Der Umzug ist für das Jahr 1858 als „Zugang einer Töpferfabrik mit 4 Arbeitern von Sticker zu Lindenthal“ in den Erläuterungen zur Fabrikantentabelle des Landkreises Cöln verzeichnet, ebenso wie der Abgang aus Frechen (Landesarchiv NRW). Sticker selbst wohnte laut Grevens Adressbuch von 1865 in der Streitzeuggasse 16 in Köln. Im August des Jahres 1866 beantragte er die Errichtung und Inbetriebnahme eines zweiten Ofens. Einem Artikel zur „Frechener Industrie“ im Kölner Tageblatt (17.09.1894) zufolge entwickelte Sticker in seinem Lindenthaler Werk wohl auch eigene Brennöfen: „Die dort von ihm erbauten, eigens konstruierten Oefen fanden befugt oder unbefugt in Frechen bald Nachahmung“. Auch nach seinem Umzug nach Lindenthal verwendete Sticker den Tonrohstoff aus eigener Förderung in Frechen. 1876 bezog Sticker seinen Ton aus der Gemeindekiesgrube Frechen (StAF 195/56), bei der es sich möglicherweise um die in Heeg beschriebene Gemeindesandgrube an der Rosmarstraße (Grube Nr. 8) handelt, die von 1840 an als Torfgrube geführt und im Umschlagverfahren betrieben wurde (Heeg 1972, S. 12). Hier förderte Sticker Ton in Kaulen (Göbels 1971, S. 39).
Seine „Stein- und Thongutfabrik“ befand sich 1874 an der Adresse Dürenerstraße 19 in Lindenthal (Grevens Adressbuch 1874); laut einer Werbeanzeige „1/4 Meile vor dem Hahnentore Cöln´s“ (Grevens Adreßbuch 1874). 1875 beschäftigte Sticker in seinem Werk 12 Arbeiter (Dörner 1953, S. 70).
In Grevens Adressbuch von 1878 lautet die Adresse der Thonröhrenfabrik Dürener Straße 162 und im Jahr 1880 Dürener Straße 166, welche sich bis 1889 dann nicht mehr verändert.
Im Adreßbuch von 1877 ist ein Eintrag zu finden, laut dem der Kölner Kaufmann Adolf Bauer die Steinzeugfabrik des Eduard Sticker in Lindenthal übernommen hatte. Eduard Sticker ist nun auch als „Rentner“ verzeichnet, der in der Dürener Straße 163 wohnt (Greven's Adreßbuch 1877, S. 284). Adolf Bauer dagegen hat den Eintrag: „vorm. H.E. Sticker, Steingutröhren- und Plattenfabrik, Theresienstraße 64“ (ebd.). Im Adressbuch von 1880 findet sich schließlich die Information, dass Adolf Bauer zwei Steinzeugfabriken betreibt, nämlich eine in Lindenthal und eine in Frechen (Greven's Adressbuch 1880, S. 332).
Für die Jahre 1885-1887 ist folgender Eintrag zu finden: „Sticker, Rich. Thonröhrenfabrik, Dürener Straße 166“. Ob es sich um einen Verwandten des kinderlosen und ledigen Eduard Sticker handelte, und ob Adolph Bauer noch in den Lindenthaler Betrieb involviert war, ist unbekannt. Für die Jahre danach existieren keine Adressbucheinträge für die Fabrik mehr. Heinrich Eduard Sticker starb am 11.05.1888 82-jährig in Köln Lindenthal, Dürener Straße 162 (Standesamt Köln-Lindenthal, Nr. 31/1888, Historisches Archiv Köln). Auch in der Neußer Zeitung vom 15.5.1888 wurde darüber berichtet.
Heutiger Zustand
Von der Steinzeugfabrik in Köln sind keine obertägigen Reste mehr vorhanden.
(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)
Quellen
Adressbücher
- Grevens Adressbuch Köln von 1865: Sticker, Heinrich Eduard (abgerufen am 19.09.2025)
- Grevens Adreßbuch Köln 1874, S. 232 und Grevens Adreßbuch Köln 1874, S. 319 (abgerufen am 19.09.2025)
Zeitungen
- Neußer Zeitung vom 15.5.1888 (abgerufen am 19.09.2025)
Archive
- Stadtarchiv Frechen, Akte 195/56
- Kölner Tageblatt vom 17. September 1894, Nr. 215: Frechener Industrie (Sammlung Bernd Mayerhofer, Ordner „Steinzeug allgemein“, Stadtarchiv Frechen)
- Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, BR0031 (Landratsamt Köln), Nr. 8, S. 11 und 13: Eintrag in den Erläuterungen zur Fabrikantentabelle des Landkreises Cöln pro 1858 als Zugang in Köln unter der Nummer 33. Fol 370/375 (abgerufen am 19.09.2025)
- LA NRW R 8865 (Anlage Töpferöfen 1852 bis ?): Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
- Historisches Archiv Köln: Sterbeurkunde des Heinrich Eduard Sticker (abgerufen am 16.06.2026)
- Ortsarchiv der LVR-Bodendenkmalpflege, NW 1994/128, 1124050