Irdenwaretöpferei und Blumentopffabrik Schaaf

Jaques Baumann

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 37,61″ N: 6° 48′ 52,67″ O 50,91045°N: 6,81463°O
Koordinate UTM 32.346.366,11 m: 5.642.140,98 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.557.338,37 m: 5.642.000,36 m
An dem Standort Hauptstraße 7 produzierten einst vier Generationen Töpfer der Familie Schaaf.

Peter Schaaf (1772-1849?)
Johann Schaaf (1813-1877)
Christian Joseph Schaaf (1810-1880)
Blumentopffabrik Peter Schaaf (?-1925)
Berufsschule Frechen
Archäologische Funde an der Hauptstraße 7
Quellen

Peter Schaaf (1772-1849?)
Dem Töpfer Peter Schaaf gehörten bis um das Jahr 1849 die Grundstücke Z 733, 734, 744, heute Hauptstraße 7 (LA NRW R 7210 1849 / 17). Ihm gehörten auch Grundstücke an der heutigen Hauptstraße 69, die er von seinem Schwiegervater Christian Stock übernommen hatte (LA NRW R 7207 / 1829). Peters Sterbejahr ist nicht bekannt - wahrscheinlich starb er um das Jahr 1849.
SCHAAF, PETER „Häfner, Töpfer - 1772 Dez. 3 geb. zu Frechen, Sohn der Ehel. Henrich Sch. und Katharina Fuß, Traureg. 3/1803 - 1803 Febr. 11 heir. Magdalena Stok. 24 Jahre alt, aus Frechen, ebd. - 1816 Trauzeuge bei der Hochzeit Förster-Niederstein. ebd. 10/1816 - 1817 Aug. 15 zeigt den Tod des Theodor Lövenich an, Sterbereg, 58/1817 - 1819 Nov. 5 zeigt den Tod der Mutter an, ebd. 129/1819 - 1824 Dez. 20 zeigt den Tod der Tochter Gertrud an, ebd. 95/1824 - 1847 Aug. 22 zeigt den Tod des Neffen Peter Schaaf an, ebd. 132/1847“(Göbels 1971).
nach oben

Johann Schaaf (1813-1877)
Um das Jahr 1849 übernahm der Töpfer Johann Schaaf die Grundstücke Z 733, 734, 744 von seinem Vater, dem Töpfer Peter Schaaf (LA NRW R 7210 / 1849 / 17). Johann Schaaf ist im Jahr 1850 in einer Handwerkerliste unter der Hausnummer 11 (StAF 182/21) und im Jahr 1856 unter der Hausnummer 12 (StAF 187/21) gelistet. Um das Jahr 1873 verkaufte er die Grundstücke an den Töpfer Christian Joseph Schaaf, bei dem es sich um seinen Bruder handeln könnte (ID 332) (LA NRW R 7213 1873 / 1). Johann verstarb im Jahr 1877.
SCHAAF, JOHANN „Töpfer, Fabrikarbeiter - 1813 Jan. 10 geb. zu Frechen, Sohn des Töpfers Peter Sch. und der Magdalena Stock, Geburtsreg. 7/1813 - 1848 Juni 9 zeigt den Tod des Vaters an, Sterbereg. 74/1848 - 1877 Juni 28 stirbt zu Frechen: Ehefrau war Sophia Rosen, ebd. 111/1877“(Göbels 1971).
nach oben

Christian Joseph Schaaf (1810-1880)
Ebenfalls um das Jahr 1849 erwarb der Töpfer Christian Joseph Schaaf, Bruder des Johann Schaaf, die Grundstücke Z 715, 717 und 716 von Heinrich Geusgen (LA NRW R 7210 1849 / 1). Diese befanden sich westlich der Fabrik des Johann Schaaf, an der heutigen Hauptstraße 21. Im Jahr 1849 baute er einen Töpferofen hinter seinem Haus Nummer 18 an der Hauptstraße. Geplant war die Errichtung einer Fabrik (LA NRW R 8849). Christian Joseph Schaaf ist in einer Handwerkerliste von 1850 unter der Hausnummer 18 (StAF 182/21) und 1856 unter der Hausnummer 19 (StAF 187/21) aufgeführt. Nach seinem Tod gingen die Grundstücke auf seinen Sohn Johann über, der hier 1899 eine Blumentopffabrik betrieb.
Christian Joseph Schaaf übernahm um das Jahr 1873 auch die Grundstücke Z 733, 734, 744 von seinem Bruder Johann Schaaf an der Hauptstraße 7 (LA NRW R 7213 1873 / 1).
nach oben
SCHAAF, CHRISTIAN JOSEPH „Töpfer - 1810 Apr. 6 geb. zu Frechen, Sohn des Bäckers Peter Sch. und der Magdalena Stock, Geburtsreg. 36/1810 - 1845 Jan. 2 heir. Angela Schaaf, Tochter des Töpfers Gerhard Sch., aus Frechen, Traureg. 2/1845 1848 baut einen Töpferofen, StaF Akt. 189 fol. 65 - 1849 Sept. 23 zeigt die Geburt des Sohnes Christian an, Geburtsreg. 139/1849 - 1850 in einer Handwerkerliste erwähnt, StaF Akt. 182 fol. 20 - 1856 in einer Töpferliste aufgeführt, StaF Akt. 187 fol. 21 - 1856 unterschreibt das Gesuch um Errichtung einer Töpferinnung. ebd. fol. 19 - 1869 Febr. 19 zeigt den Tod der Tochter Katharina an, Sterbereg. 57/1869 - 1876 Juli 20 zeigt den Tod seines Sohnes, des Töpfers Christian Sch., an, ebd. 99/1876 - 1880 Apr. 12 stirbt zu Frechen, ebd. 63/1880“ (Göbels 1971).
nach oben

