Abschnitt der Agrippastraße bei Dottel

Via Agrippa

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Kall, Mechernich
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 32′ 46,38″ N: 6° 36′ 10,47″ O 50,54622°N: 6,60291°O
Koordinate UTM 32.330.171,22 m: 5.602.108,34 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.542.778,17 m: 5.601.340,04 m
  • Kall-Dottel (2022). Blick auf den Feldweg im Verlauf der „Agrippastraße“ gegen Süden

    Kall-Dottel (2022). Blick auf den Feldweg im Verlauf der „Agrippastraße“ gegen Süden

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  • Kall-Dottel (2022). Blick auf die „Agrippastraße“ gegen Norden

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  • Kall-Dottel (2022). Blick auf den Feldweg im Verlauf der „Agrippastraße“ gegen Süden

    Kall-Dottel (2022). Blick auf den Feldweg im Verlauf der „Agrippastraße“ gegen Süden

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Die Agrippastraße als Teil des römischen Straßennetzes
Die gut ausgebauten römischen Staatsstraßen, die viae publicae, waren die Lebensadern des Imperium Romanum. Das überregionale Straßennetz verband die zentralen Punkte des Reiches miteinander. Über die Straßen florierte der Handel, durch sie funktionierte die Verwaltung, die das riesige Reich zusammenhielt. Denn nicht nur Depeschen konnten so mittels eines Kuriersystems in großer Geschwindigkeit transportiert werden, auch Beamte und Militärs gelangten über die römischen Fernstraßen schnell von Ort zu Ort.
Noch heute finden sich im Rheinland Straßen der Römer. Ihr Verlauf ist sogar häufig noch obertägig sichtbar, da unsere Straßen und Wege oft den antiken Routen folgen – und das nicht nur in Städten, sondern auch über Land. So verläuft ein Feldweg an der Gemeindegrenze zwischen Kall und Mechernich noch heute schnurgerade auf einem Teilstück der sogenannten Agrippastraße. Diese bedeutende römische Fernstraße verband den Nordwesten des Römischen Reiches mit dem Mittelmeer. Sie verlief von Köln, der Provinzhauptstadt Niedergermaniens, über Trier und Lyon bis Marseille. Diese Route sicherte zudem eine ganzjährig befahrbare Verbindung in das italienische Mutterland, da man über sie die Alpen im Westen und Süden umgehen konnte. Ihren heutigen Kunstnamen erhielt sie nach Marcus Vipsanius Agrippa, der 39/38 und 20/19 v. Chr. Stadthalter von Lyon war und von dort aus den Ausbau der römischen Fernstraßen in die nördlichen Provinzen vorantrieb.

Die Bauweise römischer Straßen
Beim Bau der Kunststraße wurde zwar ein möglichst gradliniger Verlauf angestrebt, im Bergland ließ sich aber die gerade Trassenführung nicht immer durchhalten und musste dem Gelände angepasst werden. Für die Agrippastraße gilt dieses etwa bei der Querung des Urfttales nahe Nettersheim oder für ihren Verlauf auf einer Kammlinie im heutigen Forst bei Dahlem. Der Straßenkörper selbst gleicht gut ausgebauten Feldwegen unserer Tage. Der circa sechs Meter breite, leicht gewölbte Straßendamm besaß eine feste Steinstickung im Untergrund, über die sich eine wassergebundene Kiesdecke mit einer vergleichsweise dünnen Verschleißschicht legte. Auf beiden Seiten begleiteten für gewöhnlich Sommerwege und Entwässerungsgräben den Straßendamm. So konnte die Trasse eine Breite von 25 Metern und mehr erreichen. Pflasterungen mit Steinplatten sind nur aus stadtnahen Abschnitten bekannt. Im Umfeld der Straße sind an bestimmten Stellen Reste der sie begleitenden Infrastruktur erhalten, wie Raststationen, Kontrollposten oder auch Bestattungen, die zu nahe gelegenen Gutshöfen (villae rusticae) gehörten.

