Ortsname
Werthhoven hieß lange Zeit Pissenheim und erhielt erst im Jahr 1934 seinen heutigen Namen.
Bei seiner ersten schriftlichen Erwähnung in der fränkischen Zeit wird der Ort als Pisinhaim bzw. Pisinheim geführt. Im Codex der Fürstenabtei Lorsch in Hessen wird zum 11. Dezember 770 die Schenkung eines Wigbert angeführt, der dem Kloster Lorsch Pissenheim und umliegende Orte überlässt.
Später erscheinen dann die Namensformen Piscenheim (856), um 898 Pissunhaim und noch Pistenheim, auf denen der über Jahrhunderte hin geführte Ortsname Pissenheim zurückgeht. Der oft falsch verstandene und als anrüchig empfundene einstige Name findet sich heute noch in der umgangssprachlichen Bezeichnung Pössem für Werthhoven.
Der Wortlaut der Urkunde zur Umbenennung von Pissenheim in Werthhoven lautet wie folgt:
„Der Name der Landgemeinde Pissenheim, Kreis Bonn, wird in Werthhoven geändert. Berlin, den 26. März 1934, Das Preußische Staatsministerium, Minister des Inneren.“
Der heutige Name geht auf die ältest belegte Hofanlage des Ortes zurück, dem auf einem fränkischen Gutshof zurückgehenden Werther Hof, der sich einst im Besitz des Benediktinerinnenklosters Nonnenwerth befand (Rolandswerth bei Remagen).
Ortsgeschichte
Funde von Scherben und Siedlungsreste lassen eine erste Ansiedlung bei Werthhoven während der Jungsteinzeit vermuten, römische Siedlungsspuren fanden sich im Bereich Erlenmaar in Richtung des Radoms Wachtberg und beim Heiligenhäuschen „im Dal“. Der Ort liegt auf einer römerzeitlichen Vermessungslinie, die von Lannesdorf über das Cäcilien Heidchen und Werthhoven nach Bölingen lief (www.werthhoven.de).
In der Karte Die Rheinprovinz im Jahre 1789, Uebersicht der Staatsgebiete im Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz von Wilhelm Fabricius findet sich die Siedlung „Pissenheim“ im Bereich „Land Burggrafschaft Drachenfels“ verzeichnet. In den zugehörigen Erläuterungen wird für „Pissenheim (Bonn-Land)“ im Bereich der zum Amt Godesberg-Mehlem des Kurfürstentums Köln gehörenden Unterherrschaft „Burggrafschaft Drachenfels“ eine Gemarkungsgröße von 332 Hektar bei 23 Häusern laut der Zählung aus dem Jahr 1670 genannt. Pfarrort ist der nördliche Nachbarort Berkum im Dekanat Ahr der Diözese Köln (Fabricius 1898, S. 61, Nr. 105). Laut einem Statusbuch von 1614 gehörten seinerzeit Güter in Pissenheim über eine Schultheiserei Houveroth (heute Stadtteil Houverath von Bad Münstereifel, Kreis Euskirchen) zur Grafschaft Blankenheim (Fabricius 1898, S. 349).
Während der Franzosenzeit (1794-1814/15) gehörte die Ortschaft Pissenheim ab dem Jahr 1798 zur Mairie (Bürgermeisterei) Villip des Kantons Bonn und anschließend zu der 1816 aus dieser Mairie gebildeten preußischen Bürgermeisterei Villip (ab 1927 Amt Villip) im Landkreis Bonn.
Zum 1. August 1969 wurde Werthhoven schließlich durch das „Bonn-Gesetz“ (Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn) zusammen mit weiteren Ortschaften in die zum gleichen Datum neu entstandene Gemeinde Wachtberg eingemeindet.
Pissenheim / Werthhoven auf historischen Karten, Objektgeometrie
Die historischen Karten der Topographischen Aufnahme der Rheinlande (1801-1828, Tranchotkarte) lassen erkennen, dass die historische Siedlungsfläche von Pissenheim entlang der heutigen Ahrtalstraße (mit einem augenfälligen Knick bei der Mündung des Züllighovener Wegs) sowie der Fuchskaule entstanden ist.
Die nur wenig jüngeren Karten der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme wie auch die Blätter der wiederum etwas späteren Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) bis hin zu den topographischen Karten TK 1936-1945 (mit nunmehr Werthhoven) lassen kaum eine Ausdehnung der Siedlungsflächen erkennen.
Die hier eingezeichnete Objektgeometrie stellt die erkennbar besiedelte Fläche des Orts von etwa 13,7 Hektar zur Zeit der Neuaufnahme um das Jahr 1900 dar.
Ortsbild und -entwicklung
Eine Vergrößerung der Siedlungsflächen des Orts auf nunmehr knapp 30 Hektar Fläche erfolgte erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Nordwesten hin im Bereich der Straßen Am Nussbäumchen und Am Feldpütz sowie nach Süden hin an der der Birresdorfer Straße und Zum Rheintal.
Werthhoven ist heute noch über zahlreichen Höfe landwirtschaftlich geprägt, größere Geschäfte gibt es in dem kleinen Ort nicht.
Die sich südwestlich von Werthhoven an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz auf 269 Meter über Normalnull erhebende „Wachtberger Höhe“ ist der höchste Punkt der Umgebung.
Im Westen des Ortes entspringt am Ende der Kapellenstraße der Eichenackersbach bzw. Kernbach, der sich nördlich des Nachbarorts Oedingen einen 800 Meter langen Abstecher über Rheinland-Pfalz gönnt, bevor er dann nach mehreren Zusammenflüssen als Mehlemer Bach bei Bad Godesberg in den Rhein mündet.
Die dem heiligen Jakobus dem Älteren geweihte St.-Jakobus-Kapelle im Werthhovener Ortszentrum wird bereits erstmals in einer Schenkungsurkunde von 898 erwähnt. Die schiefergedeckte Kapelle mit einem schwer wirkenden Dachreiter und kleinem Chor gilt damit als eine der ältesten Kapellen im Rheinland. Die der Kölner Malerschule zugeschriebene Pietà - eine Darstellung Marias Schmerzensmutter - stammt aus dem 15. Jahrhundert, der Altar aus der Zeit des Barock.
Am Züllighovener Weg findet sich mit dem Weißen Kreuz ein frommes Kleindenkmal aus dem 19. Jahrhundert. Das steinerne Kreuz auf einer dreistufigen Basis trägt die Inschrift Jesus * Maria * Joseph und auf dem Sockel steht:
Dass Du die Früchte / der Erde geben / und erhalten wollest
Wir bitten Dich / erhöre uns
Errichtet von den / Einwohnern Pissenheims 1888
(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)
Internet
www.wachtberg.de: Werthhoven (abgerufen 30.10.2026)
www.werthhoven.de: Bürgerverein Werthhoven 1972 e.V., Ortsgeschichte (abgerufen 30.10.2026)
de.wikipedia.org: Werthhoven (abgerufen 30.10.2026)
de.wikipedia.org: Bürgermeisterei Villip (abgerufen 30.10.2026)
recht.nrw.de: Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn (abgerufen 06.11.2025)