Bergwerk Bergkrone in Uersfeld

Schwerspatgrube „de Kaul“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Uersfeld
Kreis(e): Vulkaneifel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Informationstafel: Geschichtsstraße Abschnitt 1: Route Uersfeld-Gunderath, Station 21 Schwerspatgrube "De Kaul".

    Informationstafel: Geschichtsstraße Abschnitt 1: Route Uersfeld-Gunderath, Station 21 Schwerspatgrube "De Kaul".

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Die bergbauliche Gewinnung der Schwerspat-Vorkommen haben Uersfeld über mehr als 100 Jahre als Bergbaudorf geprägt.

Im Boden bei Uersfeld befindet sich das seltene Mineral Baryt, das an mehreren Stellen als weiß- oder rosagefärbte Steine an der Oberfläche vorkommt und bis zu 4 m dicke unterirdische Adern bildet. Schwerspat oder Baryt (BaSO4) ist ein verbreitetes Gangmineral mit einer hohen Dichte, das in vielfältigen Formen auskristallisiert worden ist. Das Mineral besteht je nach Reinheitsgrad bis zu 95 % und mehr aus Bariumsulfat, einem schwerlöslichen Salz. Mit 4,5 g/cm3 hat Baryt eine hohe Dichte, die auch den Namen „Schwerspat“ erklärt. Eisen hat zum Beispiel im Vergleich eine Dichte von 7,9 g/cm3.
Weitere Fundorte in Deutschland sind beispielsweise das Sauerland, das Lahn-Dill-Gebiet, der Spessart, der Schwarzwald und der Harz. Das Mineral wird unter anderen in der Farbindustrie, als Füllstoff in der Papier-, Textil- und Kunststoffindustrie und als Kontrastmittel in der medizinischen Röntgendiagnostik genutzt.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden bereits in den Gemeinden Uersfeld, Kötterichen, Horperath, Gunderath und Oberelz mehrere Grundstücke zwecks Ausbeutung Baron von Lockkorst aus Wiesbaden verpachtet. (Beschreibung Rheinland-Pfälzischer Bergamtsbezirke Bd. 4, Bergamt Koblenz, 1979). 1857 erfolgte nach den Akten des Bergamtes Koblenz die Erlaubnis zum Abbau. Die dortigen Vorkommen reichten für mehr als 100 Jahre. Zunächst wurde der Baryt im Tagebau gewonnen und später wurde auf Untertagebau umgestellt.
Um 1900 begann man, als die „Gewerkschaft Bergkrone“ mit Verwaltungssitz in Köln das Schürfrecht erwarb, das schwere Mineral umfänglich abzubauen. 1930 war die Grube durch zwei Seilfahrschächte erschlossen. Die Bergleute arbeiteten in 65 m Tiefe.
Das rohe Material wurde aufgearbeitet. Dies erfolgte durch Waschen und anschließenden manuellem Auslesen von minderwertigen Gesteinsbrocken. Diese Arbeiten wurden hauptsächlich von Frauen durchgeführt. Der feinkörnige Baryt wurde danach mit Hilfe einer speziellen Setzmaschinenwäsche aufbereitet.
Der gereinigte Rohstoff wurde mittels einer 1902 errichteten Drahtseilbahn zu der 1,8 km entfernten Verladestation am Bahnhof Uersfeld an der Bahnlinie Gerolstein-Andernach befördert und in Wagons verladen. Über Brohl am Rhein und Holland gelangte der Rohstoff ins europäische Ausland und nach Übersee.

Das Bergwerk wurde 1933 von der „Sachtleben AG“ übernommen. Im November 1944 kam die Förderung durch die Kriegsereignisse zum Erliegen. Unter beträchtlichen Schwierigkeiten wurde die Grube in den Jahren 1947/48 wieder in Betrieb genommen.
Nach 1948 nahm die Barytförderung ständig zu und erreichte 1963 mit 28 343 t ihren Höhepunkt. Durch den zugenommenen Abbau reduzierten sich die abbaubaren Vorkommen. Als eine neue, auf der benachbarten Gemarkung Kötterichen errichtete Schachtanlage keine zufriedenstellenden Ergebnisse ergab, beschloss die Betreibergesellschaft die Schwerspatförderung aufzugeben. Am 30. April 1967 wurde der Abbau eingestellt und der Belegschaft bis auf acht Personen für die Durchführung der Stillegungs- und Sicherungsarbeiten gekündigt. Am 30. Juni 1967 folgte die endgültige Stilllegung.

Die seit 1967 stillgelegte Grube wird seit 1968 für das Kreiswasserwerk Cochem-Zell als Wasserspeicher genutzt. Heute erinnern noch die nahe gelegene Direktorenvilla von 1921, einige Ruinen, Abraumhalden, ein Brunnen in der Ortsmitte von Uersfeld (1985) und drei Bergwerksloren (1998) am westlichen Ortseingang von Uersfeld an die „Kaul“ (Geschichtsstraße, Abschnitt 1, Station 21).

(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2013)

Literatur

Burggraaff, Peter (2009)
Die Geschichtsstraße Kelberg als vermittelndes interkommunales Projekt. In: Vermittlung von Kulturlandschaften. Initiative zur Förderung des Kulturlandschaftsbewusstseins (hrsg. vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland), S. 73-83. Bonn.
Burggraaff, Peter / Kleefeld, Klaus-Dieter / Bundesamt für Naturschutz und Bund Heimat und Umwelt (Hrsg.) (2010)
Landschaft erzählen – die Geschichtsstraße in Kelberg (Eifel) als Fallbeispiel für die Erläuterung von Natur- und Kulturerbe. In: Wege zu Natur und Kulturlandschaft (hrsg. vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland), S. 56-71. Bonn.
Mertes, Erich (2000)
Chronik von Uersfeld. 228-241, Prüm.
Steffens, Reinhard (1989)
"De Kaul". Ehemaliger Schwerspat-Bergbau bei Uersfeld. In: Heimatjahrbuch des Landkreises Daun 1990, S. 185-188. Daun.

Bergwerk Bergkrone in Uersfeld

Schlagwörter
Ort
Uersfeld
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1855 bis 1900, Ende nach 1963
Koordinate WGS84
50° 14′ 59,47″ N, 6° 59′ 36,17″ O / 50.24985°, 6.99338°
Koordinate UTM
32U 356943.51 5568337.44
Koordinate Gauss/Krüger
2570894.82 5568672.42

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„Bergwerk Bergkrone in Uersfeld”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-69107-20130705-2 (Abgerufen: 22. Februar 2018)
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