Rauenthal

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Eltville am Rhein, Schlangenbad, Wiesbaden
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis, Wiesbaden
Bundesland: Hessen
Historische Siedlungsentwicklung
In Höhenlage oberhalb des tief eingeschnittenen Walluftales entstand das Dorf an einem altem Fernweg, dem noch 1668 genannten gemeynen weg von der Überhöhe zum Rhein. Die Stelle soll als Rastplatz nach der Rheinüberquerung gedient haben; hier stand eine alte, dem heiligen Antonius geweihte Wegekapelle. Die Ortsgründung erfolgte von Eltville aus. Die Siedlung war den dort ansässigen Mainzer Stiften St. Peter und St.Viktor zehntpflichtig; manches spricht für eine Entstehung Rauenthals vor Gründung des Viktorstifts Ende des 10. Jahrhunderts. Der Ortsname erscheint erstmalig 1211 in einem Güterverzeichnis des Klosters Eberbach als Ruendal, im 14. Jahrhundert als Rauwendal. 1274 wird das Dorf als Mainzer Besitz, erworben von den Rittern von Scharfenstein, erwähnt. Zwischen 1225 und 1235 erhielt es seine Selbstverwaltung mit eigenem Schultheiß.

Kirchlich war Rauenthal zunächst zu Eltville gehörig. Die erste, 1314 erwähnte Kapelle wurde wenig später durch Brand vernichtet. Ein 1339 vollendeter Neubau fiel vor 1459 wiederum einem Brand zum Opfer. 1361 trennte sich die Kapelle Rauenthal mit eigener Pfarrei von Eltville. Im 15. Jahrhundert folgten die Errichtung der gotischen Kirche und der Michaelskapelle mit Beinhaus anstelle der alten Antoniuskapelle.

Trotz schwieriger Bedingungen für die Landwirtschaft aufgrund von Topographie, Klima und Bodenverhältnissen mehrte sich die Wohnbevölkerung durch Zuzug jenseits der Walluf  und der Gebückgrenze ansässiger Bewohner nach Martinsthal und Rauenthal zur Wahrung ihrer überkommenen Freiheiten auf Rheingauer Territorium. Rauenthal war Sitz einer Linie der in Kiedrich ansässigen Ritter von Scharfenstein.

Ein gewisser Wohlstand erwuchs aus dem Durchgangsverkehr und dem hier ansässigen Weinbau mit seinen Weinmärkten. Als ältester Weinberg wird der durch eine günstige Lage ausgezeichnete Rotenberg 1211 genannt; sein Name dürfte sich von der Rodung für den Weinbau herleiten. Der Siedlungsname Rauenthal spricht möglicherweise auf die Urbarmachung des „rauhen“ Gebietes an.

Eine Schule bestand schon vor 1600 und war zeitweilig in der früheren Michaelskapelle untergebracht.

1525 zählte man 131 Herdstellen. Härten brachten der Bauernkrieg und der Dreißigjährigen Krieg. 1558 wurden Kirche und Dorf durch Brand weitgehend vernichtet, 1616 zerstörte ein Feuer 36 Herdstellen. 1950 war die Einwohnerzahl auf etwa 1350 angewachsen, 1992 lag sie bei 1900.

Aus dem ehemaligen Dorf der Weinbergsarbeiter wurde eine Wohngemeinde, viele der früher zahlreichen kleinen Weingütern verschwanden im 19. Jahrhundert. Ein Großteil der Weinbergsfläche ging in Staatsbesitz über und wird heute vom Hessischen Staatsweingut bewirtschaftet.

Kloster Tiefenthal
Die Anfänge des möglicherweise durch Prämonstratenser-Nonnen des Klosters Rode gegründeten Frauenklosters sind unklar. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich um 1150-1163. Zwischen 1237 und 1242 traten die Nonnen, nun Benediktinerinnen, zum Zisterzienserorden über. Nach Schenkung des Klosters an den Konvent durch den Mainzer Erzbischof 1242 kam es zu einem Neu- oder Ausbau des damals Elisabethental genannten, der Abtei Eberbach unterstellten Kloster. Dieses war, vermutlich aus einem Vermächtnis der Deutschordensritter, in den Besitz des Bußkleides der hl. Elisabeth gelangt. Reiche Schenkungen mehrten besonders im 13. Jahrhundert den Besitz, der jedoch durch die folgenden Jahrhunderte nicht erhalten werden konnte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erlebte das Kloster einen Niedergang. Für 1650/51 sind noch 14 Mitglieder einschließlich Äbtissin überliefert; bis zur Auflösung 1803 konnte keine entscheidende wirtschaftliche Verbesserung mehr erzielt werden.

Der Klosterbesitz wurde von der Nassauischen Domäne übernommen und ging dann in wechselnden Privatbesitz über, das Kleid der hl. Elisabeth wurde in die Pfarrkirche Oberwalluf überführt. Um 1825 ? wurden die Klostergebäude weitgehend abgerissen. Eine der Mühlen wurde 1840 zu einer Papierfabrik ausgebaut, eine weitere als Getreidemühle mit Bäckerei betrieben. 1871 kaufte der englische Baron Sutton die Reste des Klosters; nach einigen Besitzwechseln gelangte es 1882 an Anna Maria Grainger und deren Tochter Philomena aus Irland, die es zum Landsitz ausbauten. Schließlich gründeten die Armen Dienstmägde Christi hier eine Niederlassung. Die Dernbacher Schwestern verblieben, mit Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg, in dem die Gebäude wiederum völlig zerstört wurden, bis heute in dem 1946-50 neu aufgebauten Kloster.

Historisches Ortsbild
Der Siedlungskern von Rauenthal ist möglicherweise im mittleren Bereich der ehemalige Landstraße, des Gemeinen Weges (Hauptstraße) westlich der Kirche mit dem früheren Wehrkirchhof zu suchen. Hier zeigt der Katasterplan von 1874 noch eine geschlossene, langovale, straßendorfartige Struktur mit dichtgedrängten, schmalen Parzellen an der Westseite, durchgängigem Bebauungsrand und vorgelagerter Gartenzone. Von dort dehnte sich die Siedlung zunächst nach Norden, Süden und Osten aus, die Ortsmitte verschob sich zum Kirchplatz mit dem Rathaus. Die alte Bezeichnung Portengasse für den nördlichen Teil der Hauptstraße deutet auf die Existenz einer früheren Pforte (im Gebück ?) hin. Martinsthaler (Eltviller Straße ?), südliche Haupt- und Weinbergstraße hießen Untere und Obere Hauptstraße, die Antoniusgasse Kirchgasse; hinzu kommt die jüngere, geradlinig und breiter angelegte Neugasse; damit ist die überkommene Struktur des Ortskernes bezeichnet, um den sich überwiegend talwärts Neubaugebiete angesiedelt haben.

Literatur

Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2013)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis I. (Altkreis Rheingau). Wiesbaden.

Rauenthal

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1211
Koordinate WGS84
50° 03′ 55,2″ N, 8° 06′ 6,85″ O / 50.06533°, 8.1019°
Koordinate UTM
32U 435723.77 5546281.05
Koordinate Gauss/Krüger
3435773.11 5548060.2

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„Rauenthal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-CU-20091102-0006 (Abgerufen: 17. August 2017)
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