Rhein-Herne-Kanal

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bottrop, Castrop-Rauxel, Datteln, Duisburg, Essen (Nordrhein-Westfalen), Gelsenkirchen, Herne, Oberhausen (Nordrhein-Westfalen), Waltrop
Kreis(e): Bottrop, Duisburg, Essen (Nordrhein-Westfalen), Gelsenkirchen, Herne, Oberhausen (Nordrhein-Westfalen), Recklinghausen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Blick vom Gasometer Oberhausen in Richtung Osten auf den Rhein-Herne-Kanal (2009).

    Blick vom Gasometer Oberhausen in Richtung Osten auf den Rhein-Herne-Kanal (2009).

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Der Rhein-Herne-Kanal ist der jüngste Kanal des Ruhrgebiets und stellt die Verbindung des östlichen Ruhrgebiets mit dem Rhein und der Nordsee her. Bei Waltrop erhält er Anschluss an den Dortmund-Ems- und den Datteln-Hamm-Kanal.

Historie
Erste Überlegungen gehen auf das Jahr 1853 zurück, konkretere Planungen erfolgten 1883, aber die Eröffnung fand erst 1911 nach acht Jahren Bauzeit statt. Die Kanäle sollten eine Entlastung und vollwertige Ergänzung des Eisenbahnnetzes werden, durch die verzögerte Fertigstellung, die im Wesentlichen mit zahlreichen Widerständen gegen die Projekte zu erklären ist, kam es dazu aber erst sehr spät.
Durch den Verlauf des Kanals durch die damalige bergbauliche Kernzone, die Emscherzone, wurde er zu einem zentralen Kohlentransportweg. Mit 5 Schleusen muss bis heute auf seiner Länge ein Höhenunterschied von 35 Metern überwunden werden. Das herausragende Bauwerk in dieser Reihe ist das Schiffshebewerk in Waltrop-Henrichenburg (Bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Hebewerk Henrichenburg, Wesel-Datteln-Kanal). Die Wasserstandsregulierung erfolgt aufwändig über Pumpen.
Der Rhein-Herne-Kanal verläuft auf einer Strecke von 45 Kilometern nahezu parallel zur Emscher, und nutzt somit die für einen Schifffahrtsweg günstige Topografie des Emschertals. Die Emscher selbst war für den großgewerblichen Schiffsverkehr nicht geeignet; entsprechende Versuche der Schiffbarmachung sind im 18./19. Jahrhundert gescheitert. Durch die Eröffnung des Rhein-Herne-Kanals entwickelte sich der Dortmunder Hafen zum größten europäischen Kanalhafens (Anschluss über den Dortmund-Ems-Kanal von 1899).

Der Kanal wurde von den Menschen, die in seinem Umfeld lebten, bald auch als Freizeitparadies und Urlaubsziel genutzt. Die Bezeichnung „Riviera des Kumpels“ deutet darauf hin. Für die Kumpel war die echte Riviera unerschwinglich, daher breitete man die Decke am Kanal aus. Der Rhein-Herne-Kanal ist auch heute noch auch ein Naherholungsgebiet mit dem typisch herben Charme des Ruhrgebiets.

Heutige Bedeutung
Heute ist der Rhein-Herne-Kanal ein wichtiger „Industriekanal“. Er war und ist Standortfaktor für viele Betriebe der Montanindustrie, deren Werkshäfen den Kanal in enger Abfolge begleiten. Durch den Strukturwandel treten heute aber auch die Freiraumqualitäten des Kanals stärker in den Vordergrund (BOLDT & GELHAR 2008: 74f.). Zahlreiche Brücken, die in den letzten Jahren zunehmend als Kunstobjekte den Raum gestalten, queren den Kanal (zum Beispiel die Rehberger Brücke am Schlosspark in Oberhausen).

Kulturhistorische Bedeutung
Der Rhein-Herne-Kanal ist ein herausragendes Bauwerk aus dem Bereich der Verkehrsinfrastruktur. Er ist zeugnisgebend für den Ausbau des Schifffahrtskanalsystems im Ruhrgebiet zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die zahlreichen begleitenden Funktionsbauten (Brücken, Häfen, Schleusen, Industrieanlagen) vermitteln einen Eindruck von den technischen Herausforderungen im Kanalbau, von der Bedeutung des Kanals als Transportweg und Standortfaktor der Industrie. Die persistente Funktion ermöglicht die Ablesbarkeit von Zusammenhängen und Abläufen. Dominant ist die linienhafte Struktur, deren trennende Wirkung in Nord-Süd-Richtung an zahlreichen Stellen durch landschaftsprägende Brücken aufgelöst wird, die gleichzeitig einen guten Überblick über den Kanal ermöglichen (Sichtbeziehungen). Die lineare Wirkung und Dominanz des Elements Wasser wird verstärkt durch die von Oberhausen ostwärts in weiten Teilen parallele Führung des Emscherkanals.

(LVR-Fachbereich Umwelt, 2010; Martina Gelhar, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2013)

Internet
Route der Industriekultur: Rhein-Herne-Kanal (abgerufen: 13.03.2013)

Literatur

Boldt, Kai-William; Gelhar, Martina (2009)
Schlagadern des Reviers: Eisenbahnen und Wasserstraßen. In: Prossek, Achim u.a.: Atlas der Metropole Ruhr, S. 72-75. Essen.
Boldt, Kai-William; Gelhar, Martina (2008)
Das Ruhrgebiet - Landschaft, Industrie, Kultur. Darmstadt.

Rhein-Herne-Kanal

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1883 bis 1911
Koordinate WGS84
51° 31′ 39,46″ N, 7° 03′ 12,12″ O / 51.52763°, 7.05337°
Koordinate UTM
32U 364966.36 5710298.02
Koordinate Gauss/Krüger
2573144.08 5710872.91

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„Rhein-Herne-Kanal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-NF-20100422-0001 (Abgerufen: 19. November 2017)
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