Bundesstraße B 399

Reichsstraße 399

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Düren, Hürtgenwald, Monschau, Roetgen, Simmerath
Kreis(e): Düren, Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Die Reichsstraße 399 war am Vorabend des Ersten Weltkriegs eine wichtige Verbindungsstraße zwischen der Industriestadt Düren, der viehreichen Eifel und der Stadt Monschau. Kurz nach 1900 wurde auf dieser Strecke ein fahrplanmäßiger Omnibusverkehr eingerichtet. Die Buslinie kam jedoch schon 1914 zum Erliegen, als der Bus für militärische Zwecke requiriert wurde.

Die Geschichte der Reichsstraße 399
Die heutige B 399, die eine Länge von circa 45 Kilometer aufweist und von Düren über Hürtgenwald, Simmerath und Monschau bis zur belgischen Grenze führt, war noch im 19. Jahrhundert eine wichtige Verbindung. Sie war die erste große Straße im Monschauer Land, die man als „befestigt“, das heißt mit einer wassergebundenen Decke versehen, bezeichnen kann. Sie wurde zwischen den Jahren 1779 und 1782 erbaut (Mertens 2007). Aller Wahrscheinlichkeit nach folgte sie einem schon seit langer Zeit vorhandenen Karrenweg, der die Gewerbestadt Düren mit ihren reichen Ackerböden mit der wald- und viehreichen Eifel bis nach Montjoie (Monschau) verband. Mit dem Ausbau erhoffte man sich außerdem eine schnellere Anbindung der international agierenden Monschauer Tuchmanufakturen an die Messen und Märkte im Rheintal. Die Kosten für den Ausbau mussten die anliegenden „Ämter“ bezahlen, nicht die Jülicher Landesherren (Mertens 2007, S. 85). Dafür wurden entsprechende Mautstellen (siehe Punkt 3) eingerichtet.

Der Straßenverlauf seit Beginn des 19. Jahrhunderts
Die so genannte „Chaussee“ und spätere Reichsstraße 399 verlief zur Zeit der preußischen Herrschaft (nach dem Wiener Kongress) wesentlich weiter und erschloss auch die Ostkantone, insbesondere den Kreis Malmedy bis zur deutschsprachigen Stadt St. Vith. Ursprünglich querte sie auch das Hochmoorgebiet des Hohen Venns zwischen Kalterherberg und Elsenborn. Mit der Gründung des Truppenübungsplatzes Elsenborn Ende des 19. Jahrhunderts musste eine Umgehungsstraße um den Truppenübungsplatz herum gebaut werden, um in Manöverzeiten die für den Verkehr gesperrte Hauptstrecke umfahren zu können. Eine weitere wichtige Änderung hat sich im Laufe der Zeit zwischen den Orten Vossenack (Gemeinde Hürtgenwald) und Rollesbroich bzw. Lammersdorf (Gemeinde Simmerath) ergeben. Der ursprüngliche Verlauf der Reichsstraße ging von Vossenack aus in direkter südlicher Richtung über das Kalltal nach Rollesbroich. Heute ist dieses Teilstück eine Nebenstrecke (L 160), die Hauptstrecke der B399 führt über den Höhenrücken Langschoss (Jägerhaus) und Lammersdorf nach Simmerath.
Überhaupt war der ursprüngliche Wegeverlauf der „Chaussee“ oder „Kunststraße“, deren Ausbau 1780 begonnen wurde (Schreiber 2002, S. 58) und sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts hinzog, vermutlich sich aber an einer viel älteren, historischen Wegeführung orientierte, geradliniger. Dies ist noch auf den Trachot-Karten aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts zu sehen. Erstaunlicherweise nutzt man dabei weniger den topografischen Verlauf des Geländes aus, z.B. Bachverläufe und Führung entlang der Höhenlinien, was eigentlich bei den damaligen Verkehrsmitteln wie Ochsen- oder Pferdefuhrwerke für eine Erleichterung der Steigungen sprechen würde –, sondern nahm den direkten Weg über Berg und Tal. Dadurch hatte die Straße teilweise Höhensteigungen von über 18%. Eine Erklärung kann darin liegen, dass die Verbindung Düren – Monschau (Montjoie) bereits viel älter ist und schon in der frühen Neuzeit angelegt sein könnte, in einer Zeit, wo die Menschen vor allem zu Fuß oder mit Pferd unterwegs waren und kaum größere Warenmengen über Land transportiert wurden. Hier könnte die schnelle direkte Verbindung eine Rolle gespielt haben und weniger die Erleichterung des Streckenverlaufs für Zugtiere. Beispiele für den ursprünglichen gradlinigen Verlauf ist der Abschnitt zwischen Gey und Großhau über den Geyberg (ein Höhenunterschied von über 110 Höhenmetern auf 750 m Strecke).

