Burgruine Schönecken

Bella Costa, Clara Costa

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Schönecken
Kreis(e): Eifelkreis Bitburg-Prüm
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 09′ 36,92″ N: 6° 27′ 43,98″ O / 50,16026°N: 6,46222°O
Koordinate UTM 32.318.740,33 m: 5.559.532,16 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.533.072,89 m: 5.558.336,25 m
  • Luftaufnahme der Burgruine Schönecken, Ansicht von Süden her (2015)

    Luftaufnahme der Burgruine Schönecken, Ansicht von Süden her (2015)

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  • Blick über den Ort Schönecken mit der Burgruine im Hintergrund (2014)

    Blick über den Ort Schönecken mit der Burgruine im Hintergrund (2014)

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Auf einem Bergsporn hoch über der Gemeinde Schönecken liegt die gleichnamige Burgruine.

Geschichte von Ort und Burg Schönecken
Der später durch die Erbauung der im 12. Jahrhundert errichteten Burg „Clara Costa“ geprägte heutige Schönecker Wohnplatz Wetteldorf kam wahrscheinlich durch eine Schenkung König Pippins im Jahre 762 an das Salvatorkloster Prüm (dort als wathilentorp benannt). Im berühmten Urbar von 893 wird der Ort als wettellendorpht geführt (Nolden 1993) und im Jahr 1103 testiert ein Walterus de Wetlindorf eine Urkunde Kaiser Heinrichs IV. über Prümer Vogteirechte.
In Schönecken ist neben der Burgruine auch der alte Ortskern sehenswert und die umliegende „Schönecker Schweiz“ bietet mit ihren Dolomitfelsen, zahlreichen Biotopen und seltenen Pflanzen ein rar gewordenes Naturerlebnis.

Auf einem in das Nimstal vorspringenden Bergsporn gelegen, hatte Burg Schönecken die Aufgabe, die Südgrenze des Territoriums der Fürstabtei Prüm zu sichern und die durch das Tal führende Straße Bitburg-Prüm zu kontrollieren. Ihre Gründer waren die Grafen von Vianden, die schon 1132 als Prümer Vögte (Schirmherren) genannt werden. Die Burganlage wurde möglicherweise bereits im 12. Jahrhundert begonnen, als wahrscheinlicher gilt aber die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Burg wird erstmals am 8. April 1249 als Clara Costa urkundlich erwähnt, als der der einflussreichen Adelsfamilie von Neumagen angehörige Menfrid (meist Meffried) diese Graf Heinrich von Luxemburg zu Lehen aufträgt:
Ego Menfridus dominus de Numage (…) quod ego castrum, quod vocatur Clara costa, cum appendiciis dicti castri, quod erat allodium meum proprium, reportavi et dei in manu viri illustris domini mei Henrici comitis Luccelburgensis, Ruppensis et marchionis Arlunensis pro voluntate sua facienda, de consensu et voluntate uxoris mee, puerorum et heredum meorum (…) (MRhUB 3, Nr. 995)
Das lateinische Wort costa bezeichnet eigentlich Rippenknochen und war hier wohl mit Bezug auf den ansehnlich gebogenen Bergsporn namensgebend.

Zwischen dem Kloster und dem Burgvogt gab eine Auseinandersetzung, da der Viandener offenbar ohne Zustimmung des Abtes mit dem Bau der Burg begonnen hatte. Der Streit endete erst 1280 mit einem Vergleich nachdem Graf Heinrich von Vianden (1248-1299), der sich bereits seit 1264 „von Schönecken“ nannte, Burg und Ort erobert und dort eine Seitenlinie gegründet hatte, die bis zu ihrem Aussterben 1370 blühte.
Um 1370 kamen Ort und Burg zu Luxemburg und wurden nur kurz später an den Trierer Kurfürsten Kuno II. von Falkenstein (um 1320-1388, seit 1362 Erzbischof von Trier) verpfändet. Die Burg wurde Sitz eines Amtmannes und Stützpunkt der Erzbischöfe bei ihren Auseinandersetzungen mit der Abtei. Als 1576 die Abtei Prüm dem Kurstaat endgültig einverleibt wurde, verlor Schönecken seine strategische Funktion.

