Römische Wasserleitung vor dem Bahnhof in Kall

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Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Kall
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 32′ 19,31″ N: 6° 33′ 22,94″ O 50,5387°N: 6,55637°O
Koordinate UTM 32.326.846,98 m: 5.601.379,98 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.539.485,92 m: 5.600.477,84 m
  • Kall, Bahnhofplatz mit Springbrunnen und Bahnhofsgebäude (2025). In der Mitte die Relikte der römischen Eifelwasserleitung (2025)

    Kall, Bahnhofplatz mit Springbrunnen und Bahnhofsgebäude (2025). In der Mitte die Relikte der römischen Eifelwasserleitung (2025)

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  • Römische Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall (1929). Blick auf den Römerkanal im Kalksteinbruch des Zementwerks Sötenich.

    Römische Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall (1929). Blick auf den Römerkanal im Kalksteinbruch des Zementwerks Sötenich.

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  • Römische Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall (1989). Der Rest des Römerkanals im Sötenicher Zementwerk vor der Freilegung und Bergung.

    Römische Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall (1989). Der Rest des Römerkanals im Sötenicher Zementwerk vor der Freilegung und Bergung.

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  • Römische Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall (1989). Der freigelegte Rest des Römerkanals im Sötenicher Zementwerk, Blick Richtung Nordost. Das Gewölbe ist abgetragen.

    Römische Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall (1989). Der freigelegte Rest des Römerkanals im Sötenicher Zementwerk, Blick Richtung Nordost. Das Gewölbe ist abgetragen.

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  • Römische Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall (1989). Zwei aus den Resten des Römerkanals im Sötenicher Zementwerk 1989 zusammengesetzte Teilstücke. Das vordere wurde am Bahnhof in Kall aufgestellt.

    Römische Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall (1989). Zwei aus den Resten des Römerkanals im Sötenicher Zementwerk 1989 zusammengesetzte Teilstücke. Das vordere wurde am Bahnhof in Kall aufgestellt.

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  • Römische Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall. Bemaßte Skizze zu dem 1989 durch Klaus Grewe dokumentierten Abschnitt des Römerkanals im Kalksteinbruch des Zementwerks Sötenich.

    Römische Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall. Bemaßte Skizze zu dem 1989 durch Klaus Grewe dokumentierten Abschnitt des Römerkanals im Kalksteinbruch des Zementwerks Sötenich.

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  • Luftbild mit dem Verlauf des Römerkanals im Sötenicher Zementwerk. Der Stern markiert die Fundstelle des am Bahnhof Kall aufgestellten Teilstücks (Grafik: Natascha Schmitz/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Grundlage: Geobasis NRW 2026)

    Luftbild mit dem Verlauf des Römerkanals im Sötenicher Zementwerk. Der Stern markiert die Fundstelle des am Bahnhof Kall aufgestellten Teilstücks (Grafik: Natascha Schmitz/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Grundlage: Geobasis NRW 2026)

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Auf dem großzügigen, neu gestalteten Vorplatz am Bahnhof Kall wurde ein Teilstück der römischen Wasserleitung aus der Eifel nach Köln aufgestellt.

Die römische Eifelwasserleitung
Die Wasserleitung aus der Eifel nach Köln ist der größte antike Technikbau nördlich der Alpen. Als eines der populärsten Bodendenkmäler des Rheinlandes ist sie entlang des Römerkanal-Wanderweges noch heute vielfältig erlebbar. Im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. stellte der 95,4 Kilometer lange Aquädukt über mindestens 190 Jahre die Wasserversorgung der niedergermanischen Provinzhauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) sicher. Er ersetzte die seit 30 nach Christus bestehenden Vorgebirgsleitungen und versorgte die Stadt täglich mit 20 Millionen Litern besten Trinkwassers aus der „Sötenicher Kalkmulde“ bei Kall, einer geologischen Muldenstruktur in der Nordeifel.
Planung, Trassierung und Ausführung sind Glanzleistungen antiker Ingenieurskunst. Die Leitung überwand auf ihrer Strecke einen Höhenunterschied von rund 350 Metern sowie alle natürlichen Hindernisse. Als Freispiegelleitung war sie dazu in ihrem Verlauf an das Geländerelief angepasst und wies ein wechselndes Gefälle zwischen 0,1 Prozent und 4,5 Prozent auf.