Auf der Tranchot-Karte ist allerdings auch zu erkennen, dass es im Steilhang zwei Streckenführungen gab, wahrscheinlich eine für die Hochfahrt und eine für die Abfahrt, damit man sich auf dem engen Hohlwegabschnitt oberhalb des heutigen Forsthauses Hubertushöhe nicht begegnen musste. Im Laufe des 19. Jahrhunderts muss die Straße weiter ausgebaut worden sein, denn auf der preußischen Neuaufnahme von 1891-1912 ist bereits die geänderte Hauptwegeführung im langsam ansteigenden Geybachtal vorhanden, die auch von der heutigen B399 genutzt wird.
Das nächste Steilstück des Straßenverlaufs ist die Überwindung des Kalltals zwischen Vossenack und Rollesbroich. Die heutige Nebenstrecke der B399 entspricht noch in weiten Teilen der ehemaligen Streckenführung. Die Straße weist an einigen Stellen bis zu 14% Steigung auf und ist im Winter nur eingeschränkt befahrbar. Dieser Straßenabschnitt bedeutete in früheren Zeiten vor allem für die Zugtiere eine besondere Belastung. Der Hof Silberscheid südlich des Tales war daher lange Zeit ein Gasthaus, an dem die erschöpften Tiere die Fuhrleute eine kurze Rast einlegen konnten. Ältere Leute erzählen davon, dass es sogar einen „Spanndienst“ zwischen Silberscheid und dem heute nicht mehr existierenden Haus Kallbrück im Tal gegeben haben soll. Die in Kallbrück zusätzlich vor die Wagen gespannten Pferde halfen beim Hochziehen. In Silberscheid wurden sie ausgespannt und liefen dann wieder von alleine das Tal hinab nach Kallbrück, wo sie sicherlich ein „Leckerchen“ erwartete.

Die nächste größere Veränderung in der Straßenführung zwischen der heutigen B399 und der alten Chaussee ist der Abschnitt zwischen Imgenbroich und Monschau. Die alte Reichsstraße führte laut Tranchot-Karte über den kleinen Ort Menzerath das Eschbachtal hinab nach Montjoie (Monschau). 1844 wurde eine zweite Variante gebaut: von Imgenbroich über den Wohnplatz Hargard in Serpentinen hinab ins Tiefenbachtal nach Monschau (Schreiber 2002, S. 58). Heute führt die B399 gemeinsam mit der B258 auf dieser Strecke, umgeht allerdings die Altstadt von Monschau auf der nach dem Ersten Weltkrieg gebauten „Umgehungsstraße“. Die „Eschbachstraße“ hat völlig an Bedeutung verloren.
Hinter Monschau ergibt sich die nächste Veränderung. Kurz hinter „Dreistegen“, dem Mündungsbereich des Perlbachs in die Rur, führte die alte Chaussee steil bergan Richtung Kalterherberg. Der ehemalige Straßenverlauf ist heute nur noch als Wald- und Feldweg, der rechts von der B399 abzweigt, zu erkennen. Als „Alte Straße“ kommt er im nördlichen Teil des Ortes Kalterherberg an. 1833 bis 1844 erfolgte ein Neubau der Straße, jetzt allerdings dem Perlenbach und später dem Römerbach nach Kalterherberg folgend (Schreiber 1999, S. 70). Die Straßenführung verlängerte sich zwar dadurch ein wenig, war allerdings nicht so steil wie der alte Verlauf.

Als Kalterherberg 1885 mit dem Bau der Vennbahn einen eigenen Bahnhof unterhalb des Ortes im Mündungsbereich des Schwarzbachs in die Rur erhielt, musste dieser mit einer eigenen Straße angebunden werden, die 1886 fertiggestellt wurde (Schreiber 1999, S. 72).
Die historische Chaussee führte weiter durch das ganze Dorf in Richtung Elsenborn durch das Hohe Venn (heute „Elsenborner Straße“ in Kalterherberg bis zur belgischen Grenze). Sie blieb auch weiterhin die Hauptverbindung, auch wenn durch den Bau einer „Umgehungsstraße“ während des Ersten Weltkriegs zumindest in Zeiten von Manövern der Abschnitt durch den Truppenübungsplatz Elsenborn gesperrt wurde. Mit dem Versailler Friedensvertrag wurde die frühere Gemeindegrenze zwischen Kalterherberg und Elsenborn Staatsgrenze zu Belgien. 1921 entstand daher im Bereich des „Krummen Astes“ südlich von Kalterherberg eine Grenzstation, direkt an der Grenze des Truppenübungsgplatzes. Heute endet dieser Streckenabschnitt direkt an der belgischen Grenze, die gleichzeitig Grenze des Truppenübungsplatzes Elsenborn ist.

