaten unbekannt) und Waldemar Bühler (Lebensdaten unbekannt) wurden von Besatzungstruppen inhaftiert oder gerieten in Kriegsgefangenschaft. Zudem verstarb ihre Mutter, Maria Bühler (Lebensdaten unbekannt), die Tochter des Gründers Anton Marzi im Jahre 1946.
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Die Firma erholt sich in der Nachkriegszeit
Die beiden Inhaber Otto und Waldemar Bühler kehrten aus dem Krieg und der Gefangenschaft zurück. Die Produktion wurde zunächst durch die Kontrolle der Besatzungsmächte und den erneuten Mangel an Rohmaterialien erschwert. Gegen Ende der 1940er Jahre stabilisierte sich die Situation. Die Firma Marzi & Remy konnte wieder auf ihre früheren Produkte umsteigen. Bierkrüge galten zu dieser Zeit als Spezialität der Firma. Der wiedereinsetzende Export verhalf der Firma erneut zu einem Anstieg der Verkaufszahlen. Um das Jahr 1953 beschäftigte Marzi & Remy nahezu 200 Mitarbeiter.
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Konkurs der Fabrik im Jahre 1996
Bis in die 1990er Jahre sank die Nachfrage für das Westerwälder Steinzeug stark. Das führte zu einem großen Verlust von Arbeitsplätzen in der Steinzeugindustrie. Marzi & Remy mussten im Jahr 1996 mit Rainer Faber (Lebensdaten unbekannt) als Geschäftsführer Konkurs anmelden und ihre Produktion einstellen. Wenige Jahre später wurden die alten Fabrikgebäude abgerissen.
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(Nadja Riegger, Universität Koblenz-Landau / freundliche Hinweise von Herrn Roland Giefer, 2020)

Internet
rlp.museum-digital.de: Marzi & Remy (Manufaktur) (abgerufen 13.01.2021)
www.steinmarks.co.uk: Marzi & Remy (abgerufen 13.01.2021)
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Literatur

Bühler, Otto (1954)
Festschrift zum 75jährigen Besten der Firma Marzi & Remy. Höhr-Grenzhausen.
Fries, Heribert (1993)
Kurrimurri. Erinnerungen an die Kannenbäcker in Höhr-Grenzhausen. Höhr-Grenzhausen.

Steinzeugfabrik Marzi & Remy

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Rheinstraße 60
Ort
56203 Höhr-Grenzhausen
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1879, Ende 1996

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Steinzeugfabrik Marzi & Remy”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-327255 (Abgerufen: 24. Oktober 2021)
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