Vulkan Rodderberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Raumplanung
Gemeinde(n): Bonn, Remagen, Wachtberg
Kreis(e): Ahrweiler, Bonn, Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz
  • Kastanienallee und Broichhofkapelle auf dem Rodderberg (2014)

    Kastanienallee und Broichhofkapelle auf dem Rodderberg (2014)

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  • Broichhof auf dem Rodderberg (2014)

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  • Pferdeweiden und Obstweiden auf dem Rodderberg (2014)

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  • Kastanienallee zum Broichhof auf dem Rodderberg (2014)

    Kastanienallee zum Broichhof auf dem Rodderberg (2014)

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  • Windkuppe auf dem Rodderberg (2014)

    Windkuppe auf dem Rodderberg (2014)

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  • Broichhofkapelle auf dem Rodderberg (2014)

    Broichhofkapelle auf dem Rodderberg (2014)

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Der Rodderberg befindet sich zwischen Wachtberg-Niederbachem und Rolandswerth am Rhein gegenüber der am östlich Ufer gelegenen Stadt Bad Honnef. Er liegt zum größten Teil auf nordrhein-westfälischem Gebiet; die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz verläuft quer über den Berg von dessen Südseite zur Nordostseite. Er erfüllt für die umliegenden Siedlungsbereiche wertvolle Erholungs- und Freizeitfunktionen.

Rodderberg
Der Rodderberg gehört zum etwa 20 Kilometer entfernt gelegenen Osteifeler Quartärvulkanfeld (Laacher Vulkangebiet mit dem Zentrum Laacher See) und ragt von diesem isoliert außergewöhnlich weit in die tertiären Vulkane der Siebengebirgskuppe hinein (Kremer 1983, S. 92f). So trennen den Rodderberg und den Basaltkegel des Rolandsbogens, der zum tertiären Vulkanfeld gehört, wenige hundert Meter. „Diese enge Verzahnung von vulkanischen Gesteinen aus verschiedenen Zeitaltern ist in Mitteleuropa einzigartig“ (Informationsflyer Rhein-Sieg-Kreis); der Rodderberg stellt somit eine geologische Besonderheit dar.
Seine Ausbrüche erfolgten vermutlich während der Riß-Saale-Kaltzeit vor 150.000 Jahren (Kremer 1989, S. 93). Die Rodderberg-Tuffe wurden bis zu einem Radius von 10 Kilometern in die Umgebung geschleudert (Kremer 1981, S. 34). Sein Krater, der sich innerhalb des unterdevonischen Grundgebirges und in der Hauptterrasse des Rheins geöffnet hat, ist von einem nicht ganz geschlossenen Tuffring mit 800 Metern Durchmesser umgeben. Das Kraterbecken war ursprünglich 50 Meter tief, wurde jedoch durch Lösssedimentation in der letzten Eiszeit auf 30 Meter Tiefe aufgefüllt. Der höchste Punkt des Rodderberges liegt mit 192 m ü. NN auf rheinland-pfälzischem Gebiet (Informationsflyer Rhein-Sieg-Kreis).

Aussichtpunkt Heinrichsblick - Richtstätte des Amtes Mehlem
Am nordöstlichen Kraterrand bietet der Heinrichsblick eine wunderbare Fernsicht auf das Siebengebirge und das Rheintal. Gleichzeitig handelt es sich jedoch um die ehemalige Richtstätte des Amtes Mehlem, die neben vielen anderen mit folgender Legende verwoben ist:
„Vor ein paar Jahrhunderten soll ein junger Mann an dieser Stelle unschuldig sein Leben gelassen haben. Der Sage nach hieß er Heinrich und sollte Kunigunde, die schöne Tochter des Mehlemer Amtsmannes, heiraten. Als Kunigunde und Heinrich durch den Kottenforst gingen, um Verwandte persönlich zur Hochzeit einzuladen, soll Heinrich auf halber Strecke zurückgekehrt sein, weil er noch etwas zu erledigen hatte.
Mitten im Wald hörte er ein Stöhnen und fand eine blutüberströmte Frau. Er nahm sie auf die Schultern und brachte sie ins Dorf. Als er merkte, dass sie tot war, erstattete er Anzeige. Die abgewiesenen Freier Kunigundes schoben daraufhin Heinrich die Tat in die Schuhe, so die Legende. Sie erreichten, dass er ohne Verteidigung auf dem Richtplatz am Rodderberg sterben musste.
Eine Hälfte seines Vermögens sollte an Kunigunde gehen. Von dem anderen Teil sollte jedes Jahr am Sterbetag eine heilige Messe gelesen und feierlich geläutet werden, da “man einen Unschuldigen erhängt habe„. Noch heute treffen sich die Mehlemer Sebastianus-Schützen im Gedenken an Heinrich an jedem Karnevalsdienstag an der Richtstätte. Und auch die Glocken werden an diesem Tag gebeiert. Kunigunde übrigens ging ins Kloster Nonnenwerth und starb kurz darauf an ihrem Kummer“
(Bonner Generalanzeiger 2007).

Heutiger Zustand - Naturschutzgebiet Rodderberg
1927 wurde der Rodderberg auf einer Fläche von 73,25 ha Größe zum Naturschutzgebiet erklärt. Es befindet sich zu zwei Dritteln auf nordrhein-westfälischem und einem Drittel auf rheinland-pfälzischem Gebiet. „Ziel der Unterschutzstellung ist die Erhaltung der Lebensstätten und Lebensgemeinschaften besonders typischer und ansonsten im Rheinland seltener Tuffflächen (vulkanisches Gestein) mit ihren rheinischen Trockenrasen und seltenen Pioniergesellschaften. Die Ausweisung erfolgte auch aus naturgeschichtlichen, landeskundlichen und erdgeschichtlichen Gründen sowie wegen der Seltenheit und besonderen Eigenart des Gebietes“ (Rhein-Sieg-Kreis).
Anlass der Unterschutzstellung war der zunehmende Abbau von Tuff als Baumaterial. Obwohl viele der Tuffentnahmestellen verfüllt wurden, haben sich einige Spuren des ehemaligen Abbaus, wie zum Beispiel an der Nordgrube, erhalten.
Daneben stellt der Vulkankrater aufgrund seiner räumlichen Nähe zum Rhein und wegen der guten Wärmespeicherkapazität der Tuffböden ein Biotop für wärmeliebende, ansonsten nur in Süd- und Südosteuropa vorkommende Pflanzen dar. Die ursprüngliche, aus Buchenwald bestehende Vegetation wurde aufgrund der starken Beanspruchung des Bodens durch jahrhundertelange Schafbeweidung und den Ackerbau zurückgedrängt, der Nährstoffgehalt des Bodens reduziert und die Entstehung von Trocken- und Halbtrockenrasengesellschaften an den relativ trockenen und warmen Standorten gefördert. Um diese wertvollen Lebensräume zu erhalten, erfolgen aktuell mehrere Maßnahmen: Entbuschung der Grünlandflächen zur Erhaltung der Trocken- und Halbtrockenrasengesellschaften, Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung (Grünlandnutzung durch Schafbeweidung, Einschränkung der Düngergaben) in Absprache mit den Eigentümern der Flächen (Informationsflyer Rhein-Sieg-Kreis).
Neben den mit Trocken- und Halbtrockenrasen bewachsenen Hängen und einigen geologischen Aufschlüssen, in denen das Lössprofil und Basaltgänge betrachtet werden können, gibt es noch weitere, auf anthropogene Einflüsse zurückgehende sehenswerte Landschaftselemente, wie z. B. die Kiefernhöhe, eine ehemalige Hutefläche, „auf der Schafe unter einigen lichten Kiefern weideten“ (Rhein-Sieg-Kreis). Im Wald am östlichen Kraterrand sind noch Kopfbuchenbestände erhalten, in denen ehemals Brennholz und Rebpfähle erzeugt wurden.

Kulturhistorische Bedeutung
Der Rodderberg hat neben seiner oben beschriebenen Bedeutung als Naturschutzgebiet auch einen hohen kulturhistorischen Wert. Bedingt durch die frühe Unterschutzstellung des Rodderberges als Naturschutzgebiet ist in der Kratersenke der Broichhof in repräsentativer Alleinlage erhalten. Spuren anthropogener Nutzung in Form von Steinbrüchen, Hutewald und Kopfbaumbeständen sind persistent und bilden wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten; die landwirtschaftliche Nutzung wurde den naturschutzfachlichen Anforderungen entsprechend angepasst. Insgesamt überliefert der Rodderberg anschaulich seine Nutzungsgeschichte durch den Menschen seit dem 12./13. Jahrhundert.

Hinweis
Das Objekt „Rodderberg“ (u.a. mit der Richtstätte des Amtes Mehlem) ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Rodderberg (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 436).

(Nicole Schmitz, LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit /Abteilung Landschaftliche Kulturpflege, 2016)

Quellen
Informationsblatt zum Broichhof am Eingangstor des Hofes und Informationstafel an der Broichhofkapelle

Internet
www.general-anzeiger-bonn.de: Heinrichsblick (Bonner Generalanzeiger vom 17.07.2007, abgerufen am 18.08.2016)
www.naturschutz.rlp.de: NSG Rodderberg (PDF, 53 kB, abgerufen 29.01.2018)

Literatur

Bartels, Gerhard (1998)
Rodderberg und Siebengebirge. Vulkanismus und Naturschutz. In: Arbeiten zur rheinischen Landeskunde. Heft 66. Die Stadt Bonn und ihr Umland. Ein geographischer Exkursionsführer, S. 133-150. Bonn.
Kremer, Bruno P. (1989)
Das Drachenfelser Ländchen. Natur und Landschaft im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. (Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 1989.) S. 88-93. o. O.
Kremer, Bruno P. (1981)
Der Rodderberg. Bedeutung und Erhaltung eines rheinischen Naturschutzgebietes. In: Rheinische Heimatpflege 1/81, S. 32-38. Köln.
Rhein-Sieg-Kreis (o.J.)
Der Rodderberg. Unsere Naturschutzgebiete im Rhein-Sieg-Kreis Nr. 1. Natur beobachten.. o. O. Online verfügbar: Rhein-Sieg-Kreis, abgerufen am 18.08.2016
Schaefer, Manfred (2015)
Der Broichhof auf dem Rodderberg. Wachtberg-Niederbachem. Online verfügbar: Gut Broichhof, abgerufen am 18.08.2016

Vulkan Rodderberg

Schlagwörter
Ort
Bonn, Remagen und Wachtberg
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn -1800000
Koordinate WGS84
50° 38′ 39,5″ N, 7° 11′ 36,71″ O / 50.64431°, 7.19353°
Koordinate UTM
32U 372278.15 5611828.64
Koordinate Gauss/Krüger
2584464.47 5612757.9

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„Vulkan Rodderberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-252695 (Abgerufen: 28. Mai 2018)
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