Relikte der Kottensiedlung Baldeneyer Berg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Zwischen der Mitte des 18. und Mitte des 19. Jahrhunderts entstand auf dem einst vollständig bewaldeten Baldeneyer Berg eine Köttersiedlung für Bergleute. Der Straßenname Bottlenberg erinnert an den früheren Besitzer dieses Gebietes, einer adligen Familie mit Sitz auf Haus Baldeney.

Die heutige Siedlungslandschaft des Baldeneyer Berges lässt mit ihren Kottenrelikten, historischen Waldstandorten und Offenlandbereichen sowie traditionellen Ausflugslokalen noch recht gut den Zustand des 19. Jahrhunderts erahnen. Ihre ursprüngliche Ausdehnung schrumpfte jedoch seit Beginn des 20. Jahrhunderts insbesondere an ihrer Westgrenze. Im Bereich der Lerchenfeldstraße, den Aufforstungsflächen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie des Emil-Frick-Heims befanden sich einst Kotten, die von landwirtschaftlichen Flächen umgeben waren. Im nördlichen Teil hat sich die städtische Bebauung, ausgehend von der Kernstadt Essen, bis auf den Baldeneyer Berg hin ausgeweitet. Hier entstanden Wohnsiedlungen aus Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie eine Kleingartenanlage.

Das heutige „Hufotel“ befindet sich auf dem Grundstück des Kottens Boltendahl, von dem nur noch ein kleines Fachwerkhaus aus der Zeit um 1825, wahrscheinlich die Leibzucht (Altenteil) erhalten geblieben ist. In einer Grenzbeschreibung der Abtei Werden aus dem späten 17. Jahrhundert erscheint der „Hinweis, dass sich im Keller ein ‚Limes‘ (Grenzstein) befinde, der die Abtei Werden vom Stift Rellinghausen scheidet“ (Schmitz 2008, S. 101).

Von den ursprünglich insgesamt 32 Kotten sind heute noch 12 erhalten. Darunter sind beispielsweise der Kotten Isenberg, der inmitten der Mauerreste der ehemaligen Isenburg errichtet wurde, und der Kotten Mühlenbeck. In einigen Kotten, deren Lagen besonders reizvolle Ausblicke auf das Ruhrtal bieten, wurden bereits frühzeitig Gastwirtschaften eingerichtet. Bis heute existieren die Ausflugslokale „Schwarze Lene“ (Ausschank bereits 1806, seit 1833 reguläre konzessionierte Schwankwirtschaft), „Heimliche Liebe“ (Betrieb seit 1830, Neubau nach 1950) und „Jagdhaus Schellenberg“ (früher „Schöne Aussicht“, Betrieb mindestens seit 1893). Der Baldeneyer Berg gehört somit traditionell zu Bredeneys beliebtesten Ausflugsgegenden.
Schon Alfred Krupp fand Gefallen daran: „so errichtete er auf seine Kosten um 1862 auf dem Gelände ihrer Kaffeewirtschaft (“Schwarze Lene„) einen überdachten Pavillon nach eigenem Entwurf, in dem er oft mit seinen Gästen saß“ (Schmitz 1998, S. 93). Von einigen Standorten aus kann man noch heute auf seinen Wohnsitz, die Villa Hügel, schauen.

Vor der Aufforstung des Berges, die in den 1960er Jahren begann und insbesondere im westlichen Teil erfolgte, waren die Einblicke und Ausblicke weiträumiger. Allein im östlichen Teil, der vom Weg „Bottlenberg“ durchschnitten wird, ist das Offenland weitgehend erhalten geblieben. Pferdekoppeln prägen hier das heutige Landschaftsbild. Die südlich daran anschließenden, steileren Berghänge, durchzogen von Siepentälern, sind seit mindestens 200 Jahren bewaldet.

Mit dem Erwerb des Geländes auf dem Baldeneyer Berg durch die Stadt Essen im Jahr 1907/08 endete die Pachtherrschaft des Hauses Baldeney. Seitdem wurden die Kotten zum Teil abgerissen, „… andere wurden durch die letzten Kriegseinwirkungen zerstört. Einigen Bewohnerfamilien gelang der Ankauf in letzter Zeit… Bis dahin bewohnten alle Familien teilweise schon seit Generationen die kleinen Fachwerkhäuser in idyllischer Lage und übernahmen vertraglich die Unterhaltung und Restauration ihrer Wohnstätten – wie schon einst zu abteilichen Zeiten!“ (Schmitz 1998, S. 76). Zwei Kotten, Schwarzenberg und Bergmann (Baldeney 30 und 31), werden seit ihrer Erbauung bis heute ständig von einer Familie bewohnt (Schmitz 1998, S. 91).

(Kathrin Lipfert, LVR-Fachbereich Umwelt, 2010)

Literatur

Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster der Stadt Essen (Hrsg.) (o.J.)
Topographische Karte des Stadt- und Landkreises Essen 1894 von August Hofacker. Essen.
Landesvermessungsamt NRW (Hrsg.) (2005)
Historika 25, Historische topographische Karten des heutigen Nordrhein-Westfalen im Wandel der Zeit, Blatt 4508 - Essen. Bonn.
Schmitz, Herbert (2008)
Adelige Familien als Diener dreier Herren. In: Geschichten aus der Werdener Geschichte 6, S. 7-110. o. O.
Schmitz, Herbert (1998)
Bredeney - Rittersitze, Höfe, Kotten und ihre Bewohner. Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte. S. 69-96, Bottrop, Essen.

Relikte der Kottensiedlung Baldeneyer Berg

Schlagwörter
Ort
45133 Essen - Bredeney
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1756 bis 1907
Koordinate WGS84
51° 24′ 36,34″ N, 7° 01′ 38,5″ O / 51.41009°, 7.02736°
Koordinate UTM
32U 362810.48 5697276.69
Koordinate Gauss/Krüger
2571523 5697771.21

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„Relikte der Kottensiedlung Baldeneyer Berg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-2712-20101205-3 (Abgerufen: 21. Oktober 2017)
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