Ortsteil Oberjosbach (Niedernhausen)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Niedernhausen
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
Koordinate WGS84 50° 10′ 18,71″ N: 8° 20′ 26,31″ O / 50,17186°N: 8,34064°O
Koordinate UTM 32.452.914,59 m: 5.557.947,72 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.452.970,68 m: 5.559.731,61 m
Der frühe kirchliche Zentralort in Höhenlage wird erstmalig 1196 als Villa Gosbach urkundlich genannt. Anfangs zum Kirchspiel Schlossborn gehörig, erhielt nach Bevölkerungszuwachs im 12. Jahrhundert der mit einem Wehrkirchhof ausgestattete Ort durch den Mainzer Erzbischof Konrad I. 1196 eine eigene Pfarrei, die jedoch nur bis ins 13. Jahrhundert Bestand hatte. Dorf und erste Kirche wurden in der Fehde Nassau-Eppstein um 1280 zerstört, 1321 eine neue Kirche, wiederum als Filiale von Schlossborn, geweiht. Nach dem Tod des letzten Eppsteiners fiel mit dessen Besitzungen Oberjosbach 1535 an die Grafen von Stolberg, die 1544 den Protestantismus einführten. Danach wieder in Mainzer Besitz, kehrte der Ort 1603 zum katholischen Glauben zurück. 1682 folgte der Neubau der im Dreißgjährigen Krieg zerstörten Kirche unter Erzbischof Anselm Franz von Ingelheim. Die Pfarrei wurde 1728 durch Erzbischof Lothar Franz von Schönborn erneuert. 1944 zerstörte eine Brandbombe die Kirche, die kurz darauf in der heutigen Form wiederaufgebaut wurde.

Die Bevölkerung bestand überwiegend aus Bauern, nach dem Zuzug von Wallonen Ende des 17. Jahrhunderts wurde auch Köhlerei betrieben. Karger Boden zwang schon 1730 über die Hälfte der Bauern zu Nebenerwerb. 1700 wurden 25 Haushalte mit etwa 180 Bewohnern, 1866 89 Familien mit 286 Einwohnern gezählt; heute leben über 2.000 Einwohner in Oberjosbach.

1547 wird erstmalig ein Schultheiß erwähnt, ein Lehrer ist seit 1652 bekannt. Schulbauten wurden 1699,1726,1829 und 1910 errichtet. Im Jahr 1700 ist der Bau eines Rat- und Backhauses überliefert. Das um 1730 erbaute alte Pfarrhaus wurde um 1970 abgebrochen. Das Dorf war nach der Überlieferung von einem Graben umgeben, dessen Verlauf sich im Ortsgrundriss abzeichnet. 1648 waren nur noch 13 Häuser vorhanden, 1686 gab es bereits wieder 28 Häuser, 1866 75 Häuser. Die Kapelle von 1904 bezeichnete den Dorfeingang nach der westlichen Ortserweiterung des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig mit dem Neubau des Rat-und Backhauses (wahrscheinlich anstelle des alten) wurde 1920 die Hauptstraße gepflastert, vor dem Rathaus stand einer der regionaltypischen Gemeindebrunnen aus Gusseisen.

Die Ortsmitte hat in einigen Bereichen noch die alte, verdichtete Siedlungsstruktur bewahrt, zeigt aber auch durch Abbruch entstandene Lücken mit großflächiger Auflösung des Straßenraumes (Nordseite Limburger Straße). Kirche, Pfarrhaus und ehemalige Schule bilden eine erhöht gelegen Baugruppe. Von der alten Schule wird 1789 berichtet: „das Schulhaus, das der Gemeinde gehöre, sei gar schlecht beschaffen, es seien alle Fenster ... ganz zerfallen, das Zimmer sei sehr schlecht, desgleichen Ofen und Rauchfang ...“. Aus einer Beschreibung vom Anfang des 19. Jahrhunderts: „(das Schulhaus ist) ... zweistöckig erbaut, im unteren Stock ist die Wohnung nebst der Küche und einem Stall. Im zweiten Stock ist die Wohnung des Lehrers“. Die Schule stand am Kirchhof. Das heute noch bei der Kirche vorhandene Schulgebäude (jetzt Kindergarten) von 1910 mit kleinem Dachreiter zeigt moderne Veränderungen.

(Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 2009)

Literatur

Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2003)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis II. (Altkreis Untertaunus). Wiesbaden.

Ortsteil Oberjosbach (Niedernhausen)

Schlagwörter
Ort
65527 Niedernhausen - Oberjosbach
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1196

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„Ortsteil Oberjosbach (Niedernhausen)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-FR-20091030-0006 (Abgerufen: 2. August 2021)
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