Katholische Pfarrkirche Sankt Vitalis in Müngersdorf

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Die Pfarrkirche Sankt Vitalis trägt ihr Patrozinium nach einem Märtyrer der Thebäischen Legion, deren Angehörige der legendarischen Überlieferung zufolge an verschiedenen Standorten am Rhein zwischen Sankt Moritz in der Schweiz und Xanten - so auch in Köln - für ihren Glauben gestorben sind. Das Patrozinium geht auf das Kölner Kollegiatstift Sankt Aposteln zurück, das in Müngersdorf begütert war und dem Märtyrer eine Kapelle errichtete, die seit 1214 belegt ist. Der monumentale neuromanische Kirchbau wurde anstelle dieses kleinen Gotteshauses in den Jahren 1889 bis 1890 nach Plänen des Architekten Theodor Kremer errichtet. Mit ihrem Bau reagierte die Gemeinde auf die kurz zuvor - 1888 - erfolgte Eingemeindung von Müngersdorf nach Köln und den sich anzeichnenden Bevölkerungsanstieg in dem einstigen Bauerndorf.

In der Entwicklung historistischer Sakralbaukunst nimmt Sankt Vitalis einen wichtigen Platz ein. Wenige Jahre nach der Vollendung des Kölner Domes markiert der Kirchbau die Abkehr von der Neugotik und die Hinwendung zur Neuromanik, die im Wilhelmismus des zweiten deutschen Kaiserreiches mit einer Rückbesinning auf das ottonisch-salisch-staufische Kaisertum zunehmend an Bedeutung gewann. Sankt Vitalis ist der erste historistische Großbau in Köln, der in neuromanischer Formensprache errichtet wurde. Kremer orientierte sich an der rheinischen Spätromanik der Stauferzeit und entwarf eine dreischiffige Basilika in Ziegelbauweise.

Obwohl Sankt Vitalis im Zweiten Weltkrieg mit Ausnahme der Verglasung unzerstört blieb, wurde die neuromanische Ausstattung zugunsten eines modernen Inventars geopfert. Dies geht auf die Einflussnahme des Architekten Rudolf Schwarz zurück, der seit 1956 in Müngersdorf lebte und der Pfarrgemeinde angehörte. Mit einer farblichen Reduzierung der Wandflächen auf ein schlichtes Weiß mit einer nur geringfügigen Hervorhebung der Architekturgliederungen, aus dem lediglich die Buntverglasung hervorsticht, folgt der Innenraum seit der Umgestaltung 1961 bis 1962 erfolgten Umgestaltung denn auch Architekturprinzipien, die Schwarz bereits in den späten zwanziger Jahren bei seiner Umgestaltung der ebenfalls neuromanischen Oratorianerkirche in Leipzig-Neulindenau angewandt hatte. Die Glasfenster entstanden bis 1984 nach Entwürfen von Wilhelm Buschulte. Bemerkenswert ist das Bild eines weißen Stroms im schwarzen Steinplattenbelag des Fußbodens. Eine Orgel, deren Prospekt auf eine Gestaltung von Maria Schwarz, der Ehefrau von Rudolf Schwarz, zurückgeht, ergänzt seit 1994 die Ausstattung.

(Christoph Kühn, im Auftrag des LVR-Fachbereichs Umwelt, 2012)

Literatur

Kier, Hiltrud (2008)
Köln. Architektur und Kunst. (Reclams Stadtführer.) S. 261-262. Stuttgart.
Landschaftsverband Rheinland; Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft (Hrsg.) (2014)
Jakobswege. Wege der Jakobspilger im Rheinland, Band 1: In 8 Etappen von Wuppertal über Köln nach Aachen/Belgien (5. Auflage). Köln.

Katholische Pfarrkirche Sankt Vitalis in Müngersdorf

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Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1889 bis 1890
Koordinate WGS84
50° 56′ 24,36″ N, 6° 52′ 46,61″ O / 50.9401°, 6.87961°
Koordinate UTM
32U 351028.81 5645304.78
Koordinate Gauss/Krüger
2561869.32 5645351.6

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„Katholische Pfarrkirche Sankt Vitalis in Müngersdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-56138-20121029-11 (Abgerufen: 22. Mai 2018)
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