Windmühle am Hanselaertor in Kalkar

Kalkarer Mühle

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Kalkar
Kreis(e): Kleve (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Windmühle am Hanselaertor in Kalkar (2015)

    Windmühle am Hanselaertor in Kalkar (2015)

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  • Windmühle am Hanselaertor in Kalkar (2015), Ansicht von der Hanselaerstraße.

    Windmühle am Hanselaertor in Kalkar (2015), Ansicht von der Hanselaerstraße.

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  • Windmühle am Hanselaertor in Kalkar (2015), Rückansicht von der Hanselaerstraße aus gesehen.

    Windmühle am Hanselaertor in Kalkar (2015), Rückansicht von der Hanselaerstraße aus gesehen.

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Die Kalkarer Mühle ist eine der wenigen voll funktionsfähigen Windmühlen am Niederrhein und ein herausragendes Beispiel für die wechselvolle Geschichte der Windmüllerei.

Erbaut worden ist die Mühle im Jahre 1770 aus dem Steinmaterial des zuvor wegen Baufälligkeit abgebrochenen Hanselaertores, welches sich nun als Baumaterial für den Mühlenturm verwenden ließ. Die Mühle entstand als achtstöckiger Galerieholländer im Auftrag des Lederfabrikanten Christian Guerin, welcher die Windmühle als Lohmühle zum Zerkleinern von Eichenrinde nutzte. Dieses Zerkleinern von Eichenrinde erfolgte auf gewöhnlichen Mahlgängen, deren Steine gröbere Schärfen auf den Mahlflächen besaßen als zur Getreidevermahlung.
Guerin stammte aus der Normandie und hatte wegen politischen Drucks Frankreich verlassen. In der Nähe der Windmühle ließ er das herrschaftliche Haus Sieben Linden als seinen Wohnsitz errichten und die Innenräume mit Werken flämischer Künstler schmücken. Durch seine Kontakte nach Frankreich, Flandern und die Niederlande hatte Guerin auch Einblicke in das dortige Mühlenbauwesen erhalten, und so entstand die Mühle dann auch gleich als neuzeitliche Holländermühle, wo doch um diese Zeit am Niederrhein noch eindeutig die Bockwindmühle dominierte.

Ende des 18. Jahrhunderts musste Guerin Kalkar heimlich verlassen. Die Mühle übernahm der Müller van der Grinten und ließ sie zur Getreidemühle umbauen. Eine in einem tragenden Deckenbalken des Absackbodens heute noch lesbare Inschrift mit dem Datum des 4. Dezember 1787 könnte ein Hinweis auf den Besitzerwechsel und den Umbau sein. Als Getreidemühle war die Windmühle nun mit drei Mahlgängen ausgestattet, von denen zumindest einer zur Herstellung feinster Mehle diente. Dieser war, eventuell schon vom Umbaubeginn an, mit einem Maschinensystem nach amerikanischer Vermahlungsweise verbunden. Nach dem Mahlen gelangte das Produkt hier zunächst in einen Mehl-Kühlapparat, eindeutig dem amerikanischen System (in Amerika ist dieses Gerät nur größer und wird als „Hopperboy“ bezeichnet) nachempfunden, danach über einen Elevator in einen Sechskantsichter, um dort in Mehl und Kleie getrennt zu werden. Der Kühlapparat ist als interessantes Bauteil aus jener Zeit, als die neuartigen amerikanisch-englischen Mühlensysteme in Deutschland begannen Fuß zu fassen, bis heute erhalten geblieben.

Nach dem Tod van der Grintens verkauften seine Nachfahren 1828 die Mühle an die Familie Langenhoff, die sie 1837 weiter veräußerte. 1888 erhielt der Mühlenbesitzer Friedrich van Egeren die Genehmigung zur Aufstellung einer Dampfmaschine, um auch bei Windmangel arbeiten zu können. Der Ingenieur Hugo Schüll aus Düsseldorf fertigte die noch heute im Stadtarchiv Kalkar erhalten geblieben Pläne dazu an. An der nordöstlichen Seite des Mühlenturms wurde dazu ein in Dampfmaschinenraum und Kesselraum unterteiltes Maschinenhaus mit gemauertem Schornstein errichtet. Die Dampfmaschine sollte laut Zeichnung auf eine stehende Königswelle mit gusseisernem Getriebe wirken, und von dort aus per Stirnrad-Untertriebwerk zwei Mahlgänge antreiben. Zur Ausführung kam jedoch später eine Variante, bei der zwei Mahlgänge per Riemenantrieb auf die Mühleisen angetrieben wurden, von denen noch heute die Lichtewerke im Erdgeschoss erhalten sind. Zuletzt wurde nur noch einer dieser Gänge durch einen separaten Elektromotor betrieben.

Als letzte große Umbaumaßnahme erhielt die Mühle zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine gebrauchte, 1862 von der niederländischen Firma L. T. Enthoven gegossene Flügelwelle als Ersatz für die noch in Holz gefertigte Vorgängerin. Der letzte Müller, Heinrich Rötten, ersetzte das alte Müllerwohnhaus um 1910 durch ein neugotisches zweistöckiges Wohnhaus. Bis in die 1920er Jahre mahlte Rötten mit Windantrieb und Dampfkraft, danach ausschließlich elektrisch. Die Flügel der Mühle wurden entfernt.
Mit ihrer Restaurierung unter der Obhut des neu gegründeten Vereins Kalkarer Mühle am Hanselaertor e.V. 1994 bis 1996 erhielt Kalkar wieder eine mahlende Windmühle zurück, in der sich heute noch mehrere Entwicklungsstufen eines Mühlenbetriebes beispielhaft erleben lassen.

Das Objekt „Windmühle am Hanselaertor in Kalkar“ ist ein eingetragenes Baudenkmal (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Datenbank-Nr. 33656 / Denkmalliste der Stadt Kalkar, laufende Nummer A 058).

(Rüdiger Hagen, 2016, erfasst im Rahmen des Verbundprojekts „Aufnahme der Mühlen im Rheinland“)

Internet
kalkarer-muehle.de: Verein Kalkarer Mühle am Hanselaerer Tor e.V. (abgerufen: 29.12.2016)

Literatur

Rheinisches Mühlen-Dokumentationszentrum (Hrsg.) (2016)
eremdezet 17. Jahresbericht 2016. S. 22-24, Duisburg.

Windmühle am Hanselaertor in Kalkar

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hanselaerer Straße
Ort
47546 Kalkar
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Bauaufnahme
Historischer Zeitraum
Beginn 1770
Koordinate WGS84
51° 44′ 22,14″ N, 6° 17′ 44,17″ O / 51.73948°, 6.2956°
Koordinate UTM
32U 313282.06 5735524.68
Koordinate Gauss/Krüger
2520462.19 5733958.45

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„Windmühle am Hanselaertor in Kalkar”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-262067 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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