Niedernhausen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Eppstein, Idstein, Niedernhausen, Taunusstein, Wiesbaden
Kreis(e): Main-Taunus-Kreis, Rheingau-Taunus-Kreis, Wiesbaden
Bundesland: Hessen
Die Gemeinde Niedernhausen im Rheingau-Taunus-Kreis besteht seit 1977.
Seit dem Mittelalter war die Gemarkung bis auf das mainzische Oberjosbach nassauisch, ihre Geschichte ist gekennzeichnet durch die Lage zwischen Nassau und Eppstein. Als Oberjosbach 1196 selbständige Pfarrei wurde, gehörten hierzu auch die Dörfer des Seelbacher Grundes. Erst um 1220 installierten die Nassauer in Niederseelbach eine eigene Pfarrei zur Festigung ihres Einflussbereiches. Das alte Kirchspiel Niederseelbach umfasste die Orte des Seelbacher Grundes mit Lenzhahn und der Filiale Dasbach.

Das heutige Gemeindegebiet ist damit nicht ganz deckungsgleich: Lenzhahn fehlt, dafür kam Oberjosbach hinzu.
Zwischen Idstein und Eppstein zogen sich langwierige Grenzstreitigkeiten hin, da sich hier alte Rechte und Ansprüche oft überschnitten. Die Grenze verfestigte sich erst um 1500. Die Siedlung Obernhausen unmittelbar am Grenzgebück zwischen Niedernhausen und Oberjosbach ging vor 1544 unter. Seit 1723 war diese Linie durch Grenzsteine markiert, deren Verlauf - bis zur Bildung des Herzogtums Nassau 1806 - an der westlichen Gemarkungsgrenze nach Oberjosbach heute noch anhand einiger Steine nachvollzogen werden kann.

Durch die Reformation erfolgte eine weitere Trennung zwischen den Bewohnern des Seelbacher Grundes und Oberjosbach. Von 1540 bis 1604 protestantisch, wurde Oberjosbach - bedingt durch die Zugehörigkeit zu Kurmainz seit 1581 - wieder katholisch, während das Kirchspiel Niederseelbach seit 1558 lutherisch blieb.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelte Graf Johannes von Nassau-Idstein Wallonen aus dem Fürstbistum Lüttich in den wüsten Orten Niedernhausen, Königshofen und Engenhahn an, die daraufhin die „welschen Dörfer“„ genannt wurden. Die Neusiedler brachten das Köhlerhandwerk in die Gegend. Es wurde ihnen die Beibehaltung ihres katholischen Glaubens gestattet, jedoch waren sie dem lutherischen Pfarrer unterstellt. 1728 errichtete der Kurfürst Erzbischof Franz von Schönborn erneut die Pfarrei Oberjosbach, die für die Katholiken des Seelbacher Grundes zuständig war. Oberjosbach kam 1806 mit dem Amt Eppstein zum Herzogtum Nassau, 1815 wurde der Pfarrzwang aufgehoben.

Von wirtschaftlicher Bedeutung für die Dörfer des Gebietes waren die im späten 17. Jahrhundert gegründete Eisenschmelze und das Hammerwerk bei Niedernhausen, deren Existenz jedoch - im Gegensatz zu der von Graf Johann von Nassau-Idstein gleichzeitig geförderten Michelbacher Hütte in Aarbergen - nicht von Dauer war. Wichtige Verkehrswege dieser Zeit waren die durch Niedernhausener Gebiet führende Eisenstraße und Kohlenstraße, später abgelöst von der Bahn Frankfurt-Idstein und der Reichsautobahn. Zeitweilig arbeiteten elf Mühlen im Seelbacher Grund, die heute entweder ausgegangen sind oder sich zu Industriebetrieben entwickelten. Dazu gehörten die Queckenmühle, die Harz- oder Hoffmannsmühle, die Neumühle, die Engelsmühle und die 1687 erwähnte Rabenmühle, wo 1879 die erste Zellstoffwatte- und Papierwolle-Fabrik der Welt gegründet wurde. Die Grenze zur Herrschaft Eppstein markierte die Guldenmühle, die das “Eingangstor zum Nassauer Land„“ darstellte.

Quelle: LfD Hessen 2003, S. 427

(Hessisches Landesamt für Denkmalpflege 2009)

Literatur

Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2003)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis II. (Altkreis Untertaunus). Wiesbaden.

Niedernhausen

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1977
Koordinate WGS84
50° 10′ 10,13″ N, 8° 17′ 48,97″ O / 50.16948°, 8.29694°
Koordinate UTM
32U 449791 5557711.24
Koordinate Gauss/Krüger
3449845.85 5559495.01

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„Niedernhausen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-FR-20091030-0001 (Abgerufen: 18. Dezember 2017)
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