Kottensiedlung Baldeneyer Berg in Bredeney

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Oberhalb des Hauses Baldeney ragt der Baldeneyer Berg steil über der Ruhr empor, was seinen alten Namen „Scarpenberg“ beziehungsweise „Scharfenberg“ erklärt (Schmitz 2008, S. 18). Hier befand sich ursprünglich ein unwegsames Hochwald- und Buschgelände, das der Abtei Werden gehörte, der so genannte „Klosterbusch“. Wahrscheinlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts gelangte es in den Besitz des Freiherrn von Bottlenberg, genannt von Schirp, auf Haus Baldeney. Es handelte sich um ein so genanntes „Fideikommiss“, einem „unveräußerlichen und unteilbaren Erbgut“ (Schmitz 1998, S. 69).

Mit der aufkommenden Industrialisierung im Essener Ruhrtal entstand hier, wie auch in vielen ehemaligen Markenwäldern, eine Kottensiedlung. Diese Waldareale, die häufig in Bereichen mit großem Relief und für den Ackerbau ungünstigeren Böden lagen, wurden zuletzt von der bäuerlichen Besiedlung erfasst. Landwirtschaft wurde hier auch nur im Nebenerwerb betrieben. Der Haupterwerb lag im Steinkohlebergbau. Die ältere Bezeichnung des Baldeneyer Berges, „Schwarzenberg“, „...weist auf die vielen Kohlenflöze hin, die den Baldeneyer Berg durchziehen und an mehreren Stellen abgebaut wurden“ (Schmitz 1998, S. 91).

Ab 1756 wurden die steilen Felsenhänge mit Bergmannskotten besiedelt:
„Baron von Schirp … überließ den Köttern häufig eine zwischen 4 und 8 preuß(ischen, Verf.) Morgen große Waldparzelle, die zunächst gerodet (und in Steillagen terrassiert, Verf.) werden mußte. Der sogen(annte, Verf.) ‚Rottländer‘ errichtet dann auf eigene Kosten ein bescheidenes Fachwerkwohnhaus mit Stallanbau und Backhaus, wozu auch oft das nötige Bauholz aus eigenem Ankauf stammt; selten wird es vom Baron angekauft oder gar gestellt. Verpachtet wurde der Baugrund je nach Bauzeit zwischen 10 und 20 Jahre, also als Zeitpacht ohne weitergehende Verpflichtung des Grundstücksbesitzers. Die jährliche Pachtleistung betrug zwischen 9 und 13 Reichstaler und häufig einige Tage Dienst ‚auf dem Schloß‘. In allen Fällen waren die Erbauer Bergleute und auf den nahen Zechen Bredeneys und Heisingens beschäftigt; teilweise sogar im Bredeneyer Berg und damit in Sichtweite ihrer Wohnstätten“ (Schmitz 1998, S. 72).
Bis 1869 hatten sich hier 32 Wohnstätten etabliert (Schmitz 2008, S. 105). Da die Pächter nur ein „geringes und ungewisses Recht … an ihren Pachtobjekten“ besaßen (Schmitz 1998, S. 74), forderten sie 1826 und 1848 erfolglos die Abschaffung der Pachtherrschaft.

Um 1900 war „das großflächige und überwiegend steil abfallende Gelände – deshalb auch Baldeneyer Berg genannt – im Wesentlichen abgeholzt und wurde durch eine große Anzahl von Bergleuten, wohnhaft in ihren kleinen Fachwerkkotten, auch landwirtschaftlich genutzt“ (Schmitz 1998, S. 69). Des weiteren „entstanden schon früh namhafte Ausflugslokale als kleine Kaffeewirtschaften mit selbstgebackenem Kuchen und Milch aus eigener Produktion“ (Schmitz 1998, S. 69). 1907 kaufte die aufstrebende Großstadt Essen den damals 307 preußischen Morgen großen Privatbesitz, der seinem Wesen nach eigentlich nicht veräußerbar war.

Dieser Siedlungsbereich wurde im Süden vom Ruhrufer (heute Baldeneysee), im Westen vom ausgebauten Markenweg der Mark Langenbrahm (Verlauf der heutigen Lerchenstraße) und im Nordosten von der alten Grenze zwischen dem Werdener und dem Rellinghausener Stiftsgebiet (in etwa heutige Stadtteilgrenze) begrenzt (vgl. Schmitz 1998, S. 69-73 sowie Schmitz 2008, S. 101, 105).

(Kathrin Lipfert, LVR-Fachbereich Umwelt, 2010)

Literatur

Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster der Stadt Essen (Hrsg.) (o.J.)
Topographische Karte des Stadt- und Landkreises Essen 1894 von August Hofacker. Essen.
Landesvermessungsamt NRW (Hrsg.) (2005)
Historika 25, Historische topographische Karten des heutigen Nordrhein-Westfalen im Wandel der Zeit, Blatt 4508 - Essen. Bonn.
Schmitz, Herbert (2008)
Adelige Familien als Diener dreier Herren. In: Geschichten aus der Werdener Geschichte 6, S. 7-110. o. O.
Schmitz, Herbert (1998)
Bredeney - Rittersitze, Höfe, Kotten und ihre Bewohner. Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte. S. 69-96, Bottrop, Essen.

Kottensiedlung Baldeneyer Berg in Bredeney

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1756, Ende nach 1907
Koordinate WGS84
51° 24′ 37,75″ N, 7° 01′ 28,45″ O / 51.41049°, 7.02457°
Koordinate UTM
32U 362617.58 5697325.66
Koordinate Gauss/Krüger
2571328.21 5697812.25

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„Kottensiedlung Baldeneyer Berg in Bredeney”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-2711-20101205-2 (Abgerufen: 22. Oktober 2017)
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