Agrippa-Straße

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Blankenheim (Nordrhein-Westfalen), Brühl (Nordrhein-Westfalen), Dahlem (Nordrhein-Westfalen), Erftstadt, Hürth, Kall, Köln, Mechernich, Nettersheim, Zülpich
Kreis(e): Euskirchen, Köln, Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Von Bäumen begrenzte Agrippa-Straße zwischen Erftstadt und Zülpich (2009)

    Von Bäumen begrenzte Agrippa-Straße zwischen Erftstadt und Zülpich (2009)

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  • Das Luftbild zeigt die römische Agrippa-Straße zwischen dem Urfttal im Hintergrund und nördlich der Görresburg (nicht im Bild) bei Nettersheim. Die römische Straße ist an dem hellen Band in der Mitte des Bildes zu erkennen (Aufnahme 2010).

    Das Luftbild zeigt die römische Agrippa-Straße zwischen dem Urfttal im Hintergrund und nördlich der Görresburg (nicht im Bild) bei Nettersheim. Die römische Straße ist an dem hellen Band in der Mitte des Bildes zu erkennen (Aufnahme 2010).

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  • Ausschnitt aus der "Tabula Peutingeriana" mit dem Raum zwischen Köln, Koblenz und Trier.

    Ausschnitt aus der "Tabula Peutingeriana" mit dem Raum zwischen Köln, Koblenz und Trier.

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  • Hohlweg an einer kleinen Steigung am Hexenberg bei Erp (2009)

    Hohlweg an einer kleinen Steigung am Hexenberg bei Erp (2009)

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Die „Agrippa-Straße“ von Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) nach Trier (Augusta Treverorum) war Teil einer der wichtigsten römischen Nord-Südverbindungen nördlich der Alpen. Durch ihren Verlauf über Lyon, das Rhônetal und Arles verband sie nicht nur die Provinz Niedergermanien mit dem Mittelmeerraum, sondern war auch, da man über sie die Alpen im Westen und Süden umgehen konnte, eine ganzjährig befahrbare Verbindung in das Mutterland. Ihren heutigen Kunstnamen erhielt sie nach Marcus Vipsanius Agrippa, der 39/38 und 20/19 v. Chr. Stadthalter von Lyon war und von dort aus den Ausbau der römischen Fernstraßen in die nördlichen Provinzen vorantrieb.

Der nordrhein-westfälische Abschnitt der Straße verläuft von Köln aus zunächst schurgerade über das Vorgebirge und die Lößebene bis Zülpich (Tolbiacum). Dort knickt sie leicht nach Süden ab und führt weiterhin gerade bis zum Erreichen der ersten Ausläufer der Eifel. Im Bergland konnte die gerade Trassenführung nicht immer durchgehalten werden und musste dem Gelände angepasst werden. Zudem teilt sie sich in mehrere Trassen auf. Eine davon führt nach Marmagen, die andere zum Matronenheiligtum bei Nettersheim. Solche Verästelungen sind vielfach auch bei schwierigen Passagen, wie z.B. der Querung des Urfttales zu beobachten. Südlich von Nettersheim vereinigen sich die Trassen wieder. Hier stoßen auch zwei aus dem Rheintal von Wesseling und Bonn kommende Straßen dazu, die dann in einem Strang bei Dahlem die Landesgrenze überschreiten und weiter nach Jünkerath (Icorigium) führen.

Hinsichtlich ihres Ausbaus darf man sich die römischen Fernstraßen keineswegs wie die mit Steinplatten gepflasterte Via Appia vorstellen, vielmehr gleichen sie gut ausgebauten Feldwegen unserer Tage mit einem Fahrdamm aus Kies und begleitenden Gräben.

Die Agrippa-Straße wird über weite Stecken noch heute „genutzt“ und liegt unter bestehenden Verkehrswegen, wie z.B. im Fall der Luxemburger Straße, der heutigen Bundesstraße B 265, zwischen Köln und Hürth oder als Feldweg zwischen Erftstadt und Zülpich. An anderen Stellen wurde sie aufgegeben und ist von Ackerböden oder Wald bedeckt. Dort ist sie im Gelände nur mehr als Einschnitt oder Wall sichtbar. Gelegentlich wird auch der Verpflügte Kiesdamm im Luftbildbefund sichtbar. Neben der Eifelwasserleitung belegen Trassen mehrerer römischer Straßen im Gebiet zwischen Mechernich und Nettersheim das umfangreiche technische Wissen der Römer. Durch Luftbilder konnte ein Großteil der Straßenverläufe nachgewiesen werden, wobei ein Abschnitt der Überlandstraße von Neuss/Köln nach Trier zu den wichtigsten zählt.
Die Massierung von Kultplätzen setzt eine dichte Besiedlung dieser Gegend voraus. Zum einen weisen die Organisationsformen der Trägerschaften, zum anderen die Befunde innerhalb der Heiligtümer darauf hin, dass die Gläubigen aus der näheren Umgebung stammten. Aus diesem Grund ist in den angesprochenen Gebieten mit einer deutlich größeren Anzahl von Siedlungsstellen zu rechnen, als bislang nachgewiesen. Darüber hinaus muss im Gebiet von Nettersheim und Marmagen mit einer ausgedehnten römischen Siedlungskonzentration gerechnet werden, da hier ein vicus Marcomagus durch eine Inschrift sowie durch einen Eintrag auf der Tabula Peutingeriana, einem antiken Straßenverzeichnis, nachgewiesen ist.

Es ist davon auszugehen, dass sich neben der Straße auch Reste der sie begleitenden Infrastruktur, wie Raststationen, Kontrollposten oder auch Bestattungen im Untergrund erhalten haben. Zahlreiche Teilabschnitte der Straße wurden in die Liste der ortsfesten Bodendenkmäler eingetragen.

(Cornelius Ulbert, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2010)

Agrippa-Straße

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archäologische Prospektion, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn -39 bis -19
Koordinate WGS84
50° 47′ 56,62″ N, 6° 47′ 40,65″ O / 50.79906°, 6.79463°
Koordinate UTM
32U 344590.01 5629798.27
Koordinate Gauss/Krüger
2556064.83 5629594.01

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„Agrippa-Straße”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-CU-20100611-0001 (Abgerufen: 26. Juli 2017)
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