An die letzte Hexenverbrennung im Rheinland erinnert das Kunstwerk „Befreiung“, auch Gerresheimer Hexenstein genannt, das 1989 an der Dreherstraße in Düsseldorf-Gerresheim aufgestellt wurde. 2011 wurde der Platz, auf dem es sich befindet, nach den beiden Frauen Platz benannt.
Das Kunstwerk
Die Bildhauerin Gabriele Tefke schuf das Werk aus Anröchter Dolomit. Eine Frauengestalt scheint gleichermaßen auf dem grob gehauenen Steinblock zu liegen und mit einem Seil daran gefesselt zu sein. Ihre Hände sind ihr auf den Rücken gebunden.
Die Vorderseite des Steins trägt die in Versalien gehaltene Inschrift:
Die Würde / des Menschen ist unantastbar
Helene M. Curtens und Agnes Olmanns
in Gerresheim am 19.8.1738 verbrannt
nach dem letzten Hexenprozess am Niederrhein
und für alle Gequälten und Ausgestoßenen.
Helene M. Curtens und Agnes Olmanns
in Gerresheim am 19.8.1738 verbrannt
nach dem letzten Hexenprozess am Niederrhein
und für alle Gequälten und Ausgestoßenen.
Helena Mechthild Curtens
Helena Mechthild Curtens wurde am 11. Mai 1722 in Gerresheim geboren und war die Tochter von Kasparus und Elisabeth Curtens. Sie wurde katholisch getauft. Ihre Mutter verstarb 1729 bei der Geburt eines jüngeren Geschwisterkindes. Im Folgejahr heiratete der Vater Anna Margarethe Meisenburg, zu der Helena Curtens ein angespanntes Verhältnis hatte.
Bis 1736 begab das Mädchen sich mit dem Vater und einer Frau namens Maria Calcum drei Mal auf die Wallfahrt nach Kevelaer. Dabei verbreitete Helena Curtens selbst Gerüchte, dass ihr Geister erschienen. Diese wurden im Prozess 1738 gegen sie verwendet.
Agnes Olmans
Agnes Heushof wurde 1691 in Hamm geboren. 1710 heiratete sie den Tagelöhner Johann Heinrich Olmans. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor.
Die Familie wechselte oft den Wohnort, da Johann Heinrich Olmans auf verschiedenen Höfen Arbeit fand.
Der Prozess 1737/1738
Helena Curtens wurde 1736 im Alter von 14 Jahren aufgrund der Gerüchte um von ihr wahrgenommene Geistererscheinungen verhaftet. Die Ermittlungen führte der Richter des Amtes Mettmann mit Sitz in Gerresheim Johann Sigismund Schwarz (1676-nach 1740, auch Johann Wirich / Wyrich Sigismundt Schwartz).
In ihrem Verhören bezichtigte Helena Curtens ihre Nachbarin Agnes Olmans der „Buhlschaft mit dem Schwarzen“, also des sexuellen Verkehrs mit dem Teufel. Außerdem sagte sie aus, von Olmans zur Hexerei verführt worden zu sein.
Diese bestritt die Anschuldigungen und war auch bereit, sich einer Hexenprobe durch Eintauchen zu unterziehen, die jedoch bereits seit 1555 verboten war.
Im Prozess 1738 wurden die 16-jährige Helena Curtens und Agnes Olmans, damals 46 oder 47 Jahre alt, der Hexerei für schuldig befunden. Am 19. August 1738 wurden sie auf dem damaligen Richtplatz am Gallberg verbrannt, der sich etwa 1,5 Kilometer nördlich des heutigen Gerresheimer Hexensteins befand.
Danach fanden am Niederrhein keine Hexenprozesse mehr statt.
(Antonia Frinken, LVR-Abteilung Digitales Kulturerbe, 2026)
Internet
langzeitarchivierung.bib-bvb.de: Hexenverfolgungen in Düsseldorf (ursprünglich unter www.historicum.net, Text Erika Münster-Schröer, 19.01.2009, abgerufen 01.06.2026)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Kurzbiografie von Helena Curtens und Informationen zum Prozess (Text Jennifer Striewski, abgerufen 27.05.2026)
de.wikipedia.org: Agnes Olmans (abgerufen 27.05.2026)
de.wikipedia.org: Helena Curtens (abgerufen 27.05.2026)
d-nb.info: Schwarz, Johann Wyrich Sigismund (abgerufen 01.06.2026)