Prätorium Köln

Praetorium, Palast und Amtssitz des Provinzstatthalters der Germania inferior

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Büste mit dem Porträt von Iulia Agrippina der Jüngeren (um 15/16-59 n. Chr.), die als Gründerin der römischen Stadt Köln gilt, der "Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA)" (Kopie in der Ausstellung des APX Xanten, 2013)

    Büste mit dem Porträt von Iulia Agrippina der Jüngeren (um 15/16-59 n. Chr.), die als Gründerin der römischen Stadt Köln gilt, der "Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA)" (Kopie in der Ausstellung des APX Xanten, 2013)

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    Franz-Josef Knöchel
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  • Ausschnitt aus der "Tabula Peutingeriana" mit dem Raum zwischen Xanten, Köln, Bonn und Neuss.

    Ausschnitt aus der "Tabula Peutingeriana" mit dem Raum zwischen Xanten, Köln, Bonn und Neuss.

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Einordnung
Das Kölner Prätorium ist eines der größten Bauwerke innerhalb der römischen Stadt. Seit seiner Errichtung in der Frühzeit der Siedlung ist es mit einer langen Portikus als repräsentatives Gebäude ausgestaltet worden. Als Sitz des Statthalters (des Stellvertreters des Kaisers in einer Provinz) wird es das Verwaltungszentrum der Provinz Niedergermaniens, die in den ersten Regierungsjahren des Kaisers Domitian (81-96 n. Chr.) eingerichtet wurde. Es behält seine herausragende Funktion als Sitz des jeweiligen Statthalters, Kaisers oder Königs bis in das 5. Jahrhundert hinein.
Besondere Bedeutung kommt dem Bau außerdem zu, weil nur wenige Statthalterpaläste des römischen Reiches bekannt bzw. als solche eindeutig identifiziert sind. Das Kölner Prätorium ist hingegen durch seine Architektur, die Funde und die bekannten Inschriften als solches gesichert. Herausgehoben ist es auch durch seine Position am östlichen Stadtrand, wo es oberhalb der Uferböschung thronte. Da es die Stadtmauer deutlich überragte, war es von der rechten Flussseite – dem damaligen barbaricum (das nach römischer Vorstellung von Barbaren bewohnte an das Imperium angrenzende Gebiet) – gut zu sehen und bildete zusammen mit dem gesamten Stadtprospekt (u. a. Stadtmauer, Tempel) ein beeindruckendes Zeugnis römischer Herrschaftsarchitektur.

Erhaltung
1953 wurden bei Ausschachtungsarbeiten für den Wiederaufbau des Rathauses Teile des Prätoriums gefunden. Ausgrabungen fanden 1953, 1956, 1963 und 1967/68 statt. Bei den Ausgrabungen in der sogenannten Archäologischen Zone, die seit dem Jahr 2007 durchgeführt werden, legte man weitere Teile des Prätoriums frei.
Das Prätorium ist vor allem unterirdisch erhalten und zu besichtigen. Ein Teil des Prätoriums wurde unter einer großen Betondecke erhalten, darüber befindet sich das Rathaus der Stadt Köln. Die am Rathausplatz in der archäologischen Zone gefundenen Abschnitte sollen im Zuge der Präsentation des unterirdischen Köln ebenfalls zugänglich gemacht werden.

Beschreibung
Durch die verschiedenen Ausgrabungen konnten beim Prätorium vier Hauptbauphasen festgestellt werden. Die erste liegt in augusteisch-tiberischer Zeit und fand damit noch vor der Erhebung des römischen Kölns zur Kolonie im Jahre 50 n. Chr. statt. Aus dieser Epoche sind vor allem zwei parallel verlaufende Mauern, die zu einer ca. 60 Meter langen Portikus gehörten, und – weiter südlich gelegen – eine Apsis erhalten. Die genaue Funktion der Anlage in dieser Zeit ist nicht geklärt. Sicher ist aber, dass ein so großer, repräsentativer Steinbau eine bedeutende Rolle innerhalb der Siedlung spielte. Im Rahmen der zweiten Bauphase, die besonders intensiv nach der Einrichtung der Provinz Germania Inferior (Niedergermanien) in domitianischer Zeit (81-96 n. Chr.) archäologisch zu fassen ist, wurde der erste Bau deutlich erweitert. Er erfüllte nun ganz offiziell die Funktion des Statthalterpalastes.
In der Zeit um 180 n. Chr. wurden viele Teile des alten Baus niedergelegt und darüber ein Neubau errichtet, der gegenüber seinem Vorgängerbau nochmals vergrößert wurde. In dieser Phase entstand im südlichen Bereich des Prätoriums eine große Halle, die mit einer Apsis nach Osten hin abschließt sowie eine einheitliche Arkadenreihe an der Ostseite des Palastbaus. Dieser Bau diente auch den Kaisern des gallischen Sonderreiches (259-273 n. Chr.) als Kaiserpalast. In der heutigen Ausstellung des Prätoriums sind vor allem Mauern der vierten Bauphase zu sehen. Sie entstanden in der Spätantike aufgrund erneuter Zerstörungen und geänderter Vorstellungen von Repräsentations- und Verwaltungsbauten. 355 n. Chr. belagerten Franken die Stadt und zerstörten sie. Auch das Pätorium wurde offenbar schwer beschädigt. Sein Neubau erfolgte wohl hauptsächlich in den 60er und 70er Jahren des 4. Jahrhunderts n. Chr.
In der Ausstellung ist vor allem ein achteckiger Raum (Oktogon) zu erkennen, der zentral in einem langgestreckten Gebäude errichtet wurde. Nördlich und südlich schließen sich je ein großer Raum (20 x 12,75 Meter) an. Den Abschluss bilden je zwei Apsidenräume. Diesem Gebäude an der Ostseite vorgelagert befand sich eine ca. 90 Meter lange Galerie. Im Süden dieses Gebäudes blieb die aus Bauphase 3 stammende Halle mit abschließender Apsis und Arkadenreihe erhalten und wurde in den Neubau mit einbezogen.