Mautstationen und Personenbeförderung
Um den Ausbau und den Unterhalt von Reichsstraßen finanzieren zu können, wurde in Mautstationen, die in regelmäßigen Entfernungen eingerichtet waren, Wegegeld eingenommen. Dies war an der Reichsstraße 399 ebenfalls der Fall. Zumindest für den Bereich des ehemaligen Kreises Montjoie ist dies aufgearbeitet worden (Mertens 2007, S. 88ff). Die meisten Mautstationen werden Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal in den Akten erwähnt. Dies hing mit dem Ausbau der Straße Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen. 1841 wurde die „Chausseegelderhebung“ auf der Düren-Montjoier Straße – in dieser Zeit als „Bezirksstraße“ bezeichnet – genehmigt (Mertens 2008, S. 64). Von Düren kommend war im Landkreis Montjoie die erste Barriere/Mautstation in Germeter, einem heutigen Ortsteil von Vossenack (Ersterwähnung 1852). Die nächste folgte in Rollesbroich (1856). In Simmerath war bereits 1841 eine solche eingerichtet worden. Die nächste befand sich in Imgenbroich (1853). Dann ist noch auf dieser Strecke eine Mautstation in Kalterherberg (1849) genannt (Mertens 2007, S. 89). Im Raum Düren bestand nachweislich eine Straßenbarriere in Rölsdorf (1854) (Mertens 2008, S. 65).

Neben den Mautstationen gab es im Straßenverlauf zahlreiche Gasthöfe und Übernachtungsmöglichkeiten, vor allem in den Ortslagen, aber auch zwischen den Orten, z.B. an Wegekreuzungen. Die Straße wurde zwar regelmäßig von Postkutschen genutzt, einen fahrplanmäßigen Postverkehr gab es allerdings erst kurz nach 1900. Zuvor stand ab 1885 für den Fernverkehr die Vennbahn zur Verfügung. Wahrscheinlich war der Auslöser für die Einführung einer regelmäßigen Omnibuslinie der sich langsam etablierende Fremdenverkehr im Monschauer Land und in der Stadt selbst.
„Am 20.7.1907 meldete das Montjoier Volksblatt , daß am 16. ein mit 24 Personen besetztes Auto Monschau durchfahren habe, ein sog. Englischer Aussichtswagen der Dürener Kraftfahrzeug- und Fahrrad-Zentrale“ (Offermann 2000, S. 185).
Im Laufe der nächsten Jahre entstanden im Raum Düren mehrere Buslinien, die von Gesellschaften getragen wurden. Finanziert wurde dies sowohl von Privatleuten als auch von den angebundenen Gemeinden. So beteiligte sich 1912 die Gemeinde Vossenack mit 1000 Mark an der Omnibuslinie Düren - Germeter (Offermann 2000, S. 185).

Als Betreiber war die „Automobil-Omnibus-Gesellschaft des Kreises Düren GmbH“ aktiv.
„Die Strecke wurde mit einem Daimlerbus eröffnet und nun täglich zweimal bergauf und bergab befahren. Bereits 1914 kam die Buslinie zum Erliegen, da der Bus für militärische Zwecke requiriert wurde und eine feldgraue Farbe erhielt“ (Hermanns 2000, S. 184).
Auch die Weiterführung der Strecke nach Monschau wurde im Jahr 1912 in Angriff genommen mit einer Probefahrt der „Auto-Omnibus-Gesellschaft Düren-Monschau“ (Offermann 2000, S. 185). Es wurden mehrere saisonale Fahrten unternommen, allerdings ist keine regelmäßige Verbindung überliefert. Doch die Geschichte dieser Gesellschaft endete bereits 1914. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1921 eine erste tägliche Kraftpostverbindung zwischen Düren und Monschau über Germeter (Vossenack) mit zwei Bussen eingerichtet.

(Gabriele Harzheim, 2013, erstellt für den LVR-Fachbereich Umwelt im Rahmen des Projektes „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“)

Literatur

Hermanns, Franz Wilhelm (2000)
Ansichtskarten erzählen Geschichte(n). Gruss aus Germeter. (Das Monschauer Land Jahrbuch (28).) o. O.
Mertens, Kurt (2008)
Straßenbarrieren und Mautgebühren im Monschauer Land. Entwicklung im Zuge des Ausbaus des Straßennetzes im 19. Jahrhundert, Teil 2. (Das Monschauer Land Jahrbuch (ML) 36.) o. O.
Mertens, Kurt (2007)
Straßenbarrieren und Mautgebühren im Monschauer Land. Entwicklung im Zuge des Ausbaus des Straßennetzes im 19. Jahrhundert, Teil 1. (Das Monschauer Land Jahrbuch (ML) 35.) S. 77-93. o. O.
Offermann, Toni (2000)
Anmerkungen zu den Anfängen des Busverkehrs. (Das Monscher Land Jahrbuch (28).) o. O.
Schreiber, Theo (2002)
Konzen und Imgenbroich im Spiegel topographischer Karten. (Das Monschauer Land Jahrbuch (ML) 30.) o. O.
Schreiber, Theo (1999)
Kalterherberg im Spiegel amtlicher topographischer Karten. (Das Monschauer Land Jahrbuch (ML) 27.) o. O.

Bundesstraße B 399

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Karten, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1779 bis 1782
Koordinate WGS84
50° 37′ 32,35″ N, 6° 17′ 10,68″ O / 50.62565°, 6.2863°
Koordinate UTM
32U 308066.62 5611712.15
Koordinate Gauss/Krüger
2520303.03 5610041.77

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„Bundesstraße B 399”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-72082-20130820-2 (Abgerufen: 21. Mai 2018)
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