Blumentopffabrik Peter Schaaf (?-1925)
Laut Adressbuch von 1899 firmierte an der Hauptstraße 22 (im Jahr 1899) die Blumentopffabrik Peter Schaaf. Nach dessen Tod (um 1925) gehörte die Töpferei seiner Witwe und es firmierte hier kurze Zeit laut Heeg (1992) die (Kunst-) Töpferei J. (Jaques) Baumann. Diese produzierte „vor allem aufwendig gestaltete Blumenkübel, Übertöpfe und Vasen. Eine Besonderheit waren seine Großgefäße mit reichen bildhaften Reliefauflagen“ (Heeg 1992, S. 116). In den nun modernisierten Produktionsräumen existierte unter anderem auch ein „Salzofen“ (Bauart nicht bekannt) (LVR-ABR 1124107, ZÜ1991/2).
nach oben

Berufsschule Frechen
Bereits seit 1909 gab es in Frechen eine Handwerker-Fortbildungsschule, die verpflichtend für „alle nicht bloß vorübergehend beschäftigten Handwerksgesellen, -gehilfen und -lehrlinge“ war. Der Bürgermeister Dr. Toll erachtete es 1926 als notwendig, diese systematisch zu einer Berufsschule auszubauen und auch die „bisher außerhalb der Schule stehenden Jugendlichen der Braunkohlen- und Keramikindustrie“ einzubinden (Heeg 1992, S. 115). Dr. Toll erließ am 8. April 1927 die Ortssatzung für die Berufsschule der Gemeinde Frechen. Passende Räumlichkeiten für Fachklassen und eine Schulwerkstatt für den Fachunterricht Keramik fanden sich in der leerstehenden Töpferei Baumann an der Hauptstraße 7. Die Gemeinde Frechen mietete den Betrieb von der Witwe Schaaf auf die Dauer von 10 Jahren für monatlich 50 Mark ab dem 1.10.1927 (Heeg 1992, S. 116). Der Unterricht begann im Oktober unter der Leitung von Wim Mühlendyck, der bereits die Ausbildung in der feinkeramischen Abteilung des Kalscheuerwerkes mit der Köln-Frechener Keramik des Toni Ooms durchführte. Um 1931 besuchten 25 Schüler die Oberstufe und 17 Schüler die Keramiker Mittelstufe, während die Unterstufe zusammen mit der Baugewerbeklasse unterrichtet wurde (Heeg 1992, S. 117). Nach der Auflösung der Feinkeramikabteilung des Kalscheuerwerkes wurden hier weiterhin bis in den Zweiten Weltkrieg Facharbeiter für die Grobkeramische Industrie Frechens ausgebildet.
nach oben

Archäologische Funde an der Hauptstraße 7
Auf dem Grundstück Nummer 7 wurden bei archäologischen Grabungen drei Öfen und rund 40 Gruben eines Töpfereibetriebes ergraben. Unter diesen drei Öfen befand sich auch der bis 1991 „früheste Steinzeugofen Frechens“. Er wies drei Umbau- beziehungsweise Nutzungsphasen auf, die ins 14.-16. Jahrhundert datieren und den technologischen Wandel im Ofenbau zeigen. Er ist somit ein wichtiges Zeugnis für die technologische Entwicklung der Töpferöfen in Frechen. Zudem belegen die Öfen eine noch ältere Nutzung dieses Areals als Töpfereistandort.

Von der Töpferei und der Berufsschule sind keine obertägigen Reste vorhanden.

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)

Quellen
Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland
  • LA NRW R 7207 / 1829
  • LA NRW R 7210 1849 / 17
  • LA NRW R 7213 1873 / 1
  • LA NRW R 8849
Stadtarchiv Frechen
  • StAF 182/21
  • StAF 187/21
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege, Ortsarchiv, LVR-ABR 1124107, ZÜ1991/2

nach oben

Literatur

Göbels, Karl (1971)
Rheinisches Töpferhandwerk. gezeigt am Beispiel der Frechener Kannen-, Düppen- und Pfeifenbäcker. o. O.
Heeg, Egon / Förderverein des Keramikmuseums der Stadt Frechen e.V. (Hrsg.) (1992)
Die Köln-Frechener Keramik des Toni Ooms 1919-1934. Köln.
Jürgens, Antonius; Tzschoppe, Jürgen (1992)
Neues zum technologischen Wandel der Frechener Steinzeugöfen. AR 1991, S. 133. (Archäologie im Rheinland 1991.) S. 133-134. Köln.
(1899)
1899. Adressbuch der zur Bürgermeisterei Frechen gehörigen Gemeinden Frechen, Bachem und Buschbell. Frechen.

Irdenwaretöpferei und Blumentopffabrik Schaaf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hauptstraße 7
Ort
50226 Frechen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1849

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
Nicole Schmitz (2026): „Irdenwaretöpferei und Blumentopffabrik Schaaf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360371 (Abgerufen: 20. Oktober 2026)
Seitenanfang