Aufbau der Wasserleitung
Der aus massivem Stein- und Gussmauerwerk (opus caementicium) errichtete Römerkanal war innen mit einem abdichtenden roten Wasserputz (opus signinum) ausgekleidet, der seine hydraulische Wirkung hier durch Ziegelmehlzusatz - anstelle von Vulkanasche wie bei anderen römischen Leitungen - erhielt. Zum Abdichten feinster Haarrisse diente eine schwarzgraue Holzascheschicht, deren Funktion durch den römischen Ingenieur Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio, 80/70-um 15 vor Christus) im 1. Jahrhundert vor Christus beschrieben wurde. Der größtenteils begehbare, U-förmige Kanal war mit einem Gewölbe abgedeckt und verfügte über Revisionsschächte, die den Zugang für Reinigung, Kontrolle und Reparatur ermöglichten. Die Bauzeit betrug wohl nicht einmal fünf Jahre, da man gleichzeitig an mehreren Bauabschnitten arbeitete.
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Das Teilstück am Bahnhof in Kall
Das in Kall präsentierte Teilstück stammt aus dem 2 Kilometer südlich von Kall gelegenen Kalksteinbruch des Zementwerks Sötenich. Der Kalksteinabbau hat dort seit den 1920er-Jahren fast 1 Kilometer der Eifelwasserleitung zerstört. Die zuvor erfolgte Kartierung des Verlaufs zeigt, dass die Leitung sich hier einem schmalen, tiefeingeschnittenen Seitental des Urfttals angepasst hatte - daher ähnelte der Trassenverlauf einer Haarnadelkurve. Nahe ihrem Scheitelpunkt war ein Rest des ursprünglichen Kalksteinfelsens stehengeblieben. An seiner Ostseite hatte sich noch 1989 ein rund 20 Meter langer Abschnitt der Wasserleitung erhalten! Um der gänzlichen Zerstörung zuvorzukommen, wurde der Abschnitt im Frühjahr 1989 freigelegt, archäologisch untersucht und anschließend in Teilstücken geborgen.
Der vor Ort durchgeführten Dokumentation ist zu entnehmen, dass die Leitung auf einer 10 Zentimeter starken Stickung aus losen Grauwackesteinen stand. Darauf hatten die Bauleute die 18 Zentimeter starke Leitungssohle gegossen, mit den beidseitig aufsitzenden Wangen in Stärken von 35 Zentimetern (links) und 40 Zentimetern (rechts). Nach Auskleidung der Innenflächen mit rötlichem opus signinum, der auch die Oberkanten der Wangen zur Hälfte bedeckte, setzte man über einem Lehrgerüst das 27 Zentimeter starke Gewölbe aus vermörtelten Bruchsteinen. In der Nutzungszeit der Leitung lagerte sich im Inneren bis in eine Höhe von 42 Zentimeter eine maximal 3 Zentimeter dicke Kalksinterschicht ab.
Aufgrund der schlechten Erhaltung der talseitigen Wange gestaltete sich die Bergung schwierig. So entschloss man sich noch im Steinbruch, zwei Römerkanal-Teilstücke aus der stabilen bergseitigen Wange zusammenzusetzen und das Gewölbe aus Bruchstücken zu ergänzen.
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Ein wichtiges technikgeschichtliches Denkmal
Mit der Präsentation des Sötenicher Teilstücks der römischen Wasserleitung am Bahnhof in Kall soll auf die Bedeutung dieses besonderen Denkmals der antiken Wasserversorgung hingewiesen werden. Die Erforschung, der Schutz und die Präsentation von archäologischen Denkmälern im Rheinland sind das zentrale Anliegen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Der Römerkanal-Wanderweg macht dieses einmalige Bauwerk und seine zahlreichen Aufschlüsse zugänglich. Im Römerkanal-Informationszentrum am Himmeroder Hof in Rheinbach werden die Bauweise der Leitung, römische Wasserbaukunst sowie die Nachnutzung der Leitung im Mittelalter anschaulich erklärt.
Die Präsentation des Teilstücks der römischen Eifelwasserleitung wurde im Rahmen der Neugestaltung des westlichen Bahnhofsumfeldes als Schüsselprojekt zur Erneuerung und Funktionsstärkung des Ortskerns Kall zwischen 2023 und 2026 realisiert.

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2026)

Hinweis
Das Teilstück der Eifelwasserleitung am Bahnhof Kall ist Station der Archäologietour Nordeifel 2026.

Internet
de.wikipedia.org: Eifelwasserleitung (abgerufen 09.08.2026)
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Literatur

Grewe, Klaus (1986)
Atlas der römischen Wasserleitungen nach Köln. (Rheinische Ausgrabungen, 26.) S. 38-49 mit Kartenblatt 9, Köln u. Bonn.
Grewe, Klaus; Knauff, Manfred (2012)
Die lange Leitung der Römer. Der Römerkanal-Wanderweg Nettersheim-Köln. S. 148-150, Meckenheim.
Müssemeier, Ulrike (2025)
Die Eifelwasserleitung - Zustand der Aufschlüsse am Römerkanal-Wanderweg. In: Archäologie im Rheinland 2024, S. 240-243. Oppenheim am Rhein.

Römische Wasserleitung vor dem Bahnhof in Kall

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bahnhofstraße 13
Ort
53925 Kall
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Vor Ort Dokumentation, Archäologische Grabung

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„Römische Wasserleitung vor dem Bahnhof in Kall”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360429 (Abgerufen: 10. September 2026)
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