Finnensiedlung in Höhenhaus

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Die Holzdoppelhaussiedlung „Finnensiedlung“ entstand mit nationalsozialistisch-ideologischem Hintergrund ab 1944 für ausgebombte Kölner Arbeiterfamilien. Das Holz soll aus Finnland stammen (2015).

    Die Holzdoppelhaussiedlung „Finnensiedlung“ entstand mit nationalsozialistisch-ideologischem Hintergrund ab 1944 für ausgebombte Kölner Arbeiterfamilien. Das Holz soll aus Finnland stammen (2015).

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    Gelhar, Martina / LVR-Abteilung Landschaftliche Kulturpflege
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Die Finnensiedlung in Köln-Höhenhaus ist eine reine Holzhaussiedlung vom Typ der Gartenstadtsiedlung, die ab Ende 1942 entstand. Sie besteht aus freistehenden Doppelhäusern mit Satteldach und Dachgauben, die Fassaden sind aus dunkel gebeiztem Holz, die Fenstern und Türrahmen sind weiß abgesetzt. Die Grundstücke sind ungefähr 400 Quadratmeter groß, die Vorgärten sind zum Teil heute noch von Hecken und Zäunen eingefasst. Die Gärten hinter den Häusern waren ursprünglich Nutzgärten. Die Siedlung steht unter seit 1989 Denkmalschutz (Wohnhäuser als Einzeldenkmale).

Entstehungsgeschichte
Die Quellenlage zur Entstehung der Siedlung ist sehr schlecht, so ist zum Beispiel die Namensgebung nicht belegt. Vermutungen gehen in die Richtung, dass die Baumaterialien ein Geschenk der finnischen Reichsregierung für die Hilfe der deutschen SS während des finnisch-norwegischen Krieges 1939/40 gewesen sein sollen. Über den Transport des Holzes gibt es aber keine Belege. Im Hinblick auf die Entstehung weiterer „Finnensiedlungen“ in Deutschland ist eine vergleichbare Genese aber wahrscheinlich: zur Zeit des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion 1941 trat Finnland an die deutsche Regierung mit dem Wunsch heran, Häuser gegen Getreide und Waffen zu tauschen und lieferte zwischen 1942 und 1944 die in Finnland serienmäßig gefertigten Häuser.
Der Gesamtgrundriss der Siedlung soll einen Finnendolch nachbilden, da die Siedlung aber unvollendet blieb, ist diese Metapher nur zu erahnen. Den Bau der Siedlung koordinierte die Neue Heimat, eine Siedlungsgesellschaft der Deutsche Arbeiterfront (DAF), die dazu auch Zwangsarbeiter einsetzte. Die Siedlung sollte bombengeschädigten Familien der „wehrwichtigen Betriebe“, die nach dem „1000-Bomber-Angriff“ vom 30./31. Mai 1942 auf Köln obdachlos geworden waren, neuen Wohnraum bieten. Die Häuser wurden durch Kölner Firmen wie Felten&Guillaume, Waggon und Anhängerbau Köln oder die Radium Werke erbaut.

Kulturhistorische Bedeutung
Die Finnensiedlung repräsentiert die durch die Nationalsozialistische Regierung betriebene Siedlungsbaupolitik während des Zweiten Weltkriegs, ihr Entstehungshintergrund ist politisch-ideologisch. Sie repräsentiert zugleich die Typenhausbebauung am Kölner Stadtrand in den 1930er Jahren. Die Siedlung ist im ursprünglichen Bestand und weitgehend unverändert erhalten und in ihrer Art einzigartig in Köln. Sie steht entwicklungsgeschichtlich in einer Reihe mit weiteren 35 „Finnensiedlungen“ in Deutschland und Österreich, so zum Beispiel in Berlin-Schöneberg und Kladow sowie Bordesholm. In Köln entstanden weitere Finnensiedlungen in Zündorf (ab 1939 für die Angehörigen der Firma Aerostahl, daher Luftwaffensiedlung genannt; heute durch individuelle Modernisierungen im Bestand sehr stark verändert), in Rath (für Reichsbahner) und in Junkersdorf. Die Siedlung ist die größte und am besten erhaltene der Finnensiedlungen Kölns und auch deutschlandweit von hohem Seltenheitswert.

(Martina Gelhar, LVR-Fachbereich Landschaftliche Kulturpflege, 2015)

Internet
Bilderbuch Köln: Denkmalbeschreibung eines Wohnhauses in der Finnensiedlung (abgerufen am 07.07.2015)

Literatur

Heinen, Werner / Pfeffer, Anne-Marie / Stadt Köln (Hrsg.) (1988)
Köln: Siedlungen 1888-1938. (Stadtspuren, Denkmäler in Köln 10,1.) Köln.
Landeskonservator Rheinland (Hrsg.) (1979)
Denkmälerverzeichnis 12.7, Köln, Stadtbezirk 9 (Mülheim). Köln.

Finnensiedlung in Höhenhaus

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1942 bis 1950
Koordinate WGS84
50° 59′ 27,84″ N, 7° 02′ 25,87″ O / 50.99107°, 7.04052°
Koordinate UTM
32U 362483.1 5650659.11
Koordinate Gauss/Krüger
2573098.59 5651168.55

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„Finnensiedlung in Höhenhaus”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-131329-20150707-2 (Abgerufen: 23. Februar 2018)
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