Ermekeilkaserne in Südstadt

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Alte und neue Gebäude der Ermekeilkaserne gesehen von der Reuterstraße (2012)

    Alte und neue Gebäude der Ermekeilkaserne gesehen von der Reuterstraße (2012)

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  • Stabsgebäude Ermekeilkaserne in der  Ermekeilstraße  mit dem Straßennamenschild

    Stabsgebäude Ermekeilkaserne in der Ermekeilstraße mit dem Straßennamenschild

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  • Stabsgebäude der Bonner Ermekeilkaserne an der Ecke Agelanderstraße / Ermekeilstraße in Südstadt (2012)

    Stabsgebäude der Bonner Ermekeilkaserne an der Ecke Agelanderstraße / Ermekeilstraße in Südstadt (2012)

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  • Die Bonner Ermekeilkaserne in der Ermekeilstraße

    Die Bonner Ermekeilkaserne in der Ermekeilstraße

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Die Ermekeilkaserne liegt in der Bonner Südstadt an der Ermekeilstraße und erstreckt sich bis zur Argelander- und Reuterstraße sowie bis zum Bonner Talweg und umfasst eine Gesamtfläche von 24.000 Quadratmetern. Geschäfte, Cafés, Gaststätten und Wohnhäuser im Gründerzeitstil umgeben die Ermekeilkaserne.

Entstehungsgeschichte
Der dreiflügelige preußische Militärbau, der an der Ermekeilstraße liegt, wurde zwischen 1880 bis 1883 erbaut. Johann Heinreich Ermekeil, vermutlich ein Gastwirt, kaufte das freiliegende Feld bereits 1870, um es als Bauland zu erschließen. Nach diesem ist sowohl die Straße als auch die Kaserne benannt worden. Am 1. April 1883 zog das 2. Bataillon des Rheinischen Infanterieregiments Nr. 28 in die Kaserne ein und wurde 1897 durch das 9. Rheinische Infanterieregiment 160 ersetzt. Im Volksmund wurde die Straße seitdem auch „Ärme-Kääl-Strooß“ genannt.
Der Bau der Kaserne hatte auch Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Südstadt. In der Ermekeilstraße und in der später angelegten Schlossstraße entstanden Häuser für Offiziere, die mit ihren Familien außerhalb der Kaserne leben durften. Außerdem zeigen die Häuser der Ermekeilstraße im Erdgeschoß eine durchgehend historische Gaststätten- und Geschäftsnutzung. So tranken bereits die Offiziere und Soldaten in der Gaststätte mit dem heutigen Namen „Südbahnhof“ ihr Bier. Im wilhelminischen Zeitalter hieß diese „Zum deutschen Kaiser“ und später „Machold-Stube“.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sollte der lineare Massivbau mit seinen seitlichen Flügelbauten nicht mehr genügen und so wurde 1903 das rote Stabsgebäude an der Ecke zur Argelanderstraße im wilhelminischen Stil errichtet. Es sollte dem wachsenden Personal auch in der Kaserne Unterkunft gewähren. Die hinteren Gebäude Richtung Reuterstraße wurden erst in den 1960er Jahren erbaut.
Die sogenannte „Ärme-Kääl-Strooß“ trug ihrem Namen Rechnung, denn im Ersten Weltkrieg sollen 2838 von den „Armen Kerlen“ gefallen sein. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem damit einhergehenden Versailler Vertrag, der die Entmilitarisierung des Rheinlandes vorsah, wurde die Kaserne zum 2.12.1918 aufgelöst und wenig später vom Deutschen Reich an die Stadt Bonn verkauft. Die leerstehende Kaserne wurde daraufhin zum Teil zu Wohnungen für Minderbemittelte umgebaut und von verschiedenen Behörden genutzt. Seit 1949 wurde die Ermekeilkaserne von unterschiedlichen Bundesdienststellen genutzt, unter anderem vom Bundesvertriebenenministerium, welche das spätere Bundespresseamt und Teile des späteren Auswärtigen Amtes darstellte.

