Pressehaus am Platz der Vereinten Nationen

ehemaliger Standort Görresstraße 28

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Luftbildaufnahme: Das frühere Regierungsviertel in Bonn zwischen Rhein und Adenauerallee / Willy-Brandt-Allee. Vorne ist das Palais Schaumburg mit dem dahinter liegenden früheren Bundeskanzleramt und den Bundestagsgebäuden zu sehen, dahinter das frühere Abgeordnetenwohnhaus "Langer Eugen" und der Post Tower vor dem Hintergrund des Siebengebirges (2010).

    Luftbildaufnahme: Das frühere Regierungsviertel in Bonn zwischen Rhein und Adenauerallee / Willy-Brandt-Allee. Vorne ist das Palais Schaumburg mit dem dahinter liegenden früheren Bundeskanzleramt und den Bundestagsgebäuden zu sehen, dahinter das frühere Abgeordnetenwohnhaus "Langer Eugen" und der Post Tower vor dem Hintergrund des Siebengebirges (2010).

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Kurzbeschreibung des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland

Ehemaliges Pressehaus (ehemals Görresstraße 28)

Baujahr: 1949
Bauherr: Bundesrepublik Deutschland
Architekt/Bauunternehmer: Stephan
letzte Nutzung: Bundestagsverwaltung V, verschiedene Landesvertretungen/Außenstelle Bonn

Block V im ehemaligen Park der Villa Dahlmannstr. 5/7 ( Guilleaume/Jovy).
Zweigeschossiges, vorgefertigtes Bürohaus in „Schnell-Gemischt-Bauweise“ mit Option auf mindestens 15 Jahre „Lebensdauer“; Holzskelett-Konstruktion, außen mit Bimssteinplatten und aufgelegtem Baustahlgewebe verkleidet und verputzt. Im Innern Ausfachung ebenfalls in Bimsstein mit Rigipsverplattung. Langgestreckter Bau in 9 : 2 Achsen, mittig erschlossen mit kleinem Balkonaustritt über der Tür, gekuppelte Fensteranordnung, ursprünglich mit grünen Schlagläden, Ziegelwalmdach. Im Innern zweihüftige Erschließung; nach Zeit und Anspruch schlichte Ausstattung, Aufteilung weitgehend erhalten.
Nachdem am 10. Mai 1949 die knappe Entscheidung des Parlamentarischen Rates, Bonn zum vorläufigen Sitz der leitenden Bundesorgane zu machen, gefallen war, wurde auf politischem und journalistischem Sektor die Wahl heftig kritisiert. Für den Standort Bonn und die neue Bundesrepublik aber war eine „gute Presse“ im In- und Ausland von höchster Bedeutung, so dass gleich nach der Entscheidung für Bonn, die rasche Unterbringung der Presse in unmittelbarer Nähe der Regierungsorgane als notwendig erachtet wurde. So entstanden ab Juli 1949 Pressehäuser in Montagebauweise, von denen das hier in Rede stehende, das letzte seiner Art ist. Vier der Häuser standen auf dem Gelände der Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen (Görresstr. 13, früher Dahlmannstraße), drei auf dem Gelände zwischen Bundeshaus und Dahlmannstraße.
Das Objekt steht heute nicht mehr.
Es war bedeutend für die Geschichte der Bundesrepublik und die Stadt Bonn als ehemaliger provisorischer Hauptstadt. Es dokumentierte die Anfänge der Republik. Als letztes von sieben „Pressehäusern“ kam ihm ein besonders hoher Zeugniswert zu.
Zudem gab es als bauliches Zeugnis Aufschluss über Geschichte und Stellenwert der Presse und ihrer Agenturen in Bonn in unmittelbarer Nähe von Regierung und Parlament.
Architekturgeschichtlich war das Pressehaus von Bedeutung als Beispiel für die Fertigbauweise, die nach dem Zweiten Weltkrieg einen neuen Aufschwung erlebte und Mangelwirtschaft und Zeitnot dokumentiert. Die Geschichte der Fertigbauweise geht auf die 1920er Jahre zurück, als eine ähnliche Notsituation im Bauwesen herrschte, abgesehen vom traditionellen Fachwerkbau, der auch hier in der Konstruktionsweise (Holzskelettbau) Anwendung fand. Aus der Zeit der frühen Bundesrepublik haben sich zwei weitere „Regierungsbauten“ erhalten: Das sog. Montagehaus hinter dem Museum Koenig, das das Staatssekretariat des Innern des im Museum Koenig zunächst untergebrachten Kanzleramts beherbergte und die sog. AA-Baracke in der Raiffeisenstraße, Dienststelle für Auswärtige Angelegenheiten des Bundeskanzleramtes, Vorläufer der Auswärtigen Amtes.
Auch in diesem Zusammenhang kam dem Pressehaus ein hoher dokumentarischer Wert für die Anfänge des Bundes in Bonn zu, als einem der drei letzten „Behelfsbauten“.
Das Pressehaus war bedeutend für die Geschichte der Bundesrepublik und die Geschichte der Stadt Bonn. Für seine Erhaltung und Nutzung liegen historische, ortsgeschichtliche, politische, pressegeschichtliche und architekturgeschichtliche Gründe vor.

(Angelika Schyma, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2005)

Literatur

Hafner, Thomas (1993)
Vom Montagehaus zur Wohnscheibe: Entwicklungslinien im deutschen Wohnungsbau 1945-1970, mit ausgewählten Beispielen aus Baden-Württemberg. (Stadt, Planung, Geschichte 13.) Basel.
Vogt, Helmut / Stadt Bonn, Stadtarchiv und Wissenschaftliche Stadtbibliothek (Hrsg.) (1999)
„Der Herr Minister wohnt in einem Dienstwagen auf Gleis 4“, Die Anfänge des Bundes in Bonn 1949/50. Bonn.

Pressehaus am Platz der Vereinten Nationen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Platz der Vereinten Nationen
Ort
53113 Bonn
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1949, Ende nach 2006
Koordinate WGS84
50° 43′ 8,49″ N, 7° 07′ 19,74″ O / 50.71902°, 7.12215°
Koordinate UTM
32U 367442.38 5620261.82
Koordinate Gauss/Krüger
2579289.66 5620990.49

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„Pressehaus am Platz der Vereinten Nationen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-28786-20111227-23 (Abgerufen: 23. Februar 2018)
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