Die moderne Erforschung römischer Straßen
Die Erforschung römischer Straßen hat eine jahrhundertealte Tradition. Reste römischer Straßenkörper haben sich auch heute noch unter modernen Straßen und Wegen erhalten und werden im Zuge von Baumaßnahmen aufgedeckt und archäologisch untersucht. Von heute nicht mehr in Nutzung befindlichen Straßenabschnitten können sich unter Wald Fahrdämme, Straßengräben sowie an Hängen ausgebaute Serpentinen erhalten haben. Diese Strukturen können durch moderne Fernerkundungsmethoden in digitalen Geländemodellen sichtbar gemacht werden.
Auf Ackerflächen ist der römische Straßenkörper mitunter völlig eingeebnet und nicht mehr obertägig zu erkennen. Hier ermöglichen geophysikalische Methoden oder die Auswertung von Luftbildern, den genauen Verlauf der Trasse sowie die Lage von angrenzenden Gebäuden und Einrichtungen zu ermitteln. In Luftbildern machen sich archäologische Relikte im Untergrund durch unterschiedliche Bewuchshöhen oder Reifegrade der angebauten Frucht etwa auf Äckern oder als Trocken- bzw. Feuchtmerkmale des Bodens bemerkbar. Zu heute regelhaft in der rheinischen Archäologie angewendeten geophysikalischen Methoden zählen die Magnetometerprospektion und das Bodenradar. Das Messprinzip der Magnetik basiert auf örtlichen Abweichungen in der Magnetisierung des Bodens. Nahezu überall im Boden gibt es magnetische Partikel und Minerale. Durch Veränderungen im Boden, wie z.B. Verlagerung oder Hitzeeinwirkung, können die Ausrichtung und Magnetisierung dieser Partikel beeinflusst werden. Es bildet sich ein lokales Magnetfeld aus, welches von dem der Erde abweicht. So können auch menschliche Eingriffe, wie Gruben, Gräben oder Mauern, zu einer Veränderung des lokalen Magnetfelds führen, welche mit einem Magnetometer als sogenannte Anomalien messbar sind.
Beim Bodenradar schickt ein Sender elektromagnetische Wellen in den Boden. Elektrische Eigenschaften des Bodens haben Einfluss darauf, wie weit die Wellen in den Boden eindringen und wann sie wie stark reflektiert werden, um vom Empfänger des Messgeräts registriert zu werden. Aus der Laufzeit der Wellen lässt sich die Tiefe der Objekte oder Bodenschichten ermitteln, an denen die Welle reflektiert wurde. Mit dem Bodenradar lassen sich folglich dreidimensionale Einblicke in den Untergrund erzielen, ohne auszugraben.

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2022)

Hinweis
Die Agrippastraße im Abschnitt Kall-Dottel war Station der Archäologietour Nordeifel 2022.

Internet
de.wikipedia.org: Erlebnisraum Römerstraße Köln–Trier (Abgerufen 28.8.2022)
www.erlebnisraum-roemerstrasse.de: VIA Erlebnisraum Römerstraße (Abgerufen 28.8.2022)
bodendenkmalpflege.lvr.de: Archäologietour Nordeifel 2022 (Abgerufen 28.8.2022)

Literatur

Horn, Heinz Günter (2014)
Mit den Römern unterwegs: Agrippastraße. Von Köln bis Dahlem in 4 Etappen. Köln.
Horn, Heinz Günter (2011)
Agrippastraße Köln-Trier: Teilstrecke Nettersheim. Von Serpentinen, Tempeln und Wachstationen. Köln.

Abschnitt der Agrippastraße bei Dottel

Schlagwörter
Ort
53925 Kall - Dottel
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation
Historischer Zeitraum
Beginn -39 bis -19

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Abschnitt der Agrippastraße bei Dottel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-344000 (Abgerufen: 12. Juni 2024)
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