Katholische Pfarrkirche Sankt Chrysanthus und Daria

Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bad Münstereifel
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 33′ 17,07″ N: 6° 45′ 46,82″ O / 50,55474°N: 6,76301°O
Koordinate UTM 32.341.541,12 m: 5.602.701,61 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.554.115,81 m: 5.602.392,62 m
  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019)

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019)

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  • Bad Münstereifel, Kath. Pfarrkirche St. Chrysanthus und Daria, ehem. Stiftskirche

    Bad Münstereifel, Kath. Pfarrkirche St. Chrysanthus und Daria, ehem. Stiftskirche

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019)

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019)

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Dreiflügelaltar der Kölner Malerschule um 1470

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Dreiflügelaltar der Kölner Malerschule um 1470

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), der Altar der Mutter Maria.

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), der Altar der Mutter Maria.

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), der Altar der Mutter Maria

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), der Altar der Mutter Maria

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), Sakramentshaus von 1480

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), Sakramentshaus von 1480

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), Reliquien im Reliquienschrein im Sakramentshaus von 1480

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), Reliquien im Reliquienschrein im Sakramentshaus von 1480

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), Reliquienschrein im Sakramentshaus von 1480

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), Reliquienschrein im Sakramentshaus von 1480

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), Reliquien im Reliquienschrein im Sakramentshaus von 1480

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), Reliquien im Reliquienschrein im Sakramentshaus von 1480

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), Reliquien im Reliquienschrein im Sakramentshaus von 1480

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (2019), Reliquien im Reliquienschrein im Sakramentshaus von 1480

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Reliquienschrein im Sakramentshaus von 1480

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Reliquienschrein im Sakramentshaus von 1480

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  • 2019 Archäologietour Nordeifel, St. Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel, Infoblatt (PDF-Datei)

    2019 Archäologietour Nordeifel, St. Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel, Infoblatt (PDF-Datei)

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Weihestein

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Weihestein

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Relief der heiligen Daria

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Relief der heiligen Daria

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Dreiflügelaltar der Kölner Malerschule um 1470

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Dreiflügelaltar der Kölner Malerschule um 1470

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Relief des heiligen Chrysanthus

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Relief des heiligen Chrysanthus

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  • Säule aus Aquäduktmarmor (2006)

    Säule aus Aquäduktmarmor (2006)

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  • Säule aus Aquäduktmarmor (2006)

    Säule aus Aquäduktmarmor (2006)

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  • Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Sakramentshaus von 1480

    Stiftskirche Sankt Chrysanthus und Daria (2019), Sakramentshaus von 1480

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Die Kirche wurde 830 als Filiale der Benediktinerabtei Prüm am Standort einer bereits um das Jahr 700 vorhandenen Kapelle gegründet. Zur Unterscheidung von der Abtei Prüm wurde die Niederlassung Monasterium Novum (Neues Kloster) genannt. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung Monasterium in Eiflia (Kloster in der Eifel), was nach jüngerer Schreibweise zum Ortsnamen Münstereifel führte. Ursprünglich war die Kirche dem heiligen Petrus geweiht, doch schon bald – 844 – erfolgte ein Patroziniumswechsel, nachdem Papst Sergius II. den Benediktinern die Reliquien der römischen Märtyrer Chrysanthus und Daria überließ.

Baugeschichte
Baubeschreibung
Ergebnisse der Ausgrabungen der 1960er Jahre
Ausstattung
Pilgerspuren
Hinweise, Links, Literatur

Baugeschichte
Der ursprüngliche einschiffige Bau von 830, der bald nach der Reliquienübertragung zu einer dreischiffigen Basilika erweitert wurde, konnte durch Ausgrabungen nachgewiesen werden. Um 1050 erfolgte seine Erweiterung durch den heutigen Westabschluss, der in Kubatur an das ottonische Westwerk von Sankt Pantaleon in Köln erinnert, allerdings kaum in dessen Nachfolge gesehen werden kann, da er durch ein westlich angrenzendes Schiff mittig in die sich weit in die Länge erstreckende Klosterkirche eingebunden war. Um 1100 brannte die gesamte Kirche nieder. In der Folge entstand eine neue dreischiffige Pfeilerbasilika mit Umgangskrypta, für welche die Fundamente des 9. Jahrhunderts genutzt und der Mitte des 11. Jahrhunderts errichtete Baukörper in der Funktion eines Westbaus wiederhergestellt wurden. Der neue Kirchenbau war ursprünglich flachgedeckt, jedoch schon bald nach seiner Vollendung – um 1140 bis 1150 – wurden unterhalb der Balkendecke Kreuzgratgewölbe eingezogen. Im Zuge dieser Baumaßnahme entstand auch das Westportal, während die Umgangskrypta eine Erweiterung zu der heutigen fünfschiffigen Anlage erfuhr.

