Jüdischer Friedhof Bedburdyck

vermutlich mit benachbarter Synagoge

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Jüchen
Kreis(e): Rhein-Kreis Neuss
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 07′ 4,68″ N: 6° 33′ 37,41″ O / 51,11797°N: 6,56039°O
Koordinate UTM 32.329.258,92 m: 5.665.773,82 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.539.281,68 m: 5.664.919,60 m
  • Auschnitt einer Katasterkarte von 1811 aus dem Archiv im Rhein-Kreis Neuss im Bereich des damaligen Rederhofs an der Gierather Straße in Jüchen-Bedburdyck.

    Auschnitt einer Katasterkarte von 1811 aus dem Archiv im Rhein-Kreis Neuss im Bereich des damaligen Rederhofs an der Gierather Straße in Jüchen-Bedburdyck.

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  • Blick von Westen auf das Dorf Bedburdyck (2014)

    Blick von Westen auf das Dorf Bedburdyck (2014)

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  • Blick auf das zu Jüchen gehörende Dorf Bedburdyck, durch das der Jüchener Bach fließt (2014).

    Blick auf das zu Jüchen gehörende Dorf Bedburdyck, durch das der Jüchener Bach fließt (2014).

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Die jüdische Gemeinde seit dem frühen 19. Jahrhundert:
Bedburdyck gehörte als Filiale zur Synagogengemeinde Jüchen; 1932 angeschlossen an Jüchen.
Gemeindegröße um 1815: 76 (1822), um 1880: 50 (1885), 1932: 9 / 14 (1935), 2006: –.
Synagoge: Die alte Synagoge aus dem 18. Jahrhundert wurde 1834 (im Kontext des Pogroms von Neuenhoven) verwüstet. Erst in den 1860er Jahren wurde eine neue Synagoge erbaut, die 1938 verkauft wurde. Das Gebäude wurde trotzdem im Novemberpogrom verwüstet und im folgenden Jahr abgerissen (vorstehende Angaben alle nach Reuter 2007).

Die Pogrome von 1834
Noch im 19. Jahrhundert kam es im Rheinland wiederholt zu offenbar an mittelalterliche Ritualmordlegenden anknüpfende antisemitische Pogrome. Meist blieben die Ausschreitungen lokal begrenzt, konnten sich aber auch als „Wellen der antijüdischen Empörung“ weiter ausbreiten (Rohrbacher u. Schmidt 1991). Zu nennen sind u.a. Pogrome in Dormagen 1819, Willich bei Krefeld 1835, Düsseldorf 1836, Jülich 1840, Xanten 1891/92, Kempen 1893 oder Issum 1898.
Nach einem am 15. Juli 1834 begangenen Sexualverbrechen an einem Jungen, welches nie aufgeklärt wurde, kam es in der Folge wochenlang zu schweren Exzessen mit Krawallen, Plünderungen und sogar Mordversuchen gegen Juden. In jener Zeit wurden für ungeklärte Vorfälle gerne „die Juden“ verantwortlich gemacht. Die Pogrome in den heutigen Ortsteilen von Jüchen Neuenhoven, Bedburdyck und Stessen weiteten sich über Grevenbroich, Rommerskirchen, Neuss und Güsten (heute Stadt Jülich) bis nach Düsseldorf, Aachen und Xanten aus. Die Ausschreitungen konnten teils erst durch preußisches Militär unterbunden werden, da die örtlichen Gendarmerien vielfach nicht eingriffen.

