Industriestandort Kräwinklerbrücke

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Remscheid
Kreis(e): Remscheid
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Der Industriestandort Kräwinklerbrücke ist heute in der Wuppertalsperre versunken, die Gebäude wurden abgerissen. Aus insgesamt neun Eisenreckhämmern entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Tuchfabrikation.

Eisenhämmer in Kräwinklerbrücke
Der Schuster Caspar Clarenbach sowie sein Sohn Peter nutzten 1690 die verkehrsgünstige Lage in Kräwinklerbrücke nahe der Handelsstraße aus und errichteten einen Eisenhammer an der Wupper. Ab 1714 folgten die Konzessionen für zwei Reckhämmer, weitere Konzessionen wurden erteilt am 07.12.1726 (zwei Reckhämmer), am 20.05.1727 (zwei mit Steinkohlen betriebene Hämmer an der Kräwinklerbrücke), am 25.08.1727 (ein einfacher Reckhammer), am 01.09.1729 (ein Reckhammer) sowie am 12.07.1733 (ein mit Steinkohlen betriebener Reckhammer).
Gegen Anfang des 18. Jahrhunderts bestand die Anlage Kräwinklerbrücke aus insgesamt neun Reckhämmern, die sich um einen gemeinsamen Hammerteich in sechs Gebäuden gruppierten. Eine der ersten und größten Wasserkraftanlagen an der Wupper war entstanden.

Tuchfabrik J.W. Lausberg Söhne
Im Jahr 1795 kaufte Johann Peter Lausberg zwei der insgesamt neun Eisenhämmer in Kräwinklerbrücke, die restlichen Hämmer gehörten zunächst den Erben von Johannes Flender. Die beiden Hämmer des Johann Peter Lausberg wurden 1855 zur „Tuchfabrik J.W. Lausberg Söhne“ umgebaut. Der Besitz der Familie Flender wurde dagegen im Laufe der Zeit zur Stahlfabrik „Joh. Friedr. Flender Söhne“ umgebaut und modernisiert. Produziert wurde Stahl für Kutschwagenfedern und Eisenbahnwaggonfedern. Bis ca. 1870 produzierte Flender in Kräwinklerbrücke, gab den Betrieb jedoch aufgrund eines fehlenden Bahnanschlusses an diesem Standort auf. 1870 besaß Johann Wilhelm Lausberg das gesamte Anwesen der ehemaligen neun Eisenhämmer und vergrößerte seine Tuchfabrik. Zwischenzeitlich nutzte Carl Urbach (1880-1898) die drei oberen Eisenhämmer für seine Feilenproduktion. Danach verlegte er die Produktion in das 1897 errichtete Dampfhammerwerk am Bahnhof Kräwinklerbrücke. Seine Firma hieß „Stahlwerk Carl Urbach & Co.“ Am 14. Juni 1899 gründete Johann Wilhelm Lausberg das „Elektrizitätswerk Kräwinklerbrücke AG“, welches ab 1900 die Tuchfabrik, die Brauerei Engelsburg sowie die „Elektrotechnische Fabrik Titan“ in Radvormwald mit Strom versorgte. Um 1970 beendete es seine Stromerzeugung. Lausberg produzierte unter anderem „Lausbergs farbechtes Marinetuch“ und besaß zusätzliche Niederlassungen in New York und Mailand. Mitte der 1920er Jahre gerät das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten und wird um 1925 von Carl Mauer übernommen. Dieser betreibt die Tuchfabrik weiter.
Zwischenzeitlich nutzte Carl Urbach (1880-1898) die drei oberen Eisenhämmer des Johann Wilhelm Lausberg in Kräwinklerbrücke für seine Feilenproduktion. Danach verlegte er seinen Betrieb in das 1897 errichtete Dampfhammerwerk am Bahnhof Kräwinklerbrücke.

Tuchfabrik „Carl Mauer“
Um 1925/1926 übernahm Carl Mauer die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Tuchfabrik J.W. Lausberg Söhne und betrieb diese unter dem Namen „Carl Mauer“ weiter. Er erweiterte diesen Betrieb um eine Kleiderfabrik und verarbeitete somit als einziger Tuchfabrikant in Hückeswagen seine Tuche weiter.

1956/1957 wurden in Kräwinklerbrücke aufgrund des Baus der Wuppertalsperre alle Gebäude abgerissen.

(LVR-Fachbereich Umwelt, 2008)

Literatur

Dominick, Peter (2000)
Chronik der Tuchfabrik der Gebrüder Schnabel (unveröffentlichtes Manuskript). o. O.
Dominick, Peter (1992)
Dampfmaschinen und Dampfhämmer im Wuppertal. In: Geschichte & Heimat. Die Heimat spricht zu Dir, Jg. 59, Nr. 1, o. O.
Nehls, Alfred (1996)
Als in den Tälern die Hämmer dröhnten. Die Geschichte der Eisenindustrie im Oberbergischen Kreis. Wiehl.
Paffrath, Arno (1984)
Die Mühlen- und Fabrikanlagen im Raume Hückeswagen. In: Jahr, Lutz / Stadt Hückeswagen (Hrsg.): 900 Jahre Hückeswagen, S. 131-199. Hückeswagen.
Schaffus, Ingo (1985)
Als die Hämmer verstummten. Der Strukturwandel in der Hückeswagener Industrie im 19. Jahrhundert. In: Heimatjahrbuch für den Oberbergischen Kreis, o. O.
Schaffus, Ingo (1985)
Das Industriegebiet Kräwinklerbrücke. In: Leiw Heukeshoven 24, S. 29-42. o. O.

Industriestandort Kräwinklerbrücke

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Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1690, Ende 1956 bis 1957
Koordinate WGS84
51° 11′ 11,03″ N, 7° 18′ 19,48″ O / 51.1864°, 7.30541°
Koordinate UTM
32U 381572.2 5671918.21
Koordinate Gauss/Krüger
2591310.72 5673193.88

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„Industriestandort Kräwinklerbrücke”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-NF-20080606-0027 (Abgerufen: 20. Oktober 2017)
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