Burg Vianden

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n):
Koordinate WGS84 49° 56′ 5,5″ N: 6° 12′ 10,2″ O / 49,93486°N: 6,20283°O
Koordinate UTM 32.299.278,23 m: 5.535.139,43 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.514.606,50 m: 5.533.183,19 m
  • Luftaufnahme der Burg Vianden im gleichnamigen Ort in Luxemburg (2017)

    Luftaufnahme der Burg Vianden im gleichnamigen Ort in Luxemburg (2017)

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  • Burg Vianden im gleichnamigen Ort in Luxemburg, Ansicht von Süden her (2005)

    Burg Vianden im gleichnamigen Ort in Luxemburg, Ansicht von Süden her (2005)

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Die Höhenburg Vianden im gleichnamigen luxemburgischen Kantonsort war Sitz der Herren und späteren Grafen von Vianden. Sie ist die mächtigste noch bestehende Wehranlage Luxemburgs und zugleich eine der größten erhaltenen Burgen westlich des Rheins. Die heutige Burg Vianden wurde vom 11. bis zum 14. Jahrhundert auf den Fundamenten eines römischen Kastells und eines karolingischen Refugiums aus dem 9. Jahrhundert erbaut und diente bis zum 15. Jahrhundert als Wohnsitz der Grafen von Vianden.

Geschichte von Ort und Burg Vianden
Baubeschreibung
Verkauf, Teilabriss und Restaurierung
Quellen, Internet, Literatur

Geschichte von Ort und Burg Vianden
Vianden war die befestigte Hauptstadt der im Mittelalter bedeutsamen Grafschaft Vianden, deren Ursprünge mit dem zwischen 966 und 1105 im Moselgau nachgewiesenen mächtigen und reich begüterten Geschlecht der Bertholphe / Bertolfe oder Bezeline (Bezelin ist die Koseform des familiären Leitnamens Berthold) möglichweise sogar bis in die karolingische Zeit zurückreichen.
Als Besitzer der Burg Hamm an der Prüm (im heutigen Eifelkreis Bitburg-Prüm) und Inhaber der Vogteien der Abtei Prüm verlegte die Familie vermutlich aus Sicherheitsgründen ihren Wohnsitz nach der Burg Vianden, deren Ursprung als Burg wohl ins 9. Jahrhundert zurückreicht. Burg und Ort konnten offenbar leichter verteidigt werden als das entlegene Hamm, welches noch heute in einer verschlossenen und schwer zugänglichen Gegend liegt und wo man im Notfall nur schwer Hilfe hätte bekommen können.
Urkundlich fassbar wird das Geschlecht erstmals 1090 über einen Grafen Bertolf comes de Vianne, der – wenn dort auch nur unsicher als Bertolfi comitis benannt – möglicherweise bereits zwischen 1052 und 1063 in Urkunden des zwischen 1079 und 1101 amtierenden Trierer Erzbischofs Egilbert von Ortenburg auftritt (MRhUB 1, Nrn. 337, 351 und 356).

Unter Graf Heinrich I. (* um 1190/1210, Graf von Vianden 1214-1252), der auch Vogt des Erzstiftes Trier war und zusammen mit seinem Bruder Siegfried offenbar auch eine gewichtige Rolle am Hof Kaiser Friedrichs II. spielte, erreichte das Haus Vianden sein größtes Ansehen.
Als Graf Philipp von Vianden als Herr zu Grimbergen (Philippus comes de Vienna et dominus de Grimbergen) am 11. Juni 1248 dem Grafen Heinrich von Luxemburg seine Burg und Stadt Vianden zu Lehen aufträgt, wird Vianden als befestigter Ort bezeichnet (castrum meum Viennense et oppidum cum burgensibus, vgl. MRhUB 3, Nr. 952).
Im Jahr 1308 erhielt Vianden die Bestätigung seiner Freiheitsrechte durch den Viandener Grafen Philipp II. und wurde seitdem von einem Bürgermeister und sieben Schöffen verwaltet. Der Ort entwickelte sich bis ins 15. Jahrhundert zu einer blühenden Stadt (Wenksy 2008, S. 74), während die Grafschaft gleichzeitig durch zahlreiche Heiraten und Erbteilungen in verschiedene Herrschaften und familiäre Nebenlinien aufsplitterte. Im Jahr 1417 fiel die Grafschaft Vianden schließlich als Erbe an das Geschlecht von (Oranien-)Nassau, in dem die Familie seitdem nur noch eine untergeordnete Bedeutung besaß.
Der Niedergang des Ortes Vianden wurde durch die Aufhebung der Grafschaft 1794 beschleunigt. Durch den Wiener Kongress von 1815 wurde die Abtretung von 42 vormalig zu Vianden gehörenden Dörfern an Preußen beschlossen. Nach dem Ende des Deutschen Zollvereins im Jahre 1919, dem das Großherzogtum Luxemburgs seit 1842 angehörte, wurde schließlich sogar eine Zollgrenze zwischen Vianden und diesen Dörfern errichtet.
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Baubeschreibung
Geprägt von der staufischen Epoche, handelt es sich bei der 310 Meter über dem Fluss Our gelegenen Höhenburg um eine der größten und schönsten feudalen Residenzen der romanischen und gotischen Zeit in Europa. Der bauliche Kern der gewaltigen Hofburg ist insgesamt etwa 85 Meter lang und 30 Meter breit und stellt damit einen mittelalterlichen Bau ersten Ranges dar.
Die Bauzeit der Kapelle und des Kleinen Pallas – die bemerkenswertesten Räume – wird auf das Ende des 12. bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts angenommen. Der zehneckige Wohnturm wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu einer Kapelle ausgebaut. Der Bau weiterer Teile der Burg (Großer Pallas, Jülicher und Nassauer Bau) zog sich bis zum 17. Jahrhundert hin. Gesichert war die Anlage durch ein starkes Verteidigungssystem mit Ringmauern, Pforten, Fallbrücke und -gittern sowie Türmen.