Im Jahr 1718 zog der Amtmann in die neu erbaute Kellnerei in der Talsiedlung und die Burg verfiel seitdem. Der Besitz des Trierer Erzstiftes endete erst in napoleonischer Zeit. Im Jahr 1802 verbrannten Teile der Burg und des Dorfes. Das Dorf wurde jedoch mit den 1804 auf Abbruch verkauften Steinen wiederaufgebaut. Eine erste Restaurierung erfolgte 1906 durch den preußischen Staat. Weitere folgten 1970-1975 an den Wehrtürmen und -mauern, 1982-1983 erfolgte eine Torkretierung des Ruinenmauerwerks (Sicherung mit Spritzbeton).

Baubeschreibung
Die ältesten Teile der noch bestehenden Burgruine dürften auf die Zeit Heinrichs von Vianden / von Schönecken zurückzuführen sein, also die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Burg erstreckt sich über einem annähernd rechteckigem Grundriß mit einer Länge von etwa 120 Metern von der Spitze der Bergzunge im Westen bis zu dem sehr breiten Halsgraben im Osten.
Hauptfront ist die Südseite, deren linke Hälfte (jeweils von Süden betrachtet) einst die Wohnung bildete. Aus der Ringmauer springen drei zur Innenseite der Burg offene Türme nach außen vor und prägen die charakteristische Silhouette der Burg. Zwei der Türme, ein runder und ein rechteckiger, ragen noch drei Geschosse hoch auf. Der runde Turm dürfte noch aus dem 13. oder frühen 14. Jahrhundert stammen, ebenso wie ein etwas niedrigerer weiter rechts. Der Rechteckturm mit seinen buckelquaderverstärkten Ecken und rechteckigen Fenstergewänden ist jünger.
Alle drei Türme und die sie verbindenden Mauerstücke gehörten spätestens seit dem 16. Jahrhundert zu einem mehrgeschossigen Wohngebäude, dessen Dachtraufe etwa in Höhe der jetzigen Oberkante der Türme lag, wie ein Ölgemälde aus dem 18. Jahrhundert noch erkennen lässt.

Denkmalzone
Heute ist die als Ruine erhaltene Burg Schönecken Eigentum des Landes Rheinland-Pfalz und als Denkmalzone ausgewiesen: „Burg Schönecken (Denkmalzone), Ruine, etwa trapezförmige Anlage, wohl 12. oder frühes 13. Jh.; Reste von Ringmauer und Flankierungstürmen, drei Türme eines ehem. Wohnbaus; Gesamtanlage mit Steilhängen und östlichem Vorgelände mit Halsgraben, Zufahrt und Resten einer Grabenbrücke“ (denkmallisten.gdke-rlp.de, S. 111).

(Franz-Josef Knöchel, Universität Trier, 2001 / Digitales Kulturerbe LVR, 2019)

Quellen
Überarbeitetes Referat des Verfassers auf der kulturhistorischen Exkursion „Residenzburgen im Ardennerraum“ am 30. Juni 2001 im Rahmen der Studientagung „Leben zwischen Mittelalter und Moderne“ (Katholische Akademie Trier und Katholische Landvolkhochschule St. Thomas, 28. Juni - 1. Juli 2001, Bertradaburg Mürlenbach) und freundliche Hinweise von Prof. Dr. Franz Irsigler und Dr. Florian Gläser, Universität Trier, Fach Geschichtliche Landeskunde, 2001.

Internet
www.ms-visucom.de: Burgendatenbank EBIDAT, Schönecken (abgerufen 10.05.2019)
denkmallisten.gdke-rlp.de: Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Eifelkreis Bitburg-Prüm (Stand 10.12.2018, abgerufen 10.05.2019)

Literatur

Beyer, Heinrich; Eltester, Leopold; Goerz, Adam u.a. (1874)
Mittelrheinisches Urkundenbuch (MRhUB). Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preußischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien, Ausgabe Coblenz, 3 Bände 1860-1874. Koblenz.
Dotzauer, Winfried (2001)
Geschichte des Nahe-Hunsrück-Raumes von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. S. 136, Stuttgart.
Neu, Peter (1972)
Geschichte und Struktur der Eifelterritorien des Hauses Manderscheid vornehmlich im 15. und 16. Jahrhundert. S. 46, Bonn.
Nolden, Reiner (Hrsg.) (1993)
„anno verbi incarnati DCCCXCIII conscriptum“ – Im Jahre des Herrn 893 geschrieben. Festschrift 1100 Jahre Prümer Urbar. Trier.
Spang, Wolfgang (2002)
Die Herren von Schönecken - ihr Geschlecht, ihre Burg und ihre Zeit. Schönecken.

Burgruine Schönecken

Schlagwörter
Ort
54614 Schönecken
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1150 bis 1250

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Burgruine Schönecken”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-291628 (Abgerufen: 10. August 2020)
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