Friedhof
Reuter (2007) berichtet zu Bedburdyck: „Der ältere Friedhof, der bis etwa 1827 von den Juden von Bedburdyck benutzt wurde, liegt heute auf dem Gebiet von Hemmerden, ebenso der jüngere von 1827, der den Juden beider Orte als Begräbnisort diente.“
Dies kann jedoch mit Blick auf die beiden gerne miteinander verwechselten Begräbnisplätze in Hemmerden und in Bedburdyck so nicht stimmen, wie jüngere Recherchen von Herrn Michael Salmann vom Geschichtsverein Jüchen für eine Publikation zur Geschichte der Stadt Jüchen aufzeigen.
Diese lassen aufgrund der historischen Beschreibungen, der Einsicht alter Katasterunterlagen beim Archiv des Rhein-Kreises Neuss und weiterer Nachforschungen den früheren Standort des jüdischen Friedhofs Bedburdyck mit der vermutlich direkt daneben in Richtung Ortsmitte liegenden Synagoge auf der Fläche unter den heutigen Adressen der Grundstücke Gierather Straße 22 bis 26 und Rederhof 73 vermuten:
„Etwa unter der heutigen Anschrift Gierather Straße 22 hatte sich der bereits im Mittelalter erwähnte Reder- oder Reiderhof befunden und ebenfalls dort am Ortsausgang in Richtung Gierath soll nach Jakob Bremer (1959) auch die erste Synagoge von Bedburdyck gelegen haben.“
Demnach stammt der auf 1809 datierte älteste der noch 39 erhaltenen Grabsteine des Judenfriedhofs in Hemmerden (heute zu Grevenbroich) möglicherweise vom Vorgängerfriedhof in Bedburdyck, den seinerzeit „die Erben von Pütz in Köln wieder an sich“ nahmen.

Lage und Objektgeometrie
Michael Salmann belegt die vermutete Lage von Friedhof und Gotteshaus wie folgt:
„Dieser Friedhof muss auf dem Gelände des Rederhofs an der Gierather Straße gelegen haben und wurde vermutlich wegen des Verkaufs des Rederhofs an die Erben von Heinrich Strerath 1826/27 aufgegeben. Für jüdische Friedhöfe ist das äußerst ungewöhnlich, da sie eigentlich auf ewig angelegt werden. Dort am Ortsrand in Richtung Gierath stand wohl auch die alte jüdische Synagoge. Sie wurde im Rahmen des Neuenhovener Pogroms 1834 zerstört. Möglicherweise war die Synagoge südlich direkt an den Rederhof angebaut, was vorgenannten Angaben und die Katasterkarte aus dem Jahr 1811 vermuten lassen. Das auf der Karte als Flurstück 607 gekennzeichnete Grundstück war vermutlich der erste jüdische Friedhof.“
Ein Auschnitt der vorgenannten Katasterkarte von 1811 zeigt den Rederhof, in dessen südlich gelegenem Anbau sich vermutlich die Synagoge befand und daneben auf dem Flurstück 607 wahrscheinlich der jüdische Friedhof (vgl. Abbildung): „Es wird vermutet, dass der Neubau des Rederhofs unter der früheren Hausnummer Bedburdyck 87 auf den Grundstücken ‚In der Bausch 8 und 10‘ in der Zeit zwischen 1834 und 1840 errichtet wurde.“

Die historischen Karten der Topographischen Aufnahme der Rheinlande (1801-1828) wie auch die Blätter der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme lassen den Begräbnisplatz nicht erkennen (vgl. Kartenansicht).
Die hier eingezeichnete Objektgeometrie folgt daher den Ausführungen vorab und stellt den jüdischen Friedhof im Bereich der heutigen Gierather Straße 22/26 dar.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2011/2021 / Pia Stender, Geographisches Institut Universität Bonn, 2014 / freundliche Hinweise von Herrn Michael Salmann, Geschichtsverein Jüchen e.V., 2021)

Internet
www.uni-heidelberg.de, Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland (abgerufen: 10.06.2011, Inhalt nicht mehr verfügbar 03.02.2021)

Literatur

Bremer, Jakob (1959)
Die reichsunmittelbare Herrschaft Dyck der Grafen, jetzigen Fürsten zu Salm-Reifferscheidt. Grevenbroich.
Pracht-Jörns, Elfi (2000)
Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil II: Regierungsbezirk Düsseldorf. (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland 34.2.) S. 464-466, Köln.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 27, Bonn.
Rohrbacher, Stefan; Schmidt, Michael (1991)
Judenbilder. Kulturgeschichte antijüdischer Mythen und antisemitischer Vorurteile. (Rowohlts Enzyklopädie 498.) Reinbek bei Hamburg.

Jüdischer Friedhof Bedburdyck

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Gierather Straße / Rederhof
Ort
41363 Jüchen - Bedburdyck
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1809, Ende 1826 bis 1827

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„Jüdischer Friedhof Bedburdyck”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-11986-20110610-5 (Abgerufen: 17. April 2021)
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