Funde
Im Ausstellungsraum des Prätoriums werden wichtige Funde für die Datierung und Deutung des Baus gezeigt:

Weihaltar des Tarquitius Catalus
Dieser Altar kam bereits 1630 in der Nähe des Rathauses zu Tage. Seine Inschrift berichtet davon, dass Quintus Tarquitius Catulus das Prätorium, das zerfallen war, wiederhergestellt hat. Dieser Altar kann zwar mit keiner Bauperiode des Prätoriums in Verbindung gebracht werden. Bedeutsam ist er aber, da er eine der ganz wenigen überlieferte Inschriften im Römischen Reich trägt, die den Begriff Prätorium im Zusammenhang mit dem zentralen Bau der Provinzverwaltung und Sitz des Statthalters verwendet.

Bauinschrift des Commodus
Die aus sieben Bruchstücken zusammengesetzte und stark ergänzte Inschrift stammt aus der Zeit des römischen Kaisers Commodus (180-192 n. Chr.). Sie berichtet von der Wiederherstellung eines Gebäudes unter dem Statthalter Didius Iulianus. Der Grund für die Erneuerug des Gebäudes war möglicherweise ein Brand (incendium), das Wort ist allerdings kaum erhalten. Da ein Großteil der Bruchstücke unter dem Rathaus gefunden wurde und auch hier der Name Didius Iulianus steht, ist die Inschrift mit einiger Sicherheit auf das Prätorium zu beziehen. Sie passt zeitlich gut zu der in den Ausgrabungen nachgewiesenen dritten Bauphase des Prätoriums.

Ziegel mit Stempel des Didius Iulianus
Bei den Ausgrabungen im Prätorium kamen mehrere Dachziegel zu Tage, die den Stempel des Statthalters Didius Iulianus tragen. Iulianus war in den Jahren von ca. 180-185 n. Chr. Statthalter Niedergermaniens. Sein Stempel auf den Ziegeln bezeugt im Zusammenhang mit der Bauinschrift, dass er den Neubau in den Jahren 184/185 n. Chr. fertigstellte.

(Hannelore Rose / Marianne Tabaczek, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2014, erstellt im Rahmen eines Projektes der Fritz Thyssen Stiftung)

Internet
www.museenkoeln.de: Öffnungszeiten und weitere Informationen (abgerufen 14.04.2014)
www.stadt-koeln.de: Das Prätorium (abgerufen 14.04.2014)
www.koeln.de: Touristische Informationen zum Prätorium (abgerufen 14.04.2014)

Literatur

Precht, Gundolf (1973)
Baugeschichtliche Untersuchungen zum römischen Praetorium in Köln. (Rheinische Ausgrabungen 14.) Köln.
Thomas, Renate / Römisch-Germanisches Museum (Hrsg.) (1999)
Bodendenkmäler in Köln. In: Kölner Jahrbuch 32, S. 924-925 Abb. 9 Beil. 1, Köln.
Wolff, Gerta (2005)
Das Römisch-Germanische Köln. Führer zu Museum und Stadt. S. 180-197 Abb. 234-251, Köln.

Prätorium Köln

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kleine Budengasse 2
Ort
50667 Köln
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archäologische Grabung
Historischer Zeitraum
Beginn 81 bis 85
Koordinate WGS84
50° 56′ 18,86″ N, 6° 57′ 31,27″ O / 50.93857°, 6.95869°
Koordinate UTM
32U 356579.03 5644978
Koordinate Gauss/Krüger
2567429.25 5645250.75

Empfohlene Zitierweise

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„Prätorium Köln”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-90609-20140414-2 (Abgerufen: 17. November 2018)
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