1584 musste der südliche Treppenturm erneuert werden, 1875 folgte der nördliche Turm. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts erfolgten mehrere Sanierungen. 1914 bis 1915 verlor die Kirche ihren Außenputz und präsentierte sich bis zur Neuverputzung in den 1960er Jahren in einem steinsichtigen Zustand. Bei der jüngsten Sanierung von 1985 bis 1990 sind über dem Mittelschiff und den Chorjochen die Gewölbe erhöht worden. Dabei wurde auch die darüber befindliche Balkendecke des frühen 12. Jahrhunderts angehoben.
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Baubeschreibung
Sankt Chrysanthus und Daria ist eine langgezogene, dreischiffige Basilika aus Steinmaterial der Gegend - Eifelsandstein, Grauwackebruchstein, Quellenkalk und Kalksinter. Die Gewölbe sind im gebundenen System angelegt, das heißt, den drei Jochen im Mittelschiff des Langhauses entsprechen jeweils zwei Joche in den Seitenschiffen, was zur Folge hat, dass zum Mittelschiff hin nur jeder zweite der Vierkantpfeiler durch gewölbetragende Vorlagen ausgewiesen ist. Das Äußere wird von dem an Sankt Pantaleon in Köln erinnernden Westbau beherrscht, ein wuchtiger Mittelturmkubus auf einem tonnengewölbten Durchgang, dessen Glockengeschoss durch romanische Doppelfenster geöffnet ist und der von zwei runden Treppentürmen flankiert wird.
Am rundbogigen Westportal zeigen zwei romanische Reliefs die beiden Kirchenpatrone. Das Mittelschiff geht am Außenbau ansatzlos in den Chor über, auch das Dach ist durchgezogen. Im Inneren fällt indes die Verengung von der Dreischiffigkeit im Langhaus zum einschiffigen Chor auf, während die Chornebenräume in der Verlängerung der Seitenschiffe durch Trennwände nicht wahrgenommen werden können. Allerdings entfaltet das Mittelschiff kaum seine Raumwirklung, da eine Orgeltribüne, die 1722 eingebaut wurde, bis zur Mitte des Langhauses in das Schiff hineinreicht. Der Chor ist mit zwei Jochen verhältnismäßig lang ausgefallen und schließt in einer halbrunden Apsis. An den Wänden haben sich Reste einer romanischen Ausmalung der Zeit um 1110 gefunden. Die alttestamentlichen Szenen, unter anderem mit Aaron und Melchisedek sowie dem musizierenden David wurden bei Restaurierungsarbeiten in den 1960er Jahren freigelegt.
Die Krypta ist seit ihrer Erweiterung im 12. Jahrhundert eine fünfschiffige, kreuzgratgewölbte Halle, an die sich nach Westen hin ein dreischiffiger Zugang zum tonnengewölbten Grabraum für das Märtyrerpaar anschließt.
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Ergebnisse der Ausgrabungen der 1960er Jahre
In den 1950er Jahren drohten Teile der romanischen Kirche St. Chrysanthus und Daria einzustürzen. Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen waren erforderlich. Diese betrafen vor allem die Fundamente, weshalb archäologische Ausgrabungen im gesamten Kirchenbereich notwendig wurden. Diese führte das damalige Rheinische Landesmuseum Bonn (heute LVR-LandesMuseum Bonn) unter der Leitung der Archäologen Hugo Borger und Walter Sölter in den Jahren 1963/1964 durch.
Aus einigen archäologischen Befunden dieser Ausgrabungen stammen Scherben von Keramik- und Glasgefäßen des beginnenden Frühmittelalters, der sog. Merowingerzeit, die nahelegen, dass im Bereich der späteren Stiftskirche eine frühmittelalterliche Siedlung bestanden haben muss. Über ihre Größe und Struktur lässt sich anhand dieser wenigen Funde nichts aussagen. Seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts nutzte man das Gelände als Bestattungsplatz. Das belegen frühmittelalterliche Baumsärge, von denen sich einer dendrochronologisch, anhand der Datierung der Jahrringe, in das Jahr 766/767 datieren ließ. Bei den archäologischen Untersuchungen der 1960er Jahre wiesen die Archäologen außerdem im Langhaus und unter der Krypta die Fundamente verschiedener Vorgängerbauten der heutigen Kirche nach. Am ältesten sind die Fundamente einer einfachen kleinen Saalkirche unter der Krypta, die im Inneren 4,20 Meter lang und 4,0 Meter breit war und noch nicht für eine Klostergemeinschaft bestimmt gewesen sein kann. Erst der zweite Saalbau mit einem langen Chor lässt sich aus architektonischen Gründen mit dem Filialkloster in Verbindung bringen. Nach der Überführung der Reliquien erfolgte vermutlich ein aufwändiger Umbau. Diesem dritten Kirchenbau diente der vorangehende als Chor; im Westen baute man daran als Erweiterung ein dreischiffiges Langhaus mit Querhaus an. Im Westteil des Chores entstand als Heiligengrab eine so genannte Konfessio für die Gebeine der Märtyrer.
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Ausstattung
Aus der gesamten Zeit ihres Bestehens seit dem frühen 12. Jahrhundert hat die Kirche Ausstattungsstücke bewahren können, angefangen mit der Mensa des Hochaltares, deren Platte aus marmorartigem Kalksinter der römischen Wasserleitung aus der Eifel nach Köln gearbeitet wurde. Auf ihr steht ein schreinartiger Aufsatz aus vergoldetem Messing und Silber und eine neoromanische Goldschmiedearbeit von Wilhelm Moers aus den Jahren 1905 bis 1912. Aus dem Spätmittelalter sind zwei Ausstattungstücke bemerkenswert: Das Sakramentshaus von 1480, das ein Kanoniker des in der Zwischenzeit zum Stift umgewandelten Klosters der Kirche geschenkt hat, sowie ein kleiner Dreiflügelaltar der Kölner Malerschule, der um 1470 im Umkreis des Meisters des Marienlebens entstanden ist. Er zeigt auf der Mitteltafel die Beweinung Christi, während auf den Innenflügeln die beiden Kirchenpatrone Chrysanthus und Daria sowie außen Petrus und Paulus, die Nebenpatrone der Kirche, zu sehen sind. An das römische Märtyrerpaar erinnern auch acht große Leinwandbilder der Zeit um 1720 im Chor, die Szenen aus dem Leben sowie das Martyrium von Chrysanthus und Daria zeigen.
Im Mittelraum des Westhauses befindet sich das Grabmal von Gottfried von Bergheim aus dem Haus des Grafen von Jülich. Er hatte das Burgamt in Münstereifel inne und wurde nach seinem Tod 1335 in dem aufwendigen Hochgrab, das ursprünglich im Mittelschiff über der Grabkammer der Märtyrer gestanden hat, beigesetzt. Die Tumba und die Liegefigur sind um 1340 entstanden und schließen sich stilistisch an die Grabmäler der Landgrafen von Hessen in der Elisabethkirche zu Marburg an.
Der Innenraum und der Chor enthalten zahlreiche Werke der Barockzeit, Holzskulpturen mit der Darstellung von Heiligen, Grabdenkmälern und Epitaphe.
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Pilgerspuren
Durch die heiligen Leiber des römischen Märtyrerpaares ist die Kirche neben den Abteien in Prüm und Echternach die wichtigste Stätte für Pilger auf dem Weg von Köln nach Trier. Auf die Anwesenheit von Pilgern weist bereits die älteste Gestalt der Krypta aus dem frühen 12. Jahrhundert hin; ihr Umgang ermöglichte, an dem Märtyrergrab vorbeizuziehen. Dennoch wurde die Krypta schon bald den Bedürfnissen der Pilger nicht mehr gerecht. Ihre Erweiterung auf fünf Schiffe um 1140 bis 1150 dürfte auf den vermehrten Andrang zurückzuführen sein. Bis 1505 wurden die Reliquien in der angrenzenden Grabkammer verehrt, dann erfolgte ihre Erhebung in den Kirchenraum.

