Streuobstwiese im Nüssenberger Busch

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Streuobstwiese Nüssenberger Busch in Köln-Ossendorf (2014)

    Streuobstwiese Nüssenberger Busch in Köln-Ossendorf (2014)

    Copyright-Hinweis:
    NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln
    Fotograf/Urheber:
    Hannah Brüggemann
    Medientyp:
    Bild
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  • Verbliebene Bäume auf der Wiese im Nüssenberger Busch (2014)

    Verbliebene Bäume auf der Wiese im Nüssenberger Busch (2014)

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Für den Begriff „Streuobstwiese” gibt es, was seine Herkunft betrifft, zwei Theorien. Die eine führt ihn darauf zurück, dass auf den Wiesen sowohl Mahdgut als “Einstreu” für die Tierhaltung als auch Obst gewonnen wurde, die andere besagt, der Begriff hätte seinen Ursprung in der verstreuten Anordnung der Bäume auf der Wiese im Gegensatz zu den akkuraten Reihen einer Plantage.

Streuobstwiese im Nüssenberger Busch
Die Streuobstwiese im Nüssenberger Busch wurde in den 1980er Jahren gemeinsam von NABU und BUND angelegt. Sie war eine von mehreren Maßnahmen des Pflege- und Entwicklungskonzeptes, um dieses Gebiet ökologisch aufzuwerten. Gepflanzt wurden in erster Linie Apfelsorten, aber auch Birnen und Kirschen in unterschiedlichen Stückzahlen. Die ungefähr 20 Hochstämme stehen locker verstreut auf der eher kleinen, etwa 1.500 m² messenden Fläche. Seit einiger Zeit wurde die Wiese nicht mehr gepflegt, mehrere Bäume sind abgängig.

Der Beginn der Obstnutzung liegt weit zurück. In um die 4.000 Jahre alten Siedlungen am Bodensee wurden Überreste von Holzapfel und Holzbirne gefunden, Wildformen, die geschmacklich weit von den Kulturäpfeln, die wir heute kennen, entfernt sind. Sie waren holzig und bitter. Diese Kulturformen von Apfel und Birne kommen aus dem Orient. Von dort gelangten sie vor allem durch die Griechen und Römer nach Südeuropa. Mit dem Untergang des römischen Reiches ist auch viel Wissen über den Obstbau verloren gegangen. Trotzdem gab es auch im Mittelalter Obstgärten. Wie so vieles zu dieser Zeit, wurde auch das Wissen über den Obstbau vor allem in Klöstern bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben. Als die Städte weiter wuchsen, begannen die Menschen dann Streuobstwiesen in und um die Städte herum anzulegen und nutzten das Obst zur Selbstversorgung.
Am stärksten war der Streuobstbau in Deutschland zwischen 1930 und 1955 verbreitet. Mit dem Aufkommen des Erwerbsobstbaus Ende des 19. Jahrhunderts begannen ein immer stärker werdender Sortenrückgang und der Verlust von hochstämmigen Obstbäumen. Zum einen wurde empfohlen, nur noch wenige „Standard-Sorten” anzubauen. Zum anderen wurden staatliche Abholzungsprämien für die restlichen “unwerteren Sorten” gezahlt. Waren es in der Hochzeit des Streuobstbaus rund 1,5 Millionen Hektar allein in Deutschland, ist der Bestand an Obstbäumen inzwischen um fast drei Viertel zurückgegangen. Obst wird immer weniger selbst produziert, stammt aus Plantagenanbau und wird immer häufiger aus fernen Erdteilen importiert. Die zum Teil extrem weiten Transportwege (zum Beispiel aus Chile oder Argentinien) schädigen das Klima.

Bedeutung von Streuobstwiesen
Heutzutage haben die verbliebenen Streuobstwiesen eine wesentlich geringere Bedeutung für die Bevölkerung als dies früher der Fall war. In erster Linie stellen sie keinen Lebensmittelvorrat sondern einen Lebensraum dar. Viele Arten haben sich im Laufe der Jahre auf den Lebensraum Streuobstwiese eingestellt und sich angepasst. Als Lebensraum ist die Streuobstwiese so wichtig und zugleich aber auch so selten, dass sie auf der Roten Liste steht, als einer der artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas. Ein hochstämmiger Obstbaum bietet auf mehreren Stockwerken Lebensraum für viele seltene Vögel, Kleinsäuger und Insekten, wie u.a. den Steinkauz, Grün- und Buntspecht, Siebenschläfer und Fledermäuse. Damit haben der Schutz und die Pflege der Streuobstwiesen eine hohe kulturelle Bedeutung für die Region, aber auch eine hohe wissenschaftliche Bedeutung für den Erhalt der biologischen und genetischen Vielfalt.

(Hannah Brüggemann, NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln, 2014)

Quellen
Persönliche Gespräche mit Herrn Ulrich Brandenburg über die Streuobstwiesen im äußeren Grüngürtel am 07.08.2014 und mit Herrn Klaus Simon über das Pflege- und Entwicklungskonzept der 80er Jahre für den Nüssenberger Busch am 07.08.2014.

Internet
praxistipps.lbv.de: Geschichte der Streuobstwiese (abgerufen 18.08.2014)
www.nabu-naturschutzstation-muensterland.de: Geschichte der Streuobstwiesen (abgerufen 18.08.2014)

Literatur

Blume, Cornelia (2010)
Die Streuobstwiese – Vielfalt erhalten, Lebensräume schaffen, Besonders genießen. Darmstadt.

Streuobstwiese im Nüssenberger Busch

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Johannesstraße
Ort
50827 Köln - Ossendorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1980 bis 1989
Koordinate WGS84
50° 59′ 25,49″ N, 6° 52′ 59,81″ O / 50.99041°, 6.88328°
Koordinate UTM
32U 351447.08 5650891.4
Koordinate Gauss/Krüger
2562060.05 5650951.57

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„Streuobstwiese im Nüssenberger Busch”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-108483-20141124-3 (Abgerufen: 15. August 2018)
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