Vom „Amt Blank“ zur Bundeswehr
1951 wurde die Ermekeilkaserne zum Sitz des „Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“. Theodor Blank wurde als Sonderbeauftragter des Kanzlers eingesetzt, um sich ausschließlich mit der geplanten zukünftigen Wiederbewaffnung Deutschlands zu beschäftigen. Um sich den langen Namen zu ersparen war schnell nur vom „Amt Blank“ die Rede. Der komplizierte Titel lässt erkennen, wie langwierig, in der Öffentlichkeit umstritten und komplex die Verhandlungen über die Wiederbewaffnung Deutschlands so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verliefen. Dennoch sollten diese dazu führen, dass Deutschland sich nur zehn Jahre nach dem Krieg wiederbewaffnete.
Nach vier Jahren Auseinandersetzung des „Amt Blank“ mit der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland wurde dieses am 7. Juni 1955 in das „Bundesministerium für Verteidigung“ umbenannt. Theodor Blank wurde der erste Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland.
Nachdem das Bundesamt für Verteidigung in der Ermekeilkaserne gegründet wurde, gilt die Ermekeilkaserne auch als Gründungsort der Bundeswehr. Am 12. November 1955, dem 200. Geburtstag des preußischen Generals Gerhard von Scharnhorst, überreichte Theodor Blank den ersten 101 Freiwilligen der Bundeswehr ihre Ernennungsurkunde zu Soldaten und sie wurden vereidigt. Anfang 1956 traten die ersten Soldaten ihren Dienst an.

Die Ermekeilkaserne wird zivil
Das Bundesamt für Verteidigung zog bis Ende der 1990er Jahre aus der Ermekeilkaserne auf die Bonner Hardthöhe um. 2000 bezog das Bundesamt für Wehrverwaltung die Kaserne. Das backsteinerne Hauptgebäude an der Ermekeilstraße steht seitdem leer. Mitte des Jahres 2012 wurde das Bundesamt für Wehrverwaltung durch das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr abgelöst. Doch auch dessen Umzug ist für 2013 auf die Hardthöhe geplant.
Am 22.12.2012 wurde das Schild des Bundesamtes vom Präsidenten und der Ministerialdirektorin des Verteidigungsministeriums eigenhändig abgeschraubt und so „(geht) in der Ermekeilkaserne das Licht aus“. Bis Mitte 2013 soll die Ermekeilkaserne geräumt werden und für die zivile Nutzung freistehen. Der massive Backsteinbau entlang der Ermekeilstraße, sowie das Stabsgebäude an der Ecke zur Argelanderstraße stehen unter Denkmalschutz.
Wie genau die zukünftige Nutzung und Bebauung aussehen wird, steht momentan noch nicht eindeutig fest. Möglichkeiten gibt es viele, so fand schon zum sechsten Mal der städtebauliche Ideenwettbewerb für Postgraduierte zur Bonner Ermekeilkaserne statt. Die Initiative zur zivilen Nutzung der Bonner Ermekeilkaserne hat die Idee, auf dem Gelände eine Mischung aus Arbeit, generationenverbindendem Wohnen und verschiedenen Begegnungsformen mit Fokus auf die Themen Integration und Internationales Bonn umzusetzen. Die Bezirksvertretung Bonn hat einen Bebauungsplan für das rund 24.000 Quadratmeter große Gebiet ausgearbeitet. Darin heißt es, dass nachhaltige und attraktive Strukturen mit dem Schwerpunkt Wohnen geschaffen werden sollen. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die Konversion der Kaserne in der Realität aussehen wird.

(Katharina Bükers, Geographisches Institut der Universität Bonn, 2013)

Internet
www.ermekeilkaserne-zivil.de: Initiative zur zivilen Nutzung der Bonner Ermekeilkaserne (Abgerufen am 03.01.2013)
www.general-anzeiger-bonn.de: In der Ermekeilkaserne geht das Licht aus (22.12.2012, abgerufen am 03.01.2013)
www.general-anzeiger-bonn.de: Ermekeilkaserne in Bonn, Hauptgebäude steht seit 13 Jahren leer - Ein Rundgang (08.03.2012, abgerufen am 03.01.2013)
www.bundesarchiv.de: Bundesarchiv, Dokumente zum „Amt Blank“ (Abgerufen am 03.01.2013)

Literatur

Kreutzmann, Horst (2011)
Die Bonner Südstadt. Blicke auf und hinter Fassaden bürgerlicher Wohnkultur, ein kommentierter Stadtspaziergang (vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage). Bonn.

Ermekeilkaserne in Südstadt

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1880
Koordinate WGS84
50° 43′ 22,76″ N, 7° 06′ 1,8″ O / 50.72299°, 7.1005°
Koordinate UTM
32U 365925.61 5620741.48
Koordinate Gauss/Krüger
2577754.31 5621408.38

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„Ermekeilkaserne in Südstadt”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-58178-20121211-2 (Abgerufen: 24. Februar 2018)
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