(Christoph Kühn, im Auftrag des LVR-Fachbereichs Umwelt, 2012; LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2019)

Hinweise
Die Stiftskirche ist eingetragenes Baudenkmal.
Die Kirche Sankt Chrysanthus und Daria war Station der Archäologietour Nordeifel 2019 (siehe Führungsblatt in der Medienleiste) und ist KuLaDig-Objekt des Monats Oktober 2019.
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Internet
de.wikipedia.org: St. Chrysanthus und Daria (Bad Münstereifel) (abgerufen 04.09.2019)
www.baukunst-nrw.de: Architektenkammer Nordrhein-Westfalen: St. Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel (abgerufen 04.09.2019)

Literatur

Borger, Hugo; Sölter, Walter (1968)
Die Ausgrabungen in der ehemaligen Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria zu Münstereifel in den Jahren 1963 und 1964. In: Beiträge zur Archäologie des Mittelalters. Rheinische Ausgrabungen 1, S. 241-257. Köln.
Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2007)
Jakobswege. Wege der Jakobspilger im Rheinland, Band 2: In 13 Etappen von Köln und Bonn über Trier nach Perl/Schengen am Dreiländereck von Deutschland, Luxemburg und Frankreich (3. Auflage). Köln.
Nieveler, Elke (2003)
Die merowingerzeitliche Besiedlung des Erftkreises und des Kreises Euskirchen. In: Rheinische Ausgrabungen 48, S. 84 f.; S. 234 f.; S. 377–381; Taf. 67 A., Mainz.
Schmitz-Ehmke, Ruth (1985)
Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Euskirchen. Stadt Bad Münstereifel. (Die Bau- und Kunstdenkmäler des Landes Nordrhein-Westfalen I, Rheinland 9.1.) Berlin.

Katholische Pfarrkirche Sankt Chrysanthus und Daria

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Langenhecke 3
Ort
53902 Bad Münstereifel
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 800 bis 830

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„Katholische Pfarrkirche Sankt Chrysanthus und Daria”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-55297-20121010-6 (Abgerufen: 21. Oktober 2019)
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