Schönecker Schweiz und ihre Besonderheiten

Märzenbecher und Bärlauchblüte in der Schönecker Schweiz

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Dingdorf , Fleringen , Giesdorf , Hersdorf , Rommersheim , Schönecken , Wallersheim
Kreis(e): Eifelkreis Bitburg-Prüm
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 09′ 52,85″ N: 6° 27′ 43,13″ O / 50,16468°N: 6,46198°O
Koordinate UTM 32.318.740,30 m: 5.560.024,60 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.533.053,07 m: 5.558.828,29 m
  • Bärlauchblüte in der Schönecker Schweiz (2019)

    Bärlauchblüte in der Schönecker Schweiz (2019)

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  • Märzenbecher in der Schönecker Schweiz (2018)

    Märzenbecher in der Schönecker Schweiz (2018)

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Wenn die Rede ist von „die Eifel“, wird der Eindruck von einer einheitlichen, homogenen Landschaft vermittelt. Dieser Eindruck täuscht: wohl nur wenige Mittelgebirgslandschaften in Deutschland sind so unterschiedlich und vielfältig wie die Eifel. Die meisten Menschen verbinden sie mit Vulkanen, doch das ist nur ein Ausschnitt aus dem großen Reichtum an Landschaftstypen.
Ein Typus sind die Kalkmulden, aber auch diese lassen sich noch kleinräumiger einteilen. Einen Teil der „Prümer Kalkmulde“ bildet die Schönecker Schweiz. Entstanden sind die besonderen Schichten des Untergrundes vor etwa 400 Milionen Jahren durch Ablagerungen in einem Meer, das das Land überflutet hatte. Die Landschaft ist zerklüftet und geprägt von Dolomitfelsen, die oft bizarre Formen annehmen und die Phantasie anregen. So nennt der Volksmund einen dieser Felsen die „Jungfernley“, er soll eine junge Frau darstellen, die zur Strafe für ihre Boshaftigkeit zur Felssäule erstarrt ist.
Fachleute sehen die Steine mit ganz anderen Augen und lesen aus ihnen die Informationen über die Erdgeschichte heraus. Die Schönecker Schweiz ist so reich an geologischen interessanten Funden, dass viele Museen Stücke von ihr in ihren geologischen Sammlungen haben. Im Zuge einer wissenschaftlichen Konferenz wurde 1937 bei Schönecken-Wetteldorf ein Schnitt durch die Erdschichten angelegt, der heute als globaler Standard für die Abgrenzung der Erdzeitalter von Unter- und Mittedevon anerkannt ist, der Wetteldorfer Richtschnitt ist weltweit allen Geologen geläufig. Das Senckenberg-Institut aus Frankfurt betreibt bei Schönecken das Ludwig-Happel-Haus für wissenschaftliche Forschungen.
Der Besucher der Schönecker Schweiz mit geologischem Interesse findet hier also ein breites Beobachtungsfeld. Der Besucher kann aber auch ganz einfach die Landschaft mit dem Verkehrsmittel genießen, das wahrscheinlich in der Eifel am meisten verbreitet ist: mit den Wanderschuhen. Er findet hier das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet im Landkreis Bitburg/Prüm, mit ausgeschilderten Wanderwegen, die nicht nur immer wieder überraschende Blicke ermöglichen, sondern über Informationstafeln auch die Landschaft erklären und erschließen. Dazu gehören so Besonderheiten wie „Verlierbäche“, Wasserläufe, die an „Schlucklöchern“ die Oberfläche verlassen und in unterirdischen Klüften laufen, bis sie woanders wieder zu Tage treten.

Der Märzenbecher
Der aufmerksame Wanderer, der früh im Jahr unterwegs ist, findet auch eine Pflanze, die recht klein und unscheinbar wirkt, die sehr selten ist und als bedrohte Art auf der Roten Liste steht und unter besonderem Naturschutz steht. Den Märzenbecher, auch Frühlings-Knotenblume genannt. Er erinnert an ein großes Schneeglöckchen. Der Märzenbecher braucht feuchte, nährstoffreiche Böden, durch Trockenlegung landwirtschaftlicher Flächen wurde ihm der Lebensraum vielfach entzogen. In Deutschland gibt es nennenswerte Vorkommen in der Sächsischen Schweiz, auf der Fränkischen Alp, bei Hameln und eben bei Schönecken, dort im Schalkenbachtal oder entlang des Altburger Baches. Auch der Blockschuttwald im Felsenmeer von Walbert mit dem Jungfernley bietet gute Lebensbedingungen, Die Blütezeit ist früh, März/April, manchmal schon ab Februar. Wenn der Märzenbecher verblüht ist, erscheint an seiner Stelle am gleichen Ort oft das Silberblatt.

Die Bärlauchblüte
Ein besonders imposantes Bild bieten die dicht gewirkten Teppiche aus Bärlauch-Blüten. Üppig gedeiht der Bärlauch (Allium ursinum) oft in den nährstoffreichen Böden der Bach- oder Flussauen. Bei geneigtem Untergrund bevorzugt er die Nordhänge weil hier eine hohe Boden- sowie Luftfeuchtigkeit herrscht.
Die ersten Bärlauchblätter zeigen sich sehr früh. Sie lassen den Boden eines Buchenwalds schon satt ergrünen, wenn die Baumkronen darüber noch in winterlicher Kahlheit verharren. Nur hat die Herrlichkeit bald nach der Blüte ein Ende. Schon Anfang Juni vergilben die Blätter und entfalten dabei den intensiven Lauchgeruch, der nicht jedermanns Sache ist. Überhaupt wird, wer eine empfindliche Nase hat, gern mit einem schönen Foto vorlieb nehmen.
Wenig später kündet oberirdisch nichts mehr von der Existenz des Bärlauchs. Denn er gehört zu den Geophyten (wörtlich übersetzt: Erdpflanzen). Geophyten erscheinen zwar zeitig im Jahr, gehen aber in den Untergrund, wenn sich das Laubdach der Bäume schließt und nicht mehr genug Licht auf den Boden fällt. Ihre Eile tut also not.
Ab Anfang März streifen Bärlauch-Enthusiasten durch die einschlägigen Wälder. Die Pflanze hat während der letzten Jahrzehnte eine beachtliche Karriere in der Haute Cuisine gemacht, auf die ihr alter Volksname Hunds-Knoblauch nicht unbedingt schließen lässt.
Die neuere Beliebtheit des Bärlauchs führt fast folgerichtig zu der Idee seiner Vermarktung. Die hatte das Forstamt Prüm, in dessen Bezirk die Schönecker Schweiz liegt. Es vergibt Konzessionen für die Bärlauchernte an professionelle Sammler und die Liebhaber ohne kommerzielles Interesse dürfen die Blätter für den Hausgebrauch pflücken.
Einiges spricht dafür, dass sich der Bärlauch mancherorts gut behauptet, ja sogar ausgebreitet hat. Womöglich liegt das am naturnahen Waldbau: Dichtere Baumbestände führen zu einem Mikroklima, das dem Bärlauch behagt. Wie Botaniker bereits angemerkt haben, hat das Lauchgewächs da und dort seltene Frühblüher wie etwa den Blaustern verdrängt oder zu verdrängen begonnen. Selbst Naturliebhaber mit Gewissensbissen müssen also kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie den Bärlauch kurzhalten. Mit Waschbütten werden sie ohnehin nicht auf Beutezug gehen.

(Christoph Wilmer und Detlev Arens, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V., 2018, 2019)

Literatur

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.) (2018)
Rheinland-Kalender 2019. Landschaft, Denkmal, Natur. Köln.
Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.) (2018)
Rheinland-Kalender 2018. Landschaft, Denkmal, Natur. Köln.

Schönecker Schweiz und ihre Besonderheiten

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Lindenstraße 6 A
Ort
54614 Schönecken
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung

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„Schönecker Schweiz und ihre Besonderheiten”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290381 (Abgerufen: 12. Juli 2020)
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