Myriameterstein bei Lülsdorf

Rhein-Vermessungsstein an der Walter-Esser-Brücke

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Niederkassel
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Der Myriameterstein an der Walter-Esser-Brücke bei Niederkassel-Lülsdorf (2018).

    Der Myriameterstein an der Walter-Esser-Brücke bei Niederkassel-Lülsdorf (2018).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-SA-4.0
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
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  • Der Myriameterstein an der Walter-Esser-Brücke bei Niederkassel-Lülsdorf (2018).

    Der Myriameterstein an der Walter-Esser-Brücke bei Niederkassel-Lülsdorf (2018).

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Der fast würfelförmige Myriameterstein befindet sich an der Wegzweigung Uferstraße / Schneppenpfädchen nahe der Walter-Esser-Brücke bei Lülsdorf. Der Vermessungs- bzw. Vermarkungsstein geht auf die Begradigung und Vermessung des Rheins im 19. Jahrhundert zurück.

Die „Central-Commission für die Rhein-Schiffahrt“ wurde auf Veranlassung des Wiener Kongresses von 1814/15 gegründet und ist damit „die älteste internationale Organisation der Moderne“ (www.ccr-zkr.org). Zum 24. März 1815 wurde die Zentralkommission, die sich aus Vertretern der die Rheinanliegerstaaten Baden, Bayern, Frankreich, Hessen, Nassau, Niederlande und Preußen zusammensetzte, mit Sitz in Mainz eingerichtet.
Nach der durch den badischen Ingenieur Johann Gottfried Tulla (1770-1828) um 1817 begonnenen Begradigung des Rheins ordnete die Kommission am 25. Mai 1864 erstmals eine Gesamtvermessung des Rheins an. Diese sollte an der Mittleren Brücke zu Basel beginnen (heutiger Rheinkilometer 166,6) und an der Rheinmündung in den Niederlanden enden (vgl. hierzu auch die Einleitung unter Preußische Rheinregulierung bei Geisenheim).
1867 wurde beschlossen, die Ergebnisse der Vermessungen durch Vermarkungsmarken zu kennzeichnen, die so genannten Myriametersteine. Der Name der Steine geht auf das Wort Myriameter zurück, das aus dem Altgriechischen stammt (myrias = zehntausend). Ein Myriameter entspricht 10.000 Metern bzw. 10 Kilometern.
Zeitlich fällt die Vermessung des Rheinstromes damit in die Phase der Einführung des metrischen Maßsystems in Deutschland, welche mit dem königlichen Erlass der „Maß- und Gewichtsordnung für den Norddeutschen Bund“ vom 17. August 1868 (in Kraft ab 1. Januar 1872) begann und der bisher verwirrenden Maßvielfalt aus Fuß, Elle und diversen Meilen rasch ein Ende setzte (Trapp 1996).

Ab 1883 wurden die Steine durch Landeskilometrierungen ersetzt. Heute sind nur noch rund 70 Myriametersteine erhalten.

Das Lülsdorfer Exemplar wurde – nachdem es wohl mehrere Jahrzehnte unentdeckt im Uferbereich lag – im Jahr 2001 von Mitgliedern des örtlichen Bürgervereins wiederentdeckt. 2014 wurde der inzwischen restaurierte Stein an einem neu gestalteten Standort am Einlassbauwerk des Rückhalteraumes und der nach dem Bürgermeister der Stadt Niederkassel von 1999 bis 2009 Walter Esser (*1944) benannten Walter-Esser-Brücke wieder aufgestellt. Die den Sockel umgebenden großen Kieselsteine symbolisieren das Flussbetts des Rheins

Der Lülsdorfer Myriameterstein weist die übliche Kantenlänge von ca. 50 Zentimetern auf, Stein und Sockel sind etwa 1,20 Meter hoch. Den oberen Abschluss bildet eine flache vierseitige Pyramide.

Alle vier Seiten des ursprünglich einmal schwarz-weiß angestrichenen Steins sind beschriftet:
  • Die südwestliche Rheinseite weist die Nummer des Steins mit der römischen Ziffer „L“ aus (für 50, d.h. fünfzig Mal die Myriade von 10.000 Metern) und darunter die Höhe des Steines über dem seinerzeit maßgeblichen Amsterdamer Pegel (Amsterdams Peil) mit „46,666 M.“. Diese Höhenangabe war wichtig für die Berechnung des Flussgefälles.
  • Die südöstliche Bergseite nennt die Entfernung zur preußisch-hessischen Grenze „165,227 K.M. von der Landes Grenze“.
  • Die nordöstliche Landseite zeigt mit „500,000 K.M. von Basel. 394,450 K.M. bis Rotterdam“ die Entfernung zu den Bezugsorten Basel und Rotterdam an.
  • Die nordwestliche Talseite weist schließlich mit „186,703 K.M. bis zur Landes Grenze“ die Entfernung zur Grenze zwischen Preußen und Holland aus.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)

Internet
www.ccr-zkr.org: Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (abgerufen 18.04.2018)
www.ksta.de: Interessanter Fund, Geschichte mit quadratischem Format (Kölner Stadt-Anzeiger vom 29.07.2011, abgerufen 26.03.2018)
www.general-anzeiger-bonn.de: Vermessung des Rheins: Nach 150 Jahren wieder aufgetaucht (Bonner General-Anzeiger vom 21.09.2014, abgerufen 26.03.2018)
de.wikipedia.org: Myriameterstein (abgerufen 26.03.2018)
de.wikipedia.org: Rheinbegradigung (abgerufen 18.04.2018)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 812, Stuttgart.
Trapp, Wolfgang (1996)
Kleines Handbuch der Maße, Zahlen, Gewichte und der Zeitrechnung. Mit Tabellen und Abbildungen. (Universal-Bibliothek 8737.) S. 32-36, Stuttgart.

Myriameterstein bei Lülsdorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Uferstraße / Schneppenpfädchen
Ort
53859 Niederkassel - Lülsdorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1867
Koordinate WGS84
50° 49′ 41,92″ N, 6° 59′ 28,85″ O / 50.82831°, 6.99135°
Koordinate UTM
32U 358540.01 5632655.49
Koordinate Gauss/Krüger
2569889.72 5633015.63

Empfohlene Zitierweise

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„Myriameterstein bei Lülsdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-276833 (Abgerufen: 21. November 2018)
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