„Sie besitzt eine innere Mauer mit Ecktürmen. Innerhalb dieser Kernburg befinden sich die Wohnräume, Festsäle und Wirtschaftsräume. Der äußere Mauerring ist deutlich niedriger und bietet durch drei aufeinander folgende Tore Zugang zur Kernburg. (...) Sie wird in vier Etagen unterteilt: der Hauptbereich umfasst die Waffenhalle, eine ‚archäologische Krypta', eine kleine und eine große Küche, eine untere Kapelle, die Ritterstube, das Esszimmer und den großen Rittersaal. Dieser fasst bis zu 500 Personen.“ (zitiert nach dem Flyer zur Burg 2013)

Darüber liegen ein Innenhof mit anschließendem Wehrgang, die Obere Kapelle, die „Byzantinische Galerie“, der Bankettsaal, das Schlafzimmer, der kleine Palas aus dem 12. Jahrhundert, das Stammbaumzimmer sowie drei nach luxemburgischen Persönlichkeiten benannte Räume:
  • Victor „Vic“ Abens (1912-1993), Widerstandskämpfer und Politiker,
  • Jean-Pierre Koltz (1909-1989), Ingenieur und Historiker und
  • Johann Carl Arendt (1825-1910, auch Charles), Architekt und Schriftsteller.

„Teilweise im Felsen eingearbeitet sind ein großer Keller und ein Verteidigungswerk, das bereits zur Zeit der Karolinger angelegt worden war; um 1250 ließ der damalige Besitzer die Wehrhaftigkeit dieser Vorburg verstärken. Dieser Bereich ist durch den ‚Schwarzen Turm‘ gekennzeichnet.“ (ebd.)
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Verkauf, Teilabriss und Restaurierung
Im Zuge des Niedergangs der Stadt Vianden verlor gleichzeitig auch die Burg mit Beginn des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. 1820 wurde die Anlage unter Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau (1772-1843, zwischen 1815 und 1840 zugleich König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg) versteigert. Sie ging für 3.200 Gulden an den Viandener Bürgermeister Wenzeslas Coster, der sogleich einzelne Bauteile verkaufte – darunter die Kupferdächer, die Bleiverglasung, Holztäfelungen und Eisenbeschläge sowie Fenster und Türen – und zahlreiche Einrichtungsgegenstände in seine Wohnung verbrachte. Der Verkauf und die anschließende Zerlegung in ihre Einzelteile machten die Burg endgültig zur Ruine.
Wohl auch um die Entrüstung der Viandener Bürger zu beschwichtigen, kaufte der aus der älteren Linie des Hauses Nassau stammende Großherzog von Luxemburg Adolph Wilhelm Carl August Friedrich von Nassau-Weilburg (1817-1905) die Burgruine im Jahr 1890 für 1.100 Gulden zurück, womit diese wieder in den Besitz der großherzoglichen Familie kam.
Nach der Übernahme der Burg in Luxemburger Staatsbesitz im Jahr 1977 wurde die Anlage entsprechend ihrer ehemaligen Pracht restauriert und zählt heute zu den bedeutendsten Baudenkmälern Europas.

(Franz-Josef Knöchel, Universität Trier, 2001 / Digitales Kulturerbe LVR, 2019)
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Quellen
Überarbeitetes Referat des Verfassers auf der kulturhistorischen Exkursion „Residenzburgen im Ardennerraum“ am 30. Juni 2001 im Rahmen der Studientagung „Leben zwischen Mittelalter und Moderne“ (Katholische Akademie Trier und Katholische Landvolkhochschule St. Thomas, 28. Juni - 1. Juli 2001, Bertradaburg Mürlenbach) und freundliche Hinweise von Prof. Dr. Franz Irsigler und Dr. Florian Gläser, Universität Trier, Fach Geschichtliche Landeskunde, 2001.
Flyer zur Burg, herausgegeben vom Freundeskreis der Burg 'Amis du Château de Vianden', 2013.

Internet
www.castle-vianden.lu (abgerufen 10.05.2019)
de.wikipedia.org: Burg Vianden (abgerufen 10.05.2019)
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Literatur

Beyer, Heinrich; Eltester, Leopold; Goerz, Adam u.a. (1874)
Mittelrheinisches Urkundenbuch (MRhUB). Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preußischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien, Ausgabe Coblenz, 3 Bände 1860-1874. Koblenz.
Koltz, Jean-Pierre (1975)
Les châteaux historiques du Luxemburg. Luxembourg.
Pauly, Michel (1992)
Luxemburg im späten Mittelalter. Verfassung und politsche Führungsschicht der Stadt Luxemburg im 13.-15. Jahrhundert. (Publications de la Section historique de l'Institut grand-ducal 107 / Publications du CLUDEM 3.) Luxembourg.
Wensky, Margret (2008)
Städte und Freiheiten bis 1500. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VI.2.) S. 74, Bonn.
Zimmer, John (1998)
Zur Wahl des Burgbauplatzes an den Beispielen von Luxembourg, Vianden, Befort und Fels. In: Château Gaillard XVIII (Actes du colloque international tenu à Gilleleje, Danemark / Centre de recherches archéologiques médiévales), Caen.

Burg Vianden

Schlagwörter
Ort
LUX Vianden
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1000

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Burg Vianden”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-291631 (Abgerufen: 18. Juli 2019)
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