Fähre „Marienburg“ in Pünderich

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Pünderich
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
In Pünderich setzt eine der wenigen Moselfähren über. Die Fähre verbindet Pünderich mit dem linken Moselufer. Es kostet lediglich wenige Euro, mit der Fähre dorthin überzusetzen. Jedoch ist die Fähre nicht ganzjährig in Betrieb. In den Wintermonaten beispielsweise müssen die Bewohner Pünderichs auf Alternativen neben der Fähre zurückgreifen. Die Fahrtzeiten sind der offiziellen Webseite zu entnehmen.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein existierten an der Mosel nur zwei Brücken aus Stein. Das waren die Balduinbrücke in Koblenz sowie die alte Römerbrücke in Trier. Somit mussten sich die Moselbewohner lange Zeit anders behelfen. Um den Verkehr zwischen den beiden Moselufern gewährleisten zu können, fiel die Wahl dementsprechend auf Fähren. Diese Verkehrsverbindung war insbesondere für Winzer von Interesse, weil sie an das gegenüberliegende Ufer mit den Rebflächen gelangen mussten. Jedes Dorf an der Mosel hatte seine eigene Fähre, wobei der Fährmann damals wie heute „Ferger“ genannt wurde bzw. wird. Dieser musste Tag und Nacht bereit stehen, um die Dorfbewohner und -bewohnerinnen oder auch Tiere über die Mosel zu befördern. Lediglich hohes Wasser und Eisgang hinderten den Ferger manchmal daran, seiner Arbeit nachzugehen. Ein Nachteil, den der Berufsstand des Fergers mit sich brachte: Er musste regelmäßig einen Betrag als Pacht für die Fähre bezahlen, da die Gemeinden finanziell oft nicht in der Lage waren, die Kosten alleine zu stemmen.

Der Moselort Pünderich wurde 1879 mit einer Ponte – so wie Fähren auch genannt wurden – inklusive Fährmast aus widerstandsfähigem Holz ausgestattet. Einige Jahre später aber, nämlich 1896, trennte man sich wieder von der hölzernen Fähre, um eine Eisenponte zu errichten. Früher fuhren die Fähren gemächlich die Mosel hinüber, meist an einem Hochseil befestigt. Mit Hilfe eines Fährmastes wurde das Seil über den Fluss gespannt und konnte nach Bedarf eingestellt werden. Eine original erhalten gebliebene Seilwinde befindet sich noch heute gegenüber der Ablegestelle der Fähre und gilt als Überrest aus damaligen Zeiten. Die Seilwinde war notwendig, um ebendiesen Fährmast zu sichern. Im Jahre 1979 jedoch wurde der Fährmast entfernt.

Heute hingegen sind Fähren ohne Motoren kaum vorstellbar. Nach und nach wurden die Fähren umgerüstet. In Pünderich erhielt die Fähre im Jahre 1974 sogar zwei Motoren. Sie sind aktuell je 55 PS stark. Zu Zeiten des 1. Weltkriegs blieb die Pündericher Fähre unversehrt. Aber im 2. Weltkrieg verzeichnete sie materielle Verluste. Apropos: Am 3. Februar 1940 herrschte ein so starker Eisgang, dass der eiserne Fährmast umgeworfen wurde. Auch das Drahtseil, welches oberhalb der Ponte gespannt wurde, ist auf Grund von treibenden Eisschollen zerrissen worden. Und auch die Fähre selbst wurde durch die große Last des Eisgangs unter den Fährmast gedrückt. Größere Schäden blieben glücklicherweise aus. Fünf Jahre später, 1945, wurde die Fähre durch die Wehrmacht beschlagnahmt, um die gesprengte Brücke nahe Bullays behelfsmäßig ersetzen zu können. Letzten Endes versenkte (und sprengte) man die Fähre einige Wochen später, als die amerikanischen Alliierten näher rückten. Da Pünderich nun keine Fähre mehr besaß, musste sie die Ponten von Briedel und Merl nutzen. Aber im Jahre 1972 wurde Abhilfe geschafft: Die Pündericher kauften eine gebrauchte Fähre im Wert von 11.500 DM und ist seit jeher im Einsatz. Doch ab 1920, so ist es belegt, unterstützte Pünderich den damaligen Fährmann mit einer Summe von 4.000 Mark. Seit 1964 werden Fährmänner für ihre Arbeit von Pünderich entlohnt.
Ein Aushang in der Nähe der Fähre zeigt die sog. „Fährenbetriebsverordnung“ von 1995. Sie erklärt dem Leser/der Leserin u.a. in wenigen prägnanten Sätzen den Begriff „Fähre“ („Ein Wasserfahrzeug, das dem Übersetzverkehr von einem Ufer zum anderen dient […]“), gibt Auskunft über die regelmäßige Betriebskontrolle durch die Fähraufsicht und verweist auf den Fahrplan der Überfahrtszeiten. Des Weiteren erfährt der potenzielle Fahrgast an dieser Tafel die Preise für eine jeweilige Überfahrt ans andere Moselufer.

(Lisa Fertek, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Quelle
Informationstafel vor Ort.
Mündliche Auskunft von Ortsansässigen.
Friesenhahn, Peter (2010): Zell & Zeller Hamm – Eine Reise rund um den Prinzenkopfturm. Ein Film von Peter Friesenhahn.

Internet
www.puenderich.de: Gemeinde Pünderich (abgerufen am 02.11.2015).

Literatur

Busch, Alois; Gilles, Karl-Josef; Schneiders, Winfried / Gemeinde Pünderich (Hrsg.) (2009)
Pünderich, Geschichte eines Moseldorfes. (Ortschroniken des Trierer Landes 51.) S. 224-226, Trier.
Wiechmann, Peter (2006)
Im Mosel-Land. Pünderich und Umgebung in Fotografien von Peter Wiechmann. Saulheim.

Fähre „Marienburg“ in Pünderich

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Am Moselufer
Ort
56862 Pünderich
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1879 bis 1945, Ende nach 1972
Koordinate WGS84
50° 02′ 32,53″ N, 7° 07′ 53,07″ O / 50.04237°, 7.13141°
Koordinate UTM
32U 366205.32 5545014.26
Koordinate Gauss/Krüger
2581088.94 5545735.13

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„Fähre „Marienburg“ in Pünderich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-245693 (Abgerufen: 24. April 2018)
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