Wohnhaus, Saemischstraße 2-4

ehemaliges Abgeordneten-Wohnhaus

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Kurzbeschreibung des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland

Saemischstraße 2 - 4
Abgeordneten-Wohnhaus

Baujahr: 1959/60
Architekt: Karl Selg (1918-1981), Karlsruhe/Bonn
Gartenarchitekt: Heinrich Raderschall, Bonn
Bauherr: Bundesrepublik Deutschland
Letzte Nutzung: Abgeordneten-Apartments, später z. T. privat vermietet

Langgestreckter, dreigeschossiger Baukörper mit Flachdach, in Form eines Laubenganghauses mit 65 Einzelapartments. Obergeschosse vorkragend mit verglasten Korridoren zur Saemischstraße und zwei vorgestellten, leicht trapezförmigen, dreiseitig geschlossenen Treppenhäusern, die die Obergeschosse erschließen und über die Traufhöhe hinausragen und den langgestreckten Baukörper gliedern.
Rückwärtig überdachte Balkone, durch Trennwände zwischen den einzelnen Wohneinheiten in längsrechteckige Felder geteilt, durch durchgehende hell abgesetzte Deckenbänder und Geländer horizontal betont. An der Eingangsseite Haustüren aus Holz mit Briefkastenschlitz, seitlich jeweils Oberlichtfensterband, Holzfenster (teilweise in Kunststoff ergänzt), zum Garten Tür-/Fensterkombination über die ganze Breite und raumhoch bis auf niedrige Fenstersockel, ebenfalls in Holz. Die Apartments erstreckten sich über die ganze Tiefe des Hauses und sind durch Trennwände in Küche Bad und Schlafnische unterteilt. Die rückwärtigen Erdgeschosse öffneten sich zur gemeinsamen Gartenanlage mit den Apartmenthäusern in der Heussallee. Neue Briefkasentanlagen seitlich an den Treppentürmen.

Das Objekt war bedeutend für die Geschichte der Bundesrepublik und die Stadt Bonn als Bundeshauptstadt als Zeugnis des Wohnungsbaus für Abgeordnete („Bonner auf Zeit“) im Regierungsviertel in unmittelbarer Nähe der Bundesorgane. Bauherrin war die Bundesrepublik Deutschland, die damit die Unterbringung von Abgeordneten in verstreuten Privatquartieren und Hotels in einem „hauseigenen“ Block veranlasste, der später um die drei Apartmenthäuser in der Heussallee erweitert wurde (1964/65), und damit auch eine Konsolidierung des „Provisoriums“ darstellte.
Architektonisch nahm der Baukörper als langgestreckter Flachbau Bezug auf das Bundeshaus. Auch der Typus des Laubenganghauses geht architekturgeschichtlich auf die frühen 20er Jahre zurück, wo er zunächst in Holland Verbreitung fand („Galeriebau“) und für Kleinstwohnungen entwickelt wurde. Von einer Haupttreppe aus waren die Wohnungen über einen gemeinsamen Außengang erreichbar. Ernst May prägte 1929 den Begriff des „Außenganghauses“ für den Typus, der vornehmlich, wie auch hier, eine Ostwestausrichtung hat, wobei der Gang sich in der Regel im Norden befindet und die Räume sich nach Süden öffnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand das Laubenganghaus als moderne Wohnform größeren Eingang in den Wohnungsbau, wovon auch in Bonn, im Rahmen der raschen Unterbringung der zahlreichen Zuzügler, einige Beispiele erhalten sind (u.a. HICOG-Siedlungen Tannenbusch und Muffendorf, Hindenburgallee von Sep Ruf).
In seiner konsequenten Klarheit und Eleganz war der Block ein Beispiel des „modernen Wohnens“ inmitten des Regierungsviertels und schloss sich städtebaulich, nicht zuletzt durch die einheitliche Grüngestaltung, mit den Apartmenthäusern an der Heussallee in funktionaler Einheit zu einen „Apartment-Block“ zwischen Saemischstrasse, Heussallee, Görres- und Dahlmannstrasse zusammen, auch war der Baukörper unverzichtbarer Bestandteil des Regierungsviertels.

2000 beantragte das LVR-Amt für Denkmalpflege die Eintragung in die Denkmalliste, das Objekt wurde jedoch 2006 abgebrochen, auch die Saemischstraße besteht heute nicht mehr.

(Angelika Schyma, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2006)

Literatur

Denk, Andreas / Flagge, Ingeborg (1997)
Architekturführer Bonn. S. 97, Berlin.
Elsässer, Martin / Jaspert, Reinhard (1957)
Handbuch moderner Architektur - eine Kunstgeschichte der Architektur unserer Zeit vom Einfamilienhaus bis zum Städtebau. Berlin.
Flagge, Ingeborg (1999)
1945 bis heute. Aufbau, Neubau, Umbau. (Geschichte des Wohnens, Band 5.) Stuttgart.
Zänker, Ursel (1969)
Bauen im Bonner Raum 49-69: Versuch einer Bestandsaufnahme. (Kunst und Altertum am Rhein 21.) Düsseldorf.

Wohnhaus, Saemischstraße 2-4

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1959 bis 1960, Ende 2006
Koordinate WGS84
50° 43′ 4,66″ N, 7° 07′ 24,86″ O / 50.71796°, 7.12357°
Koordinate UTM
32U 367539.93 5620141.15
Koordinate Gauss/Krüger
2579392.04 5620873.84

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Wohnhaus, Saemischstraße 2-4”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-18543-20111006-20 (Abgerufen: 21. September 2017